Seit der Finanzkrise beschreiten die großen Notenbanken der westlichen Welt neue Wege. Negativzinsen oder großvolumige Anleihekäufe durch die Zentralbanken schienen noch vor 15 Jahren undenkbar – heute gehören sie wie selbstverständlich zum geldpolitischen Instrumentarium. Längst ist auch von einem neuen Selbstverständnis der Notenbanken die Rede, die in der Krise nicht mehr nur als “lender of last resort” Banken auffangen, sondern auch als “dealer of last resort” die Finanzmärkte stabilisieren. In der Coronakrise intervenierten die Notenbanken jüngst in bisher unbekanntem Ausmaß und verhinderten mit ihrem Eingreifen einen Finanzkollaps.

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Die “neue Normalität” der internationalen Geldpolitik ist spätestens seit 2015 mit dem Quantitative Easing der EZB auch in Europa angekommen. Die EZB hat sowohl in der Eurokrise als auch nun in der Coronakrise entscheidend zum Zusammenhalt Europas beigetragen. Aber in kaum einem Mitgliedstaat hat die EZB damit einen schwereren Stand als in Deutschland. Angesichts der immer größere Interventionen fühlen sich Teile der Bevölkerung zunehmend unwohl und sehnen sich nach der Orthodoxie der alten Bundesbank. Auch manchen Wirtschaftswissenschaftler*innen und Politiker*innen in Deutschland geht die Geldpolitik der EZB zu weit. Von einem Anstieg der Inflation der Verbraucher*innenpreise ist zwar wenig zu sehen, aber die Verteuerung der Immobilienpreise und die Aufblähung der Aktienmärkte ist offenkundig. Gleichzeitig wirkt die Geldpolitik der EZB bisher ökologisch blind.

Dies ist eine online-Veranstaltung der Heinrich-Böll Stifung zusammen mit Sven Giegold, MdEP, zu den Fragen: War die EZB-Geldpolitik der vergangenen Jahre wirklich zu locker? Wird ihre massive Ausweitung der Geldmenge irgendwann zu unkontrollierter Inflation führen? Oder geht da sogar noch mehr, wie ja unter “Modern Monetary Theory” diskutiert wird? Müsste die EZB nicht mehr auch an die Kleinsparer*innen denken? Welche Rolle kann und soll die EZB bei der ökologischen Transformation spielen? 

Unsere Gäste:

  • Isabel Schnabel ist seit 2020 Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank. Zuvor war sie Professorin für Finanzmarktökonomie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (bekannt als “Die 5 Wirtschaftsweisen”).
  • Lars P. Feld ist Direktor des Walter Eucken Instituts und Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftspolitik und Ordnungsökonomik an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Seit 2011 war auch er Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und bis zum Ende der Amtszeit im Februar 2021 sein Vorsitzender.

 

Mehr Informationen und Anmeldung hier.

Eine Online-Veranstaltung der Monetative e.V. mit Ulrich Bindseil, Alfred Eibl, Fabio De Masi, Joseph Huber, Markus Zydra und Johannes Priesemann. Keine Anmeldung nötig, Zoom-Link hier.

 

16. Internationale Konferenz für Finanzdienstleistungen (online)

Die aktuellen Krisen zeigen die Notwendigkeit der Förderung eines resilienten und nachhaltigen Wirtschaftssystems auf. Der Trend weg von einer Einkommenskontinuität hin zu Einkommensmobilität und Fragilität wird durch die Folgen der Corona-Krise beschleunigt und sichtbar. Auch zukünftig wird die Klimakrise die Einkommensfragilität erhöhen. Es gilt daher aus den bisherigen Erfahrungen zu lernen und Resilienz zu stärken.

Der Finanzdienstleistungsbranche kommt hierbei eine besondere Bedeutung zu. Finanzdienstleistungen bieten Möglichkeiten, sich vor verschiedenen Risiken im Voraus abzusichern und kurzfristig Liquidität bereitzustellen. Wie kann vor dem Hintergrund der zunehmenden Einkommensfragilität mithilfe der Finanzleistungsbranche dauerhafte Liquidität, insbesondere im Alter sichergestellt werden? Im Rahmen der iff-Konferenz wollen wir uns diesen Fragen widmen und aus der Perspektive der Anbieter, dem Verbraucherschutz und der Schuldnerberatungen und der Politik diskutieren.

THEMEN

  • Folgen der Covid-19 Pandemie für Verbraucherinnen und Verbraucher und die Finanzdienstleistungsbranchen
  • Covid-19 – Was nehmen wir für die Zukunft der Schuldnerberatung mit?
  • Nachhaltige Geldanlage – Ein Instrument zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele? Eine Wirkungsanalyse
  • Reform der Riester-Rente – Wie kann sie gelingen?
  • Praxisberichte Musterfeststellungsklage und Prämiensparverträge
  • Einblicke in die neue CAWIN-Programmgeneration
  • u.a.

Mehr Informationen und Anmeldung unter: https://www.iff-hamburg.de/hamburg-2021/

Regiogeld: Stand der Dinge 2020

Regiogelder versuchen, regionale Wirtschaftskreisläufe zu stimulieren und regionale Wertschöpfungsketten zu knüpfen, indem neue Zahlungsmittel für Regionen bereitgestellt werden. Zahlreiche Experimente haben zahlreiche Erfahrungen entstehen lassen.

Den Regiogeldern fehlen aber weiterhin relevante Aspekte ihres Tuns:

  • tragfähige Geschäftsmodelle, die die Aufwände zur Organisation des Regiogeldes abdecken
  • eine technische Infrastruktur, die den digitalen Gewohnheiten der 2020er Jahre angemessen ist
  • eine Durchdringung in der Unternehmerschaft und bei privaten Haushalten, die das Erreichen kritischer Dichte und kritischer Masse ermöglicht

Regiogeld mit regionalen Investitionen verknüpfen

Aus der oben beschriebenen Ausgangslage entstand beim Elbtaler eine Idee für eine Weiterentwicklung des Regiogeld-Systems. Diese Idee verknüpft die Möglichkeit zur Investition in regionale Unternehmen mit den Fähigkeiten umlaufenden Regiogeldes.

Hinter dieser Idee stehen folgende Überlegungen und Beobachtungen:

  • zahlreiche Menschen suchen in einem Niedrigzins-Umfeld nach Wegen, ihr Geld angemessen zu investieren
  • es mangelt an guten Investitionswegen in regionale Unternehmen für Kleininvestoren
  • die Kooperation zwischen Elbtaler e.V. und der Energiegenossenschaft egNEOS eG zeigt, dass Euro-Investitionen in Energieprojekte in Form von Regiogeld verzinst werden können. Dabei fungiert die Energiegenossenschaft als Investitionssammler einerseits und als Regiogeld-Nachfrager im Elbtaler-System andererseits, um ihren Zinszahlungen nachkommen zu können. Dies stimuliert das Regiogeld-System, weil der zinszahlende Investor eine regelmäßige Nachfrage nach Regiogeld hat.
  • Erfahrungen mit Investitionen in regionale Unternehmen gibt es bereits im Umfeld der RegionalWert AG und ihrer Schwestern.

Daher entstand die Idee,

  • eine Investitionsgesellschaft zu gründen,
  • die Geld von Bürger*innen einsammelt und in regionale Unternehmen investiert.
  • Resultierenden Zinszahlungen könnten dann in Regiogeld statt Euro ausgeschüttet werden,
  • um von den Bürgerinvestoren bei den teilnehmenden Unternehmen ausgegeben werden.

Organisiert werden muss sowas idealerweise über ein digitales System, um die Aufwände gering und die Skalierbarkeit hoch zu halten.

Die Vorteile sind zahlreich:

  • dieser Ansatz spricht nicht nur Leute an, die nachhaltig wirtschaften wollen, sondern auch Menschen, die schlicht nach Investitionsmöglichkeiten für ihre Ersparnisse suchen. Somit verbreitert sich die Basis der Teilnehmenden.
  • Regionale Unternehmen haben regelmäßig Bedarf an Investitionsmitteln, die sie bislang oft nur aus etablierten Finanzkanälen wie Banken bekommen. Ein Weg der Bürgerfinanzierung bietet einen weiteren Finanzierungskanal für diese Unternehmen und damit eine Integrationsmöglichkeit in ein regionales Netzwerk.
  • Die Ausschüttung der Rendite in Regiogeld ist kein Muss. Passiert sie aber in Regiogeld, so wird die Kaufkraft lokal gebunden und die Regiogeld-Effekte treten zutage.
  • Die Nachfrage nach Regiogeld in solch einem System ist dadurch dauerhaft gegeben, weil die finanzierten Unternehmen ihren Zinspflichten nachkommen müssen. Dadurch entsteht ein Eigeninteresse bei diesen, die eigenen Produkte und Dienstleistungen auch gegen Regiogeld zu verkaufen, weil es einen garantierten Abnahmekanal für die Regiogeld-Erlöse gibt: die Zinszahlungen. Dadurch ist eine Art „monetäre Umwälzpumpe“ in das Gesamtsystem integriert, etwas was Regiogeldern bislang oft fehlt.1

 

Ein digitales System: Investitionsplattform, Kontensystem, Smartphone-App

Das oben beschriebene System kann nur mit angemessener digitaler Unterstützung halbwegs aufwandsarm aufgesetzt und administriert werden. Zudem erwarten Haushalte und Unternehmer*innen heute eine Abbildung solcher Dienste auch in digitaler Form, da sie die Nutzung von Online-Banking und Zahlungen bereits häufig digital durchführen. Ein ganzheitlich einsetzbares System würde daher aus mindestens drei integrierten Modulen bestehen, die ineinander greifen:

  • ein Online-Marktplatz für Investitionen, in die Unternehmen ihre Investment-Angebote einstellen und Bürgerinvestoren Geld in diese Angebote stecken können, sowie ihre Investments verwalten können.
  • Ein Kontensystem würde das Empfangen von Zinszahlungen für Investoren, aber auch das Entgegennehmen von Erlösen in Regiogeld bei Unternehmern oder Mitarbeitenden erlauben.
  • Eine Smartphone-App würde mobil Zahlungsvorgänge innerhalb dieses Kontensystems ermöglichen, wie das der moderne Nutzer erwarten würde.

Die folgende Grafik zeigt das Zusammenspiel zwischen Unternehmern und Investoren, sowie den Einsatz des digitalen Systems und das Zusammenspiel seiner Module:

Dabei wird sichtbar, dass das digitale System sowohl Funktionen für die Administratoren, als auch solche für Unternehmen und Investoren bereitstellt. Es erleichtert den Umgang mit der Plattform und erlaubt den reibungslosen und aufwandsarmen Ablauf der Vorgänge durch diverse Unterstützungsfunktionen.

Erweitert könnte solch ein System auf dezentralen Datenbanken wie Blockchain aufgesetzt und um dort mögliche Funktionen wie SmartContracts erweitert werden, um das integrierte Finanzsystem für neuere Entwicklungen vorzubereiten und offen für andere Plattformen zu machen. Auf der dezentralen Datenbank könnten Assets verwaltet werden und handelbar gemacht werden, wie z.B. Unternehmensanteile oder Darlehensverträge oder auch die „Coins“ des Regiogeldes.

Strategie: Vorgehen zur Realisierung

Um solch ein System zu erproben braucht es folgende Bausteine:

  • mindestens eine, besser mehrere Regiogeld-Initiativen, die solch einen Ansatz erproben wollen
  • die Gründung einer oder mehrerer regionaler Investitionsgesellschaften, die als Träger fungieren
  • ein Wissenstransfer zwischen bestehenden Erfahrungsträgern für die Etablierung und Administration von Regiogeld, sowie für die Kalkulation und Umsetzung von Investitionen in regionale Unternehmen sowie für die (Re-)Finanzierung von Bürgerinvestitionen
  • Entwurf, Entwicklung und Erprobung des skizzierten digitalen Systems
  • exemplarische Umsetzung des Verfahrens in den teilnehmenden Initiativen/Regionen sowie reflektierend-beobachtend-beratende wissenschaftliche Begleitung

Zur Realisierung könnte ein überregionales Forschungs- und Umsetzungskonsortium gebildet werden, welches das Vorhaben als Forschungs- und Entwicklungsprojekt positioniert und entsprechende Mittel bei Ausschreibungen einwirbt. Beispielhaft könnte die FONA-Initiative des BMBF oder Förderungen des BMWi oder Förderungen im Bereich Klimaschutz des BMU genutzt werden, was jeweils ein leicht anderes Framing des Gesamtvorhabens erfordern würde.

Expertise in der Software-Entwicklung sowie Verbindungen zu Blockchain-Entwicklern liegen beispielsweise beim Elbtaler e.V. vor.


Der Autor

Norbert Rost arbeitet seit 2001 an konstruktiven Verbesserungen des Finanzsystems, hat 2005 den Elbtaler mitgegründet und für diesen die Regiogeld-Software „RegionalAtlas“ mitentwickelt. www.zukunftsstadt.de

 

mit Eske Bockelmann, klassischer Philologe und Germanist an der Universität Chemnitz. Bezugnehmend auf sein letztes Buch „Das Geld“, werden wir über unser Geldsystem, seinen Ursprung, seine Geschichte und seine Denkweise reden.weiterlesen

Seit der globalen Finanzkrise 2008 haben sich die Rolle und das Repertoire der Zentralbanken stark verändert. Auch im März 2020 bewiesen die Zentralbanken einmal mehr, dass in Krisenzeiten vieles von ihnen abhängt: Mit ihrem entschiedenen und weitreichenden Handeln verhinderten sie, dass die Welt zusätzlich zu der schweren Gesundheits- und Wirtschaftskrise infolge der Pandemie einen Zusammenbruch der Finanzmärkte erlebte.
Welche Implikationen haben diese wiederkehrenden Interventionen von Zentralbanken auf gesellschaftliche Herausforderungen wie die Klimakrise, Ungleichheit und instabile Finanzmärkte? Könnten und sollten Zentralbanken eine aktivere Rolle bei der sozial-ökologischen Transformation unserer Wirtschaft spielen?

Die Europäische Zentralbank führt derzeit die erste Strategieüberprüfung seit 17 Jahren durch – Präsidentin Lagarde hat deutlich signalisiert, dass sich die EZB ihrer neuen Rolle stellen will.

In demokratischen Gesellschaften erfordert dies eine breite gesellschaftliche Debatte über die Aufgaben der Zentralbanken – gerade in Zeiten finanzieller Instabilität, wachsender Ungleichheit und einer eskalierenden Klimakrise. Den Zentralbanken stehen mächtige Instrumente zur Verfügung. Sollten sie – und wenn ja, wie – politische Ziele jenseits ihres traditionellen Preisstabilitätsmandats unterstützen? Die Konferenz „Next Generation Central Banking: Klimakrise, Ungleichheit, instabile Finanzmärkte“ bietet der Debatte um diese entscheidenden Fragen ein Forum.

Mit (unter anderem):

  • Claudia Buch, Bundesbank Vizepräsidentin
  • Adam Tooze, Kathryn and Shelby Cullom Davis Professor für Geschichte; Columbia University
  • Mary C. Daly*, Präsidentin und Chief Executive Officer, Federal Reserve Bank of San Francisco
  • Michael Horváth, Chefökonom, Nationalbank der Slowakei
  • Irene Tignali*, Mitglied des Europäischen Parlaments, Vorsitzende des Ausschusses für Wirtschaft und Währung (ECON)
  • Daniela Gabor, Professorin für Wirtschaft und Macro-Finance, UWE Bristol
  • Sven Giegold, Mitglied des Eurpäischen Parlaments, Mitglied der Grünen/EFA-Fraktion im Europaparlament
  • Pierre Monnin, Senior Fellow, Council on Economic Policies
  • Benjamin Braun, Max Planck Institut für Gesellschaftsforschung
  • Jens van’t Klooster, Postdoctoral Fellow am Institut für Philosophie, KU Leuven
  • Juliá Király, Professorin an der IBS, Budapest und ehemalige stellvertretende Gouverneurin der ungarischen Zentralbank
  • Sylvie Goulard*, Vizepräsidentin der französischen Zentralbank

Mehr Informationen, das detaillierte Programm und die Links zur Anmeldung,  finden Sie hier