16. Internationale Konferenz für Finanzdienstleistungen (online)

Die aktuellen Krisen zeigen die Notwendigkeit der Förderung eines resilienten und nachhaltigen Wirtschaftssystems auf. Der Trend weg von einer Einkommenskontinuität hin zu Einkommensmobilität und Fragilität wird durch die Folgen der Corona-Krise beschleunigt und sichtbar. Auch zukünftig wird die Klimakrise die Einkommensfragilität erhöhen. Es gilt daher aus den bisherigen Erfahrungen zu lernen und Resilienz zu stärken.

Der Finanzdienstleistungsbranche kommt hierbei eine besondere Bedeutung zu. Finanzdienstleistungen bieten Möglichkeiten, sich vor verschiedenen Risiken im Voraus abzusichern und kurzfristig Liquidität bereitzustellen. Wie kann vor dem Hintergrund der zunehmenden Einkommensfragilität mithilfe der Finanzleistungsbranche dauerhafte Liquidität, insbesondere im Alter sichergestellt werden? Im Rahmen der iff-Konferenz wollen wir uns diesen Fragen widmen und aus der Perspektive der Anbieter, dem Verbraucherschutz und der Schuldnerberatungen und der Politik diskutieren.

THEMEN

  • Folgen der Covid-19 Pandemie für Verbraucherinnen und Verbraucher und die Finanzdienstleistungsbranchen
  • Covid-19 – Was nehmen wir für die Zukunft der Schuldnerberatung mit?
  • Nachhaltige Geldanlage – Ein Instrument zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele? Eine Wirkungsanalyse
  • Reform der Riester-Rente – Wie kann sie gelingen?
  • Praxisberichte Musterfeststellungsklage und Prämiensparverträge
  • Einblicke in die neue CAWIN-Programmgeneration
  • u.a.

Mehr Informationen und Anmeldung unter: https://www.iff-hamburg.de/hamburg-2021/

Regiogeld: Stand der Dinge 2020

Regiogelder versuchen, regionale Wirtschaftskreisläufe zu stimulieren und regionale Wertschöpfungsketten zu knüpfen, indem neue Zahlungsmittel für Regionen bereitgestellt werden. Zahlreiche Experimente haben zahlreiche Erfahrungen entstehen lassen.

Den Regiogeldern fehlen aber weiterhin relevante Aspekte ihres Tuns:

  • tragfähige Geschäftsmodelle, die die Aufwände zur Organisation des Regiogeldes abdecken
  • eine technische Infrastruktur, die den digitalen Gewohnheiten der 2020er Jahre angemessen ist
  • eine Durchdringung in der Unternehmerschaft und bei privaten Haushalten, die das Erreichen kritischer Dichte und kritischer Masse ermöglicht

Regiogeld mit regionalen Investitionen verknüpfen

Aus der oben beschriebenen Ausgangslage entstand beim Elbtaler eine Idee für eine Weiterentwicklung des Regiogeld-Systems. Diese Idee verknüpft die Möglichkeit zur Investition in regionale Unternehmen mit den Fähigkeiten umlaufenden Regiogeldes.

Hinter dieser Idee stehen folgende Überlegungen und Beobachtungen:

  • zahlreiche Menschen suchen in einem Niedrigzins-Umfeld nach Wegen, ihr Geld angemessen zu investieren
  • es mangelt an guten Investitionswegen in regionale Unternehmen für Kleininvestoren
  • die Kooperation zwischen Elbtaler e.V. und der Energiegenossenschaft egNEOS eG zeigt, dass Euro-Investitionen in Energieprojekte in Form von Regiogeld verzinst werden können. Dabei fungiert die Energiegenossenschaft als Investitionssammler einerseits und als Regiogeld-Nachfrager im Elbtaler-System andererseits, um ihren Zinszahlungen nachkommen zu können. Dies stimuliert das Regiogeld-System, weil der zinszahlende Investor eine regelmäßige Nachfrage nach Regiogeld hat.
  • Erfahrungen mit Investitionen in regionale Unternehmen gibt es bereits im Umfeld der RegionalWert AG und ihrer Schwestern.

Daher entstand die Idee,

  • eine Investitionsgesellschaft zu gründen,
  • die Geld von Bürger*innen einsammelt und in regionale Unternehmen investiert.
  • Resultierenden Zinszahlungen könnten dann in Regiogeld statt Euro ausgeschüttet werden,
  • um von den Bürgerinvestoren bei den teilnehmenden Unternehmen ausgegeben werden.

Organisiert werden muss sowas idealerweise über ein digitales System, um die Aufwände gering und die Skalierbarkeit hoch zu halten.

Die Vorteile sind zahlreich:

  • dieser Ansatz spricht nicht nur Leute an, die nachhaltig wirtschaften wollen, sondern auch Menschen, die schlicht nach Investitionsmöglichkeiten für ihre Ersparnisse suchen. Somit verbreitert sich die Basis der Teilnehmenden.
  • Regionale Unternehmen haben regelmäßig Bedarf an Investitionsmitteln, die sie bislang oft nur aus etablierten Finanzkanälen wie Banken bekommen. Ein Weg der Bürgerfinanzierung bietet einen weiteren Finanzierungskanal für diese Unternehmen und damit eine Integrationsmöglichkeit in ein regionales Netzwerk.
  • Die Ausschüttung der Rendite in Regiogeld ist kein Muss. Passiert sie aber in Regiogeld, so wird die Kaufkraft lokal gebunden und die Regiogeld-Effekte treten zutage.
  • Die Nachfrage nach Regiogeld in solch einem System ist dadurch dauerhaft gegeben, weil die finanzierten Unternehmen ihren Zinspflichten nachkommen müssen. Dadurch entsteht ein Eigeninteresse bei diesen, die eigenen Produkte und Dienstleistungen auch gegen Regiogeld zu verkaufen, weil es einen garantierten Abnahmekanal für die Regiogeld-Erlöse gibt: die Zinszahlungen. Dadurch ist eine Art „monetäre Umwälzpumpe“ in das Gesamtsystem integriert, etwas was Regiogeldern bislang oft fehlt.1

 

Ein digitales System: Investitionsplattform, Kontensystem, Smartphone-App

Das oben beschriebene System kann nur mit angemessener digitaler Unterstützung halbwegs aufwandsarm aufgesetzt und administriert werden. Zudem erwarten Haushalte und Unternehmer*innen heute eine Abbildung solcher Dienste auch in digitaler Form, da sie die Nutzung von Online-Banking und Zahlungen bereits häufig digital durchführen. Ein ganzheitlich einsetzbares System würde daher aus mindestens drei integrierten Modulen bestehen, die ineinander greifen:

  • ein Online-Marktplatz für Investitionen, in die Unternehmen ihre Investment-Angebote einstellen und Bürgerinvestoren Geld in diese Angebote stecken können, sowie ihre Investments verwalten können.
  • Ein Kontensystem würde das Empfangen von Zinszahlungen für Investoren, aber auch das Entgegennehmen von Erlösen in Regiogeld bei Unternehmern oder Mitarbeitenden erlauben.
  • Eine Smartphone-App würde mobil Zahlungsvorgänge innerhalb dieses Kontensystems ermöglichen, wie das der moderne Nutzer erwarten würde.

Die folgende Grafik zeigt das Zusammenspiel zwischen Unternehmern und Investoren, sowie den Einsatz des digitalen Systems und das Zusammenspiel seiner Module:

Dabei wird sichtbar, dass das digitale System sowohl Funktionen für die Administratoren, als auch solche für Unternehmen und Investoren bereitstellt. Es erleichtert den Umgang mit der Plattform und erlaubt den reibungslosen und aufwandsarmen Ablauf der Vorgänge durch diverse Unterstützungsfunktionen.

Erweitert könnte solch ein System auf dezentralen Datenbanken wie Blockchain aufgesetzt und um dort mögliche Funktionen wie SmartContracts erweitert werden, um das integrierte Finanzsystem für neuere Entwicklungen vorzubereiten und offen für andere Plattformen zu machen. Auf der dezentralen Datenbank könnten Assets verwaltet werden und handelbar gemacht werden, wie z.B. Unternehmensanteile oder Darlehensverträge oder auch die „Coins“ des Regiogeldes.

Strategie: Vorgehen zur Realisierung

Um solch ein System zu erproben braucht es folgende Bausteine:

  • mindestens eine, besser mehrere Regiogeld-Initiativen, die solch einen Ansatz erproben wollen
  • die Gründung einer oder mehrerer regionaler Investitionsgesellschaften, die als Träger fungieren
  • ein Wissenstransfer zwischen bestehenden Erfahrungsträgern für die Etablierung und Administration von Regiogeld, sowie für die Kalkulation und Umsetzung von Investitionen in regionale Unternehmen sowie für die (Re-)Finanzierung von Bürgerinvestitionen
  • Entwurf, Entwicklung und Erprobung des skizzierten digitalen Systems
  • exemplarische Umsetzung des Verfahrens in den teilnehmenden Initiativen/Regionen sowie reflektierend-beobachtend-beratende wissenschaftliche Begleitung

Zur Realisierung könnte ein überregionales Forschungs- und Umsetzungskonsortium gebildet werden, welches das Vorhaben als Forschungs- und Entwicklungsprojekt positioniert und entsprechende Mittel bei Ausschreibungen einwirbt. Beispielhaft könnte die FONA-Initiative des BMBF oder Förderungen des BMWi oder Förderungen im Bereich Klimaschutz des BMU genutzt werden, was jeweils ein leicht anderes Framing des Gesamtvorhabens erfordern würde.

Expertise in der Software-Entwicklung sowie Verbindungen zu Blockchain-Entwicklern liegen beispielsweise beim Elbtaler e.V. vor.


Der Autor

Norbert Rost arbeitet seit 2001 an konstruktiven Verbesserungen des Finanzsystems, hat 2005 den Elbtaler mitgegründet und für diesen die Regiogeld-Software „RegionalAtlas“ mitentwickelt. www.zukunftsstadt.de

 

mit Eske Bockelmann, klassischer Philologe und Germanist an der Universität Chemnitz. Bezugnehmend auf sein letztes Buch „Das Geld“, werden wir über unser Geldsystem, seinen Ursprung, seine Geschichte und seine Denkweise reden.weiterlesen

Seit der globalen Finanzkrise 2008 haben sich die Rolle und das Repertoire der Zentralbanken stark verändert. Auch im März 2020 bewiesen die Zentralbanken einmal mehr, dass in Krisenzeiten vieles von ihnen abhängt: Mit ihrem entschiedenen und weitreichenden Handeln verhinderten sie, dass die Welt zusätzlich zu der schweren Gesundheits- und Wirtschaftskrise infolge der Pandemie einen Zusammenbruch der Finanzmärkte erlebte.
Welche Implikationen haben diese wiederkehrenden Interventionen von Zentralbanken auf gesellschaftliche Herausforderungen wie die Klimakrise, Ungleichheit und instabile Finanzmärkte? Könnten und sollten Zentralbanken eine aktivere Rolle bei der sozial-ökologischen Transformation unserer Wirtschaft spielen?

Die Europäische Zentralbank führt derzeit die erste Strategieüberprüfung seit 17 Jahren durch – Präsidentin Lagarde hat deutlich signalisiert, dass sich die EZB ihrer neuen Rolle stellen will.

In demokratischen Gesellschaften erfordert dies eine breite gesellschaftliche Debatte über die Aufgaben der Zentralbanken – gerade in Zeiten finanzieller Instabilität, wachsender Ungleichheit und einer eskalierenden Klimakrise. Den Zentralbanken stehen mächtige Instrumente zur Verfügung. Sollten sie – und wenn ja, wie – politische Ziele jenseits ihres traditionellen Preisstabilitätsmandats unterstützen? Die Konferenz „Next Generation Central Banking: Klimakrise, Ungleichheit, instabile Finanzmärkte“ bietet der Debatte um diese entscheidenden Fragen ein Forum.

Mit (unter anderem):

  • Claudia Buch, Bundesbank Vizepräsidentin
  • Adam Tooze, Kathryn and Shelby Cullom Davis Professor für Geschichte; Columbia University
  • Mary C. Daly*, Präsidentin und Chief Executive Officer, Federal Reserve Bank of San Francisco
  • Michael Horváth, Chefökonom, Nationalbank der Slowakei
  • Irene Tignali*, Mitglied des Europäischen Parlaments, Vorsitzende des Ausschusses für Wirtschaft und Währung (ECON)
  • Daniela Gabor, Professorin für Wirtschaft und Macro-Finance, UWE Bristol
  • Sven Giegold, Mitglied des Eurpäischen Parlaments, Mitglied der Grünen/EFA-Fraktion im Europaparlament
  • Pierre Monnin, Senior Fellow, Council on Economic Policies
  • Benjamin Braun, Max Planck Institut für Gesellschaftsforschung
  • Jens van’t Klooster, Postdoctoral Fellow am Institut für Philosophie, KU Leuven
  • Juliá Király, Professorin an der IBS, Budapest und ehemalige stellvertretende Gouverneurin der ungarischen Zentralbank
  • Sylvie Goulard*, Vizepräsidentin der französischen Zentralbank

Mehr Informationen, das detaillierte Programm und die Links zur Anmeldung,  finden Sie hier

 

 

Dieses Buch wirft einen ungewohnten Blick auf die rund 250-jährige Entwicklung der Wirtschaft im Zeitalter der Moderne und der sie prägenden ökonomischen Theorien. Aus der Perspektive der unkonventionellen Denkansätze einer Bodenrechts- und Geldreform zeigt es, dass die Marktwirtschaft noch nie wirklich ‚frei‘ und die bürgerliche Gesellschaft noch nie eine Gesellschaft von Freien und solidarisch verbundenen Gleichen war. Vielmehr waren der wirtschaftliche Wettbewerb auf den Märkten und auch die politische Demokratie von Anfang an durch Privilegien des privaten Geld- und Realkapitals einschließlich des privaten Bodeneigentums verfälscht. Diese Privilegien bewirkten eine fortwährende Akkumulation und Konzentration von wirtschaftlicher und politischer Macht. Die Monopolisierung der Märkte machte die Entwicklung einer egalitären bürgerlichen Gesellschaft, die die Humanisten und Aufklärer sowie die Klassiker der Ökonomie nach dem Ende des Feudalismus erwartet hatten, unmöglich. Stattdessen führte sie zur Entstehung einer hierarchisch geschichteten bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft. Zu deren innerer sozialer Spaltung kam die Aufspaltung der Einheit von menschlicher Gesellschaft und Natur hinzu.

Die Anfänge dieser Fehlentwicklung haben die Klassiker der Ökonomie übersehen und die Frühsozialisten haben sie nicht korrigieren können. Marx & Engels haben zwar die Lohnabhängigkeit der Proletarier von konzentrierten Privatkapitalien angeprangert; aber mit ihrer Forderung nach einer Verstaatlichung der Produktionsmittel haben sie die Akkumulation und Konzentration von Kapital nicht rückgängig gemacht, sondern sie auf einer höheren proletarisch-staatlichen Ebene geradezu auf eine Spitze getrieben.

Im Gegensatz zur privat- und staatskapitalistischen Akkumulation und Konzentration von Kapital entwickelten Mill in England und Proudhon in Frankreich erste Ansätze einer Dezentralisierung von Kapital und einer Entmonopolisierung der Märkte. In diese Richtung dachten um die Wende vom 19. zum 20.Jahrhundert auch weitere liberalsozialistische Reformer wie George in den USA,Oppenheimer und Gesell in Deutschland sowie Hertzka in Österreich-Ungarn. Sie blieben jedoch im Schatten der großen ökonomischen Orthodoxien der Klassik & Neoklassik und des Marxismus bzw. derjenigen Epigonen von Marx, die wie Hilferding und in gewissem Sinn auch Schumpeter an die demokratische Steuerbarkeit eines Organisierten Kapitalismus mit monopolkapitalistisch vermachteten Märkten glaubten.

Auch Keynes neigte zu einer staatlichen Globalsteuerung der kapitalistisch deformierten Marktwirtschaft; jedoch entwickelte er in Anlehnung an Gesells Geldreform auch Vorstellungen eines „wirtschaftspolitischen Gezeitenwechsels“ in die Richtung einer Dezentralisierung von Kapital und eines längerfristigen Übergangs in ein „quasi-stationäres Gemeinwesen“ mit gegen null sinkenden Geld- und Realkapitalrenditen.Dazu passten auch die Überlegungen der Ökonomen und Juristen des frühen Ordoliberalismus. Durch Reformen des Gesellschafts-, Haftungs-, Patent- und Markenrechts wollten Böhm und Eucken sowie Röpke und Rüstow eine rechtsstaatliche Rahmenordnung für eine monopolfreie „vollständige Konkurrenz“ schaffen. Jedoch versäumten sie es ebenso wie Keynes‘ Nachfolger, in diese Richtung weiterzudenken und auch die Privilegien des privaten Bodeneigentums und des Geld- und Realkapitals abzubauen. So gerieten die Postkeynesianer und die Ordoliberalen auf je eigene Weise in den Sog der weiteren Kapitalkonzentration und ließen der fortschreitenden Monopolisierung der angeblich ‚freien‘ Märkte bald ihren Lauf.

Indem sich die Nachfolger von Keynes von dessen geldreformerischen und wachstumskritischen Ambitionen entfernten, entwickelten sie ähnlich wie die Neoklassik Theorien, in denen den Menschen ein Goldenes Zeitalter eines immerwährenden krisenfreien Wirtschaftswachstums in Aussicht gestellt wurde. Diese Theorien beruhten auf dem Glauben, dass die soziale Spaltung der Gesellschaft in konzentriertes Kapital und lohn- und gehaltsabhängige Arbeit durch eine beiderseitige Teilhabe an einem ständigen Wirtschaftswachstum überdeckt werden könne. Dagegen konnte sich die in den 1960er und 1970er Jahren von Kohr, Schumacher und Illich begründete „Small is beautiful“-Bewegung nicht durchsetzen. Wie schon dem frühen Ordoliberalismus fehlte auch ihr die Einsicht in die Notwendigkeit, Privilegien des privaten Bodeneigentums und Geld- und Realkapitals abzubauen, um die soziale Spaltung der Gesellschaft und ihre Abspaltung von der Natur überwinden zu können. In den ersten elf Kapiteln dieses Buches werden diese Theorieentwicklungen in der Ökonomie einschließlich ihrer unorthodoxen „Unterwelt“ (Keynes) und entsprechender Diskurse in der Soziologie aus der Perspektive der Bodenrechts- und Geldreform nachgezeichnet – bis hin zur neoliberalen Entfesselung der internationalen Finanzmärkte und des realwirtschaftlichen Wachstums auf monopolisierten, von Konzernen beherrschten Weltmärkten. Mittlerweile hat diese Fehlentwicklung in eine multiple, ökonomisch-sozial-ökologische Gesamtkrise von Mensch und Erde geführt.

Im zwölften Kapitel werden die derzeitige, historisch einmalige Krisensituation und die Notwendigkeit einer grundlegenden wirtschaftspolitischen Kurskorrektur behandelt. Unter anderem versucht es, die neuere Negativzinsentwicklung als Zwischenstadium in einem noch unübersichtlichen Übergang in eine „Marktwirtschaft ohne Kapitalismus“ verständlich zu machen.

Das dreizehnte Kapitel führt zusammenfassend die Realutopie einer „Marktwirtschaft ohne Kapitalismus“ vor Augen und skizziert das in ihr enthaltene Potenzial für eine Überwindung des hierarchischen Lohnarbeitsverhältnisses, der Geschlechterhierarchie und des Drangs zu permanentem Wirtschaftswachstum. Es werden Konturen eines auf Gegenseitigkeit und Fairness beruhenden Menschenbildes und einer dezentralen, nachkapitalistisch-bürgerlichen Marktgesellschaft sichtbar – ebenso ihre möglichen Auswirkungen auf die Einigung Europas und eine marktwirtschaftliche, aber nicht mehr kapitalistische Neuordnung des Welthandels. Zu mehreren Aspekten dieser Realutopie werden auch gegenwärtige Diskussionsstände und offene Forschungsfragen benannt. Abschließend werden im vierzehnten Kapitel mögliche Auswirkungen einer „Marktwirtschaft ohne Kapitalismus“ auf die Entwicklung der Demokratie- und Transformationstheorien skizziert. Kann eine zukünftige „Marktwirtschaft und Demokratie ohne Kapitalismus“ mit den Mitteln der realexistierenden, von Machtinteressen deformierten Demokratie erreicht werden? Und birgt die gegenwärtige Corona-Krise neben Gefahren auch Chancen für die Herbeiführung einer großen Transformation von Wirtschaft und Politik in eine freiheitliche, gerechte, friedliche und naturverträgliche Ordnung des menschlichen Zusammenlebens?

Das Buch kann hier kostenlos auf der Webseite des Autors Werner Onken heruntergeladen werden.

At a time of uncertainty about the future and increased precarity in the present, we at RAMICS believe that complementary and community currencies have become and even more relevant tool to build community resilience and hopefully help us transition towards a more sustainable future. weiterlesen

In ihrer Pressemitteilung fordert die NGO Finance Watch die Europäische Kommission auf, ihre Unterstützung für die Rettung privater Banken mit öffentlichen Geldern durch sogenannte „vorsorgliche Rekapitalisierungen“ zu überdenken.

Diese neue Maßnahme, die Teil eines Pakets zur Bewältigung der anstehenden Ströme notleidender Kredite im Rahmen der COVID-19-Pandemie ist, kommt zu der massiven öffentlichen Unterstützung hinzu, die dem europäischen Bankensystem bereits im gesamten Jahr 2020 zuteil wurde. Dies zeigt unmissverständlich, dass die Bemühungen der letzten zwölf Jahre nicht genügt haben, um die Verwendung öffentlicher Gelder zur Rettung privater Banken künftig zu verhindern.

  • Wenn nun vorsorgliche Rekapitalisierungen von Banken in Form eines „temporären Kapitalpuffers zur Bewältigung schwerwiegender widriger Umstände“ erlaubt werden, bedeutet dies letzten Endes, dass die in den letzten Jahren unter großen Mühen verabschiedeten Eigenkapitalvorschriften immer noch nicht ausreichen, damit europäische Banken Krisenzeiten aus eigener Kraft überstehen. Die Folgen trägt, wieder einmal, der europäische Steuerzahler.
  • Es zeigt auch, dass auch die politischen Entscheidungsträger und Fachleute, die vor sechs Jahren die Abwicklungsrichtlinie (BRRD) und die damit verbundene Mindestanforderung für Eigenmittel  und berücksichtigungsfähige Verbindlichkeiten (MREL) verabschiedeten, sich offensichtlich auch heute immer nicht darauf verlassen möchten, dass ausfallende Banken nach diesem neuen Regelwerk ordnungsgemäß restrukturiert oder abgewickelt werden, ohne die Stabilität des gesamten Finanzsystems zu gefährden.
    Die von der Europäischen Kommission hinzugefügte Bedingung, dass vorsorgliche Rekapitalisierungsmaßnahmen nur für Kreditgeber zur Verfügung stehen würden, die vor der Pandemie gesund waren, ist im Grunde bedeutungslos: In Ermangelung einer politischen Entschlossenheit, die Abwicklungsrichtlinie anzuwenden, wurden ausfallende Kreditinstitute bereits mit öffentlichen Geldern über Wasser gehalten, lange bevor die COVID-19-Pandemie ausbrach. Die nun vorgeschlagene Anwendung der „vorsorglichen Rekapitalisierung“ würde diese Praxis nur rückwirkend legitimieren, den Weg für eine neue Welle von Rettungsaktionen ebnen und nebenbei den letzten Nagel in den Sarg der Abwicklungsrichtlinie schlagen.
  • Der Zeitpunkt der Veröffentlichung des Aktionsplans ist besonders ungünstig gewählt, denn sie kommt einen Tag nach der Ankündigung der Europäischen Zentralbank, dass sie die Ausschüttung von Dividenden durch Banken unter ihrer Aufsicht wieder zulassen wird, wenn auch unter bestimmten Bedingungen.

Finance Watch fordert daher die Europäische Kommission und die EU-Mitgesetzgeber auf, ihre Bemühungen auf die Vollendung der Bankenunion zu konzentrieren, mit dem letztendlichen Ziel, einen resilienten, angemessen kapitalisierten und selbsterhaltungsfähigen Bankensektor zu schaffen.

Benoît Lallemand, Generalsekretär von Finance Watch, sagte:

„Wenn sich Bankengewinne, die privaten Interessen zugute kommen, aus öffentlicher Unterstützung speisen, haben wir einen klaren Fall von Abzweigung öffentlicher Gelder in private Taschen. In diesem Zusammenhang sollte es keinen Raum geben, um über die Möglichkeit zu diskutieren, dass Banken wieder Dividenden ausschütten oder das Basel-3-Rahmenwerk nicht fertiggestellt werden sollte.“

Thierry Philipponnat, Head of Research and Advocacy von Finance Watch, sagte:

„Wir sehen das Wiederaufleben und die Institutionalisierung von staatlichen Bankenrettungen. Was die Rettung von Banken betrifft, haben wir uns in zwölf Jahren von einem „Nie wieder“ nach dem Schock der Finanzkrise von 2007-2009 zu einem „Es ist unsere Pflicht“ im Zuge der COVID-19-Krise bewegt. Dies hat weitreichende Folgen für das Bankensystem und die Gesellschaft.

“In einem Kontext, in dem die sich abzeichnende Klimakrise auch schwerste Folgen für die Finanzstabilität haben wird, ist es an der Zeit, die Beziehung zwischen Gesellschaft und Finanzinstitutionen zu überdenken.“

Für weitere Informationen oder Interviewanfragen wenden Sie sich bitte an Charlotte Geiger, Head of Communications bei Finance Watch: charlotte.geiger@finance-watch.org oder unter + 32 474 33 10 31.

Original Pressemitteilung here.

 

Um diese Debatte voranzubringen, organisiert die Monetative auch gemeinsam mit attac und der EZB-Gewerkschaft IPSO am 29.1. um 18 Uhr in Frankfurt/Main eine Diskussion, an der Ulrich Bindseil von der EZB, Fabio de Masi (MdB DIE LINKE), Joseph Huber von Monetetative e.V und Johannes Priesemann von IPSO teilnehmen werden. Bitte merken Sie sich den Termin vor – Info zur Anmeldung demnächt hier oder dirket auf der Webseite der Monetative.