Virtuelle Währungen im engeren Sinne existieren nur in online Welten und Spielen. Sie haben keine physische Form und Verwendungsmöglichkeit außerhalb dieses Raumes.

Einige online Spielwelten wie „Second Life“ geben ihr eigenes Geld aus. Spieler kaufen diese Währung mit nationaler Währung. Sie können diese Währung nur im Spiel benutzen um Gegenstände zu benutzen, zu tauschen oder zu kaufen.

Oftmals werden die Begriffe virtuell, digital und elektronisch synonym verwendet, jedoch liegt auch der größte Teil konventioneller Währungen heute in digitaler Form auf elektronischen Speichermedien (Computern) vor, sodass diese Begriffe kaum Unterscheidungschärfe besitzen.

Eine weitere Gruppe von Währungen die ebenfalls oft missverständlich mit virtuellen oder digitale n Währungen zusammen behandelt wird, sind Kryptowährungen. Dies sind Währungen deren Zahlungsystem, Aufbewahrung, und Management durch ein dezentrales Computerprotokoll organisiert ist, dessen Fälschungssicherheit durch kryptographische Signaturenfolgen sicher gestellt wird. Aber auch diese Beschreibrung sagt über die Eigenarten einer Vielzahl an neuen Währungsprojekten dieser Art wenig über die einzelnenAnsätze aus.
Das bekannteste Beispiel für eine virtuelle bzw. Krypto-Währung ist „Bitcoin“. Sie war die erste Währung, die ein internationales online Bezahlsystem etabliert hat hat, welches keine Banken als Zwischenhändler und Garanten braucht. Es nutzt eine sogenannte ‘blockchain’ Technologie (deutsch: Block-Kette) eine Art dezentraler Datenbank, die Geschichte und Echtheit jeder Transaktion nachvollziehbar und ohne Hierarchien überprüfbar macht. Diese Technologie und der Erfolg von Bitcoin hat viele Imitatoren wie ‚Namecoin’, ‘Litecoin’, ‘Ripple’, ‘Faircoin’ etc. inspiriert. Manche dieser Währungen können bereits benutzt werden um weltweit Waren und Dienstleistungen zu kaufen.

Beide Währungsarten werden im Bericht der Europäischen Zentralbank „Virtual Currency Schemes“ behandelt: http://www.ecb.europa.eu/pub/pdf/other/virtualcurrencyschemes201210en.pdf

Regiogeld ist eine Kurzform des Begriffs Regionalwährung und ein Zahlungsmittel, ähnlich dem Euro. Es unterscheidet sich insbesondere darin, dass es nur in einer Region gültig ist, was meist schon durch den Namen der Regiogeld-Initiative deutlich wird: Chiemgauer, Havelblüte, Elbtaler, Vorarlberger Talente.

In den deutschsprachigen Ländern ist der Begriff vor allem durch ein paar sehr bekannte Initiativen wie den Chiemgauer und den Verband Regiogeld e.V. geprägt, die Qualitätsprinzipien garantieren. Im weiteren Sinne werden international bisweilen jegliche geographisch auf eine Region begrenzte Komplementärwährungen als Regiogeld bezeichnet.

Regiogeld soll den Euro nicht ersetzen, sondern ergänzen. Es wird oft in Form von Gutscheinen herausgegeben, zunehmend aber auch auf elektronischen Konten geführt. Es dient dazu, gemeinwohlorientiertes Wirtschaften in den Regionen zu befördern,

  • indem es Kaufkraft an die Regionen bindet, die regionalen Unternehmen fördert und regionale Wirtschaftskreisläufe stimuliert,

  • indem es die unternehmerischen Handlungsmöglichkeiten um einen regionalen Markt erweitert und als Werkzeug zur Regionalentwicklung einsetzbar ist,

  • indem es hilft, regionale Produkte abzusetzen, neue Umsätze zu ermöglichen und Arbeitsplätze zu schaffen,

  • indem es hilft, Transportwege zu verkürzen und dadurch eine umweltschonende Wirtschaftsweise fördert.

Regiogeld ist für Gemeinden, Kommunen und Gemeinschaften interessant, da es von Unternehmen, Bürgern und Verwaltungen direkt ausprobiert werden kann, ohne auf „die große Politik“ warten zu müssen. Da kleine Währungsräume auf den ersten Blick unzeitgemäß erscheinen („Aber wir haben doch den Euro extra für ganz Europa eingeführt!“) löst Regiogeld leicht Diskussionen über Geld und Wirtschaft aus. So fördert das Regiogeld das Bewusstsein für finanzwirtschaftliche Zusammenhänge und die Erkenntnis, das Geld eine soziales Gestaltungsmittel ist, das mitgestaltet werden kann.

Geldschöpfung: Entstehung von Regionalwährungen
Um gut zu zirkulieren braucht ein Regiogeld eine kritische Masse an Nutzern über alle Sektoren hinweg: Bürger, Unternehmen, Freiwilligenorganisationen und lokale Regierungen. Je größer und vielfältiger die Nutzergruppe ist, umso wahrscheinlicher ist es, dass Waren und Dienste Abnehmer finden, die auch Regiogeld akzeptieren.

In Deutschland sind es vor allem zwei Arten, in denen Regiogeld in die Welt kommt („Geldschöpfung“):

1. Durch Umtausch nationaler Währung („Euro-Deckung“): Benutzer kaufen die Regionalwährung mit nationaler Währung um bei teilnehmenden Unternehmen mit Regiogeld bezahlen zu können. Unternehmen können die Regiogeld-Einahmen jederzeit in nationale Währung zurücktauschen, ggf. mit einem Abschlag, der z.B. im Falle des Chiemgauers gemeinützigen Vereinen und Projekten zukommt. Dieses Modell wird auch international angewandt, wie zum Beispiel bei den Berkshares und den englischen „Transitioncurrencies“ Brixton und Bristol Pound.

2. Gedeckt durch Versprechen auf spätere Güter und Leistungen („Leistungsdeckung“): Die Herausgeber beurteilen die Leistungsversprechen der Teilnehmer und wie viel Regionalwährung insgesamt in Umlauf kommen soll und unterstützen aktiv die Zirkulation der Währung. Beispiele in Deutschland sind der Urstromtaler, Elbtaler und Lausitzer. International werden z.B. Ithaca HOURS und Equal Dollars in den USA auf diese Art herausgegeben. Weitere Arten der Schöpfung von regionalen Geldern existieren, wie zum Beispiel das Community Way aus Kanada.

Mehr Informationen über Regiogeld und Regiogeld-Initiativen: www.regiogeld.de
Ein kurzer
Videovortrag von Norbert Rost erläutert in 10 Minuten Sinn und Wirkung der Regiogelder.

Alle Prämienprogramme wie Air Miles, Nectar Points, Bahnbonuspunkte und Payback zielen darauf ab, Kunden anzuregen mehr Geschäfte mit einem bestimmten Unternehmen zu machen. Kunden bestimmter Unternehmen sammeln Punkte, welche sie gegen Vergünstigungen mit dem Unternehmen oder Partnerunternehmen eintauschen können. Punkte können unter anderem elektronisch oder Papiergutscheine sein. Diese sogenannten Unternehmenswährungen werden meistens direkt eingelöst und können nicht aus dem wirtschaftlichen Kreislauf transferiert werden. Unternehmen gewinnen wertvolle Daten über ihre Kunden und können regeln welche Produkte gegen Punkte erstanden werden können, sodass minimale Opportunitätskosten durch die Herausgabe der Punkte entstehen.

American Express Air Miles https://www.airmiles.ca/

Lufthansa Bonusmeilenprogramm Miles & More http://milesandmore.com/

Nectar http://www.nectar.com/NectarHome.nectar

Payback: http://www.payback.com

 

Der Begriff Parallelwährungen wird heute in unterschiedlicher Bedeutung verwendet. Bei manchen Autoren lässt er sich nur unscharf von dem Begriff der komplementären Währungen absetzen.

Bei monneta.org versuchen wir, den Begriff etwas genauer zu fassen und bezeichnen damit nur solche komplementären Währungen, die neben der offiziellen staatlichen (oder, im wie im Falle des Euro, überstaatlichen) Währung ebenfalls von allen BürgerInnen generell verwendet werden können oder könnten.

In der unschärferen Variante wurde der Begriff bereits 1865 von Hermann Grote verwendet, der z.B. das gleichzeitige Bestehen von Gold- und Silberwährung ohne fixen Wechselkurs als solche bezeichnete (vgl. Hamm, 1927, S.4 ff.). Die Bedeutung wurde dann später von Friedrich August von Hayek als Teil eines Reformvorschlages für das internationale Währungssystem übernommen. Dabei sollten private Währungen als parallele Zahlungsmittel offiziell anerkannt werden. Durch ihre gegenseitige Konkurrenz sollte dann ein stabiles Währungssystem entstehen (Hayek, 1990). Dementsprechend gibt es in der Volkswirtschaft eine engere und eine weitere Definitionsmöglichkeit von Parallelwährung:

  1. Enge Definition: Als Parallelwährungen bezeichnen wir staatlich herausgegebene, offizielle Zweitwährungen ohne festen Wechselkurs neben dem gesetzlichen Zahlungsmittel. Eine Parallelwährung kann eine stabile, harte Währung sein (z.B. eine ausländische Währung), die neben der schwachen, weichen Landeswährung verwendet wird, um beispielsweise einer Hyperinflation in der Landeswährung zu entgehen. Umgekehrt kann aber auch eine schwache Inlandswährung als Parallelwährung herausgegeben werden, um die Binnenwirtschaft anzukurbeln und die Exportwirtschaft wieder wettbewerbsfähiger zu machen.
  2. Weite Definition: Eine Parallelwährung ist eine zusätzliche, neben dem gesetzlichen Zahlungsmittel geduldete oder gar offiziell anerkannte weitere Währung mit einem universellen Anspruch als Zahlungsmittel. Beim Begriff Parallelwährung wird im Gegensatz zum Begriff Komplementärwährung (Ergänzung) von einem Konkurrenzprinzip der Währungen ausgegangen, und von einem Wechselkurs zur offiziellen Währung ausgegangen.

In der Literatur (Hahn, 1969) wird gelegentlich dazu noch unterschieden zwischen Parallelwährungen (mit frei schwankendem Wechselkurs) und Doppelwährungen (mit festem Wechselkursverhältnis zur offiziellen Erstwährung). Doppelwährungen waren bis ins 19. Jahrhundert vor allem in Münzgeld-Systemen verbreitet, so wurden z.B. Gold- und Silbermünzen oder Scheidemünzen mit einem festgelegten Wertverhältnis zueinander gehandelt bzw. verrechnet und akzeptiert. In den Jahren bis zur Euro-Einführung am 1. Januar 2002 stellten auch die Nationalwährungen unwiderruflich an den Eurokurs gekoppelte Doppelwährungen dar. Mit diesem Ansatz ließe sich auch das heutige konventionelle Währungssystem mit Bargeld das von den Zentralbanken herausgegeben wird und Giralgeld das von kommerziellen Banken geschöpft wird, als ein Doppelwährungssystem bezeichnen.

Wegen der Fülle an Formen komplementärer Währungen und einer dezidierten Offenheit gegenüber Herausgebern einzelnen Währungen verwenden wir bei monneta den Begriff Parallelwährung in der ersten, engeren Definition als einem Unterbegriff von Komplementärwährungen.

 

Parallelwährung kontrastiert damit auch immer den Begriff der Einheitswährung, der heute einen wichtigen Teil der Gelddebatte prägt, ohne dass er deswegen genannt wird. Die Vorstellung, mit einer einzigen Währung – die dann auch mit dem Begriff “Geld“ gleichgesetzt wird– alles machen zu können, wird allgemein angenommen und kaum hinterfragt. Die Idee, dass Nationalstaaten automatisch auch eine eigene ausschließliche Nationalwährungen haben müssten, resultiert aus der nationalistisch geprägten Vorstellung von Volkswirtschaften des 19. Jahrhunderts. Durch die Definition einer einzigen Währung als gesetzlichem Zahlungsmittel wird ein abgegrenzter, durch einfache Regelungen lenkbarer Wirtschaftsraum („Markt“) gebildet. Dies deutet auf die bis heute selten reflektierte Grundlogik hin, dass eine Währung eine der zentralen Voraussetzungen jeden Marktes ist. 1 Ein moderner Markt kann ohne eine Währung nicht existieren, weil jeder Kauf, als zentrale Marktfunktion nur mit den Transaktionen einer Währung  erfolgen kann. Dieses Konzept der Integration durch eine einzige Währung wird nun durch die Idee von Parallelwährungen in Frage gestellt. Diese werden auch als Korrekturfaktoren für verfehlte Wirtschaftspolitik postuliert. Durch zwei oder mehr Währungen entsteht erstmals eine Wahlmöglichkeit für die Nutzenden und damit können wirtschaftliche Ausgleichsvorgänge stattfinden.

Daraus lässt sich auch ableiten, dass ein Staat eine landeseigenen Währung benötigt – bei Verwendung einer internationalen Währung wie dem Euro wenigstens einer Parallelwährung – um gezielt und dosiert geldpolitisch Einfluss auf die eigene Binnenkonjunktur und Außenwirtschaft zu nehmen. Dies wird auch als Konzept des monetären Föderalismus bezeichnet (Theret, 2017).  Nur durch die Möglichkeit einer Werteverschiebung, d.h. Wechselkursanpassung, kann er seine Transfer- und Exportabhängigkeit entscheidend steuern. Parallelwährungen können deshalb ein Mittel sein, die staatliche Souveränität zu verstärken. Hierzu gab es immer wieder auch Ökonomen, die solche Konzepte vorschlugen. Ein heute fast vergessener war Robert Eisler, der verschiedene Vorschläge zur Geldreform machte und bereits um 1930 ein Parallelwährungskonzept vorschlug. Dabei sollte neben der existierenden Währung für die laufenden Ausgaben und Käufe (Current Money) eine zweite Währung als Recheneinheit und Kreditwährung (Contract Money; Banco Money) geschaffen werden. Diese zweite Währung würde von der Zentralbank als reine Buchwährung geführt, die durch einen Warenkorb wertstabil gehalten werden sollte. Durch einen Wechselkurs zwischen den beiden Währungen würde die Inflation ausgeglichen und eine Steuerung Richtung höherer Stabilität der Wirtschaft möglich. (vgl. Wenzlaff, 2019 und Löscher/Wenzlaff 2020) Eine erfolgreiche Umsetzung eines solchen Konzeptes fand in Brasilien vor der Einführung des heutigen Real mit der URV statt (siehe unten).

Die bewusste Einführung von Parallelwährungen als Korrekturmaßnahme wurde inzwischen aber zu einem fast vergessenen Konzept, das der noch immer herrschenden Lehrmeinung einer angeblichen Geldneutralität widerspricht. Trotzdem sind vor allem in den Jahren seit der Finanzkrise 2008 sehr viele neue Vorschläge zur Einführung von Parallelwährungen gemacht worden, wie zum Beispiel zur Lösung der Eurokrise in den PIGS-Staaten (siehe Griechenland im folgenden Abschnitt). Mit dem Auftreten der Blockchain Technologie hat sich die Diskussion wieder belebt und auch in der Praxis sind Parallelwährungen deshalb an vielen Orten zur realen Möglichkeit geworden.

 

Beispiele

 

Es folgen einige historische und aktuelle Beispiele für Parallelwährungen oder damit zusammenhängende Phänomene.

 

USA

In den USA hatte die Verwendung von Parallelwährungen lange Zeit Tradition. Ursprünglich schuf der Staat unter Abraham Lincoln während des Bürgerkriegs ein eigenes direkt emittiertes Papiergeld, die «Greenbacks» genannt wurden, weil ihre Rückseite nur in grüner Farbe bedruckt waren. Diese US-Noten war zuerst nicht mit Gold oder Silber gedeckt, also ein reines «fiat»-Geld. Die Greenbacks konnten parallel mit dem damals von den privaten Banken herausgegebenen Noten verwendet werden, waren aber neben den staatlichen Münzen alleiniges echtes gesetzliches Zahlungsmittel.

Erst 1913 wurde mit dem «Federal Reserve Act» ein Ende der privaten Banknoten beschlossen und das Herausgeben von Banknoten in eine einzige pseudo-staatliche Institution, der Federal Reserve transferiert. Somit bestanden ab dann zwei parallele sehr unterschiedliche Systeme (Doppelwährung) unter dem gleichen Namen «Dollar» als gesetzliche Zahlungsmittel.

Der Unterschied zwischen einer US-Note (Greenback) und einer Federal Reserve Note bestand darin, dass eine US-Note eine direkte staatliche Schuldverschreibung darstellte und vom Finanzministerium direkt und zinslos in den Umlauf gebracht wurde. Federal Reserve Notes dagegen werden zwar gegen staatliche Schuldverschreibungen herausgegeben, müssen aber mittels Zinsen bezahlt werden. Die zwölf Federal Reserve Banks zahlen ihren Eigentümern daraus eine Dividende aus. Das Ende der Bürgerfreundlichen Alternative Greenback kam 1971, als Präsident Nixon die Goldbindung des Dollars aufhob und gleichzeitig, man könnte auch sagen im Schatten der Turbulenzen, die daraus entstanden, wurde die Ausgabe Greenbacks eingestellt. Mit der lapidaren Begründung die US-Noten hätten keine Funktion mehr, die nicht bereits durch die Federal Reserve-Noten ausreichend erfüllt würden, wurden keine neuen US-Noten mehr in Umlauf gebracht. Sicherlich zur Freude der Eigentümer der Federal Reserve, die nun den vollen Zugriff auf die nationale Währung erlangten.

Es gab aber auch später wieder neue Versuche, nach dem Vorbild des Greenbacks staatliches Geld direkt herauszugeben. Zum Beispiel griff Arnold Schwarzenegger als Gouverneur für den US-Bundesstaat Kalifornien im Sommer 2009 auf staatliche Schuldverschreibungen, so genannte IOU’s (von „I owe you: Ich schulde Dir“) als Parallelwährung zurück, um einen Liquiditätsengpass zu überbrücken.

 

Deutschland und der Euroraum

Ohne hier auf die vielfältigen Experimente des frühen 20.Jahrhunderts einzugehen, wurde z.B.  die D-Mark in der DDR inoffiziell als Parallelwährung gehandhabt. Im Zuge der Deutsch-Deutschen Wiedervereinigung plädierten der damalige Kanzlerkandidat Oskar Lafontaine und viele Sachverständige für die vorübergehende Beibehaltung der Ostmark als Parallelwährung zur DM. „Eine anfängliche Koppelung der Währungen durch einen festen Kurs von etwa 4:1 würde den Umbau der ostdeutschen Wirtschaft abschirmen und DDR-Produkte durch den Preisvorteil wettbewerbsfähig machen.“ (Jarausch, 1995, S.220) Damit sollte eine behutsame Anpassung an die wettbewerblichen Marktverhältnisse des Westens ermöglicht werden. Leider konnte dieser Vorschlag nicht gegen die simple Idee einer “Währungsunion” von Bundeskanzler Kohl durchgesetzt werden.

Und als Vorläufer des Euro wurde parallel zu den bestehenden europäischen Währungen die Europäische Währungseinheit (abgekürzt EWE oder ECU, von englisch European Currency Unit) als übergeordnete Parallelwährung eingeführt. Sie war von 1979 bis 1998 die Rechnungseinheit der Europäischen Gemeinschaften (EG), resp. der Europäischen Union (EU). Es bestanden bereits schon zum Start auch Überlegungen den ECU auszubauen und die Nationalwährungen weiter bestehen zu lassen (Graumann 1979). Darauf wurde aber nicht gehört.

In den ersten Jahren nach der Euro-Einführung flammte das Thema Parallelwährung noch einmal kurz und vereinzelt in außerparlamentarischen Kreisen auf, so z.B. in Großbritannien (Boyle 2003). Mit der Krise 2008 und dann besonders mit der Euro-Krise und dem Griechenland-Desaster von 2011 tauchten die Überlegungen in umgekehrter Richtung, d.h. zur Wiedereinführung von Nationalen Parallelwährungen, wieder auf.

Monneta Experte Ludwig Schuster zählt in der Studie Parallelwährung des Bundesverbandes mittelständischer Wirtschaft BVMW (2012, S.6) rund dreissig neue Vorschläge für Parallelwährungen in der Eurozone, unter anderem von namhaften Ökonomen wie Thomas Meyer, Wilhem de Buiter und Richard Douthwaite.

Die Parallelwährungs-Vorschläge kamen aus den unterschiedlichsten ökonomischen und politischen Richtungen und unterschieden sich teils gravierend im Hinblick auf die Motive – „was soll damit eigentlich bezweckt und wem soll damit geholfen werden?“ – aber auch hinsichtlich der konkret vorgeschlagenen Maßnahmen. Bei aller Unterschiedlichkeit waren sich die Befürworter darin einig, dass Parallelwährungen angesichts stark unterschiedlicher wirtschaftlicher Bedingungen in den europäischen Mitgliedsstaaten ein Mittel zur ökonomischen Selbsthilfe und aufholenden Entwicklungen sein könnten. Bei entsprechender Zielstellung seien sie grundsätzlich geeignet, das volkswirtschaftliche Fundament in den einzelnen Mitgliedsstaaten zu stärken und den gemeinsamen Währungs- und Wirtschaftsraum zu stabilisieren, so die Unterzeichner der gemeinsamen Erklärung.

 

Griechenland

Wie bereits erwähnt, hatte die Idee einer staatlichen Parallelwährung bei Vorschlägen zur Bewältigung der Schuldenkrise in Griechenland besondere Aktualität gewonnen. Für Furore sorgte der „Geuro“-Beitrag des damaligen Deutsche Bank Chefvolkswirts Thomas Mayer. Eigene Vorschläge kamen auch von Monneta (Schuster/Kennedy 2011) und (Gelleri 2012). Selbst der griechische Finanzminister Yannis Varoufakis hatte bereits vor Amtsantritt seine eigene Parallelwährungs-Idee FT-Coins (Future-Taxes-Coin) auf Basis von Steuergutschriften und Blockchain-Technologie veröffentlicht und scherzhaft am 1. April 2015 die tatsächliche Einführung angekündigt (Bossone/Cattaneo, 2015). Das wurde ihm aber von den anderen Europäischen Finanzministern übel angerechnet.

Weiter wurde vorgeschlagen, die Drachme oder eine Neue Drachme, respektive einen Neuro (Gelleri, 2015) parallel zum Euro als Binnenwährung einzuführen. Damit sollte die Liquidität geschaffen werden, die durch den Abfluss des Euro entzogen wurde und ohne die die Bevölkerung trotz Leistungsbereitschaft und vorhandener Infrastruktur nicht aus der Not herauskommen kann. Gelleri und Meyer (2012) schlugen auch ein am Modell des Chiemgauer orientiertes Expressgeld vor, das durch den griechischen Staat als elektronische Währung parallel zum Euro herausgegeben werden könnte.

 

Osteuropäische Länder

Der Euro ist aber innerhalb der Europäischen Union nicht die einzige Währung. Besonders in Osteuropa haben sich unter den Ländern, die nicht dem Euro beigetreten sind, einige interessante Beispiele von faktischen Parallelwährungen herausgebildet:

  • Polen, Tschechien, Ungarn und Rumänien haben ihre eigene Währung mit flexiblem Wechselkurs zum Euro behalten. Der Euro spielt aber in der Praxis auch im Inland eine wichtige Rolle.
  • Kroatien hat eine eigene Währung, die in einem nach oben und unten begrenzten Rahmen parallel zum Euro geführt wird.
  • Bosnien und Bulgarien halten eine fixe Bindung ihrer Währung an den Euro mittels der Hilfe eines sogenannten «currency boards»

In einer IMF Studie (Belhocine et.al., 2016) wurden diese verschiedenen Systeme im Zeitraum 2003 bis 2016 miteinander verglichen. Die Resultate zeigen ein differenziertes Bild. Eindeutig zeigte sich, dass die globale Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 von Ländern mit eigener Währung oder flexibler Anbindung besser bewältigt werden konnte. Durch die Anpassung ihrer Wechselkurse wurde der Schock gelindert und die internationale Wettbewerbsfähigkeit konnte besser erhalten werden. Die Dauer der Rezession war wesentlich kürzer. Außerdem erlebten die Länder mit eigenständiger Währungspolitik danach eine stärkere Erholung ihrer Wirtschaft. Insgesamt deutliche Zeichen, dass eine eigenständige Währung ein gutes Werkzeug und Teil einer resilienten Souveränität eines Landes ist.

 

Italien

Die Parallelwährungsdiskussion flammte im Zusammenhang mit der weiter andauernden Krise des Euro in Italien wieder auf, als Anfang 2019 Pläne der Regierung Salvini/Di Maio bekannt wurden, eine Parallelwährung auf Basis einer staatlichen Schuldverschreibung («Mikroobligation») genannt Mini-Bot (Abkürzung für Mini Buono del Tesoro) herauszugeben. Eine entsprechende Motion wurde im Mai 2019 vom Parlament verabschiedet aber anschließend von den Europäischen Gremien heftig kritisiert. Um die Idee ist es nach der selbstverschuldeten Absetzung der rechten Regierung im September 2019 still geworden. Die Idee hat aber bei einigen Politikern und Künstlern bereits eine erstaunliche Anzahl von Vorschlägen zum Aussehen der möglichen Parallelwährung erzeugt.

 

Argentinien

Argentinien ist bezogen auf Parallel- und Komplementärwährungen eines der interessantesten Länder der Welt. Immer wieder wurden hier von den einzelnen Provinzen parallele Währungen auf der Basis von Schuldscheinen auf zukünftige Steuern herausgegeben. Théret zählt im Zeitraum von 1890 bis 2003 vier «Wellen» von solchen Erscheinungen (2017, p.11ff.), wobei die letzte Welle 2001-2003 während einer großen Währungskrise stattfand. (Diese wurde hervorgerufen durch eine neoliberale Politik und eine fixen Dollarbindung des Peso, was zu einer Überbewertung und einer daraus folgenden enormen Verschuldung führte.)

Die Provinzwährungen wurden «Bonos de Cancelación de Deudas» (Anleihen zur Schuldentigung) genannt und hießen dann z.B. «Quebracho» (Provinz Chaco), «Petrom» (Provinz Mendoza), “Bocade”  (Provinz Tucman) oder einfach «San Luis» (Provinz San Luis). Zum Höhepunkt der Bewegung in den Jahren 2001-2003 hatten 17 von 23 Provinzen eigene Währungen, viele davon waren zinslose Systeme. Mehr als 30% der nationalen Geldmenge wurde damit zeitweise von Parallelwährungen repräsentiert (Gómez, 2016, S.54). Damit konnte unter anderem der krisenbedingte Einbruch der Geldversorgung und die Einschränkungen der Provinzen durch hohe Überschuldung gemildert werden. Obwohl die argentinische Verfassung eine stark zentralisierte Nationalbank vorsieht, die alleine für die Geldpolitik verantwortlich ist, waren die Provinzwährungen keine Konkurrenz-, sondern Komplementärsysteme, die die zentrale Politik entlastete. Deshalb wurde sie auch offiziell unterstützt oder geduldet (Théret, 2017, p.26-27). In derselben Krise hatte in Argentinien noch ein zweites Währungsphänomen eine Blüte: Die «Redes de Trueque» (RT) (Tauschhandelsnetzwerke). Dies waren nachbarschaftliche Komplementärwährungen, die sich auch übergreifend zu Netzwerken verbanden und die direkte Versorgung der Bevölkerung mit notwendigen Dingen unterstützten (Gómez, 2016). Diese Komplementärwährungen gab es zum Teil bereits seit 1995, doch durch die Krise bekamen sie einen ungeahnten Auftrieb.

Das führte dazu, dass an vielen Orten bis zu vier verschiedene Währungsebenen vorhanden waren und miteinander funktionierten:

  • Lokale Währung (RT)
  • Provinzwährung (Bonos)
  • Landeswährung (Peso)
  • Dollar (als Hartwährung und Wertaufbewahrung)

Argentinien kann damit als gutes Beispiel eines föderalistischen, mehrstufigen Systems gesehen werden, das zwar ungeplant und nur durch die Krise «erzeugt» worden ist, das aber wichtige Hinweise auf ein echt stabiles und zukunftstaugliches Währungssystem geben kann.

Das Ende der Provinzwährungen wurde 2003 erreicht, als die Zentralregierung und auch die Provinzregierungen selbst unter dem Druck des Internationalen Währungsfonds IWF das Versagen einiger weniger solcher Währungen zum Anlass nahmen, alle zusammen zurückzurufen und zu beenden (vgl. Théret, 2017, p.8).

 

Brasilien

Die Unidade Real de Valor oder URV (portugiesisch, Realwerteinheit) war eine Parallelwährung, die im März 1994 als Teil des “Plano Real” von Präsident Itamar Franco zur Stabilisierung der Wirtschaft und der Überwindung wiederkehrender Inflationen in Brasilien geschaffen wurde. Sie war das theoretisch anspruchsvollste Stück des Plano Real und basierte auf einer früheren akademischen Arbeit von Pérsio Arida und André Lara Resende, dem „Larida-Plan“, der 1984 veröffentlicht wurde.

URV war als ein vorübergehendes Instrument konzipiert, um die „psychologische Trägheit“ aufzubrechen, die in der brasilianischen Mentalität vermutet wurde und die Preise als Folge der subjektiven Einschätzung der Inflation oder einer vorbeugenden Anpassung ohne Kostenbewertung ständig steigen ließ. Die URV sollte als Parallelwährung zu der damals bestehenden Nationalwährung “Cruzeiro-Real” (CR)  abgekoppelt werden von den Auswirkungen der Inflation auf letzteren, die damals 1.200% pro Jahr überstieg. Die Idee bestand darin, die Auswirkungen der Hyperinflation vollständig von der alten Währung (CR) absorbieren zu lassen, während eine neue Währung (nominal gegenüber dem Dollar) stabil sein sollte, indem ihr Wechselkurs gegenüber der alten Währung angepasst wurde. URV war aber eine reine Rechnungswährung. Als der Übergang geglückt war, wurde die neue Währung namens “Real” mit einer 1:1 Parität zur URV eingeführt und sowohl die alte Währung (CR), als auch die URV abgeschafft. Dieses Parallelwährungsexperiment gelang vollauf und transferierte die neue brasilianische Währung bezüglich Inflation wieder auf einen stabilen Wert. Bereits 1999 musste der Real dann aber wegen der grassierenden Kapitalflucht wieder um 50% abgewertet werden. 2

 

Venezuela

Die Idee einer parallelen „Petro“-Währung in Venezuela wurde bereits 2009 durch den damaligen Präsident Venezuelas, Hugo Chávez, geäußert. Es sollte eine internationale Währung namens „Petro“ geschaffen werden, die hauptsächlich auf den Ölreserven einiger Länder der Welt basieren würde und die Vorherrschaft des Dollars als alleinige Währung im Ölgeschäft brechen könnte. Im Dezember 2017 kündigte der neue Präsident Nicolás Maduro dann die geplante Einführung einer solchen digitalen Währung an. Am 5. Januar 2018, kündigte Nicolás Maduro die Ausgabe von hundert Millionen «Petros» und die Veröffentlichung eines «Whitepapers» (also eines technischen Konzeptes der Währung) an (Chohan 2018). Seither herrscht eine widersprüchliche Informationslage vor. Die Währung sei zwar herausgegeben worden, aber noch keine einzige Transaktion sei vollzogen worden oder ähnliche Meldungen kursieren im Internet. Präsident Trump hat sie bereits verboten und effektiv scheint es diese Währung doch nicht zu geben, etc. (Prospero, 2019). Die Idee mittels einer digitalen Parallelwährung die desolate Lage der Nation zu verbessern ist vorhanden, aber die Umsetzung scheint bisher noch nicht gelungen zu sein. Inzwischen hat sich aber Bitcoin als wichtigste Parallelwährung in Venezuela als «Notwehr gegen den Staat» etabliert, wie die NZZ schreibt.

 

Blockchain-basierte Parallelwährungen

(Siehe auch unseren Einführungsartikel zum Thema)

Der Ursprung der Kryptowährungen liegt einerseits in wissenschaftlicher Forschung zu neuen Datenbanken und Informationssystemen, andererseits in der Bewegung von Cyberpunks, Hackern und Computer-Nerds mit libertären Ideen von Freiheit ohne Staat oder Hierarchien. Das erste funktionsfähige «Produkt» dieser Bewegung, das weltweit Furore machte, war die Kryptowährung Bitcoin (siehe nächster Abschnitt), die mittels der Blockchain-Technologie umgesetzt wurde. Inzwischen wurden die verwendeten digitalen Technologien auf allen Ebenen weiterentwickelt und tausende von neuen Kryptowährungen oder -token sind entstanden. Die meisten davon sind privat geschöpfte Komplementärwährungen, viele Experten sehen in der Blockchain-Technik jedoch eine Möglichkeit effizientere (und hoffentlich bezüglich Nachhaltigkeit auch effektivere) zentralbankgeschöpfte Parallelwährungssysteme zu entwickeln.

 

CBDC = Central Bank Digital Currency

CBDC (genauer Central Bank Issued Digital Currency) – digitales Zentralbankgeld – ist eine Bezeichnung für neue digitale Währungen, welche von Zentralbanken herausgegeben werden sollen. Die Idee dazu wurde etwa 2013/2014 durch den Erfolg von Bitcoin und weiterer Kryptowährungen angestoßen, hat aber inzwischen bereits verschiedene Wandlungen und Weiterentwicklungen erfahren: «Anfänglich hatte man sich das digitale Zentralbankgeld als ein Kryptogeld in Landeswährung vorgestellt, auf Basis der Distributed-Ledger- und Blockchain-Technologie. (…) Auch die Verlautbarungen der Bank von England zu Central Bank Issued Digital Currency suggerierten zunächst, es würde sich um Kryptogeld handeln.» (Huber, 2018, S.3) Bald wurde dies aber generalisiert und gesagt, digitales Zentralbankgeld sei eine neue Geldart, die zwar den privaten Kryptowährungen etwas entgegensetzen soll, die selbst aber kein Kryptogeld sein muss. «Es gehe vielmehr um eine ‚kontobasierte Lösung‘, also um unbares Zentralbankgeld auf Konten für den Publikumsverkehr.» (ebd.) Dies aufgrund der Erkenntnis, dass blockchainbasierte Währungen in absehbarer Zeit nicht imstande sein werden, die Anforderungen von Zentralbankgeld zu erfüllen (Z.B. ein ausreichender Durchsatz von Transaktionen). Somit sind die aktuellen Konzepte, an denen gearbeitet wird primär solche, die zentralisierte kontobasierte Währungen vorschlagen. Grundsätzlich handelt es sich also um Parallelwährungen nach unserer weiteren Definition, die 1:1 an die nationale Währung gekoppelt wären und einfach technisch auf einem anderen System betrieben würde, sei es eine Blockchain oder ein Serversystem für kontobasierte Versionen.

Bereits weit fortgeschrittene Überlegungen zu CBDC hat die schwedische Notenbank (Riksbank) mit der E-Krona gemacht. Dabei wurde besonders von der Situation ausgegangen, dass in Schweden die Bargeldnutzung stark schwindet und damit die Frage auftaucht, ob ein «Digitales Bargeld» (digital cash) als Ersatz und Komplement geschaffen werden sollte. Es wurden verschiedene Studien dazu gemacht, die folgende Punkte beinhalten (Söderberg, 2019):

  • Kann ein «Markt der Zahlungsmittel», der gänzlich von privaten Akteuren dominiert wird garantieren, dass Zahlungssysteme für die ganze Gesellschaft funktionieren?
  • Könnte eine staatliche digitale Währung, eine E-Krona, einige Probleme einer bargeldlosen Gesellschaft lösen (z.B. bei einem Stromausfall)?
  • Welche Effekte hätte eine E-Krona auf die Finanzmärkte?

Während Schweden damit einen Ansatz für die Sicherung der nationalen Währungsinfrastruktur für die Bevölkerung sieht und sich ausdrücklich als ein konto- basierter Ansatz versteht, lassen die Überlegungen der Bank of England es offen, ob digitale Währung Kryptogeld oder Kontogeld sein soll. Auch wurden im englischen Modell noch weitere Varianten vorgeschlagen, wo z.B. CBDC nur für Banken verwendbar wäre (was die Grundidee wieder stark relativieren würde, Huber, 2018, S.9f.).

Weitere Länder und Notenbanken prüfen Möglichkeiten und Auswirkungen einer eigenen digitalen Währung. Zusammen mit der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), haben die Bank of Canada, die Bank of England, die Bank of Japan, die Europäische Zentralbank, die Sveriges Riksbank und die Schweizerische Nationalbank kürzlich eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, um Erfahrungen beim Evaluieren der Einsatzmöglichkeiten von digitalem Zentralbankgeld (CBDC) in ihrem jeweiligen Heimatland bzw. Hoheitsgebiet auszutauschen. (SNB, 2020) Im deutschen Bundestag gab es 2019 bereits eine Anfrage der FDP zu CBDC und im Januar 2020 äußerte sich der Chef der Deutschen Bundesbank, Jens Weidmann, in einer Rede zu offenen Fragen, die er sieht. « Je nach Ausgestaltung würden die Kunden womöglich in großem Stil von Bankguthaben in digitales Zentralbankgeld umschichten. Das würde längerfristig das Finanzsystem erheblich verändern. Und im Falle einer Bankenkrise könnte die Gefahr eines Bank-Runs steigen, wenn sich die Schäfchen per Mausklick ins Trockene bringen lassen.» Eine eventuelle CBDC-Herausgabe durch die Bundesbank erfordere jedoch eingängige Recherchen, so Weidmann. (Zitiert nach https://www.btc-echo.de/deutsche-bundesbank-erforscht-digitales-zentralbankengeld-cbdc/, Zugriff 06.02.20)

Indirekt gibt er damit natürlich zu, dass das bestehende Bankengeld krisenanfällig ist und ein CBDC als «Vollgeld light» (Huber) eine sicherere und bessere Lösung wäre. Dies allerdings auf Kosten der Geschäftsbanken, die damit möglicherweise einen lukrativen Teil ihres Geschäftsfeldes verlieren würden. Das Thema bleibt also aktuell.

 

Nachhaltigkeitswährungen

Das Konzept der Parallelwährung wird seit kurzem auch als Möglichkeit zur Verwirklichung von Nachhaltigkeits- und Klimazielen vorgeschlagen. Die Weltakademie für Kunst und Wissenschaft (World Academy of Art & Science, WAAS) hat die „TAO of Finance“-Initiative ins Leben gerufen, die eine Finanzierung der 17 Nachhaltigkeitsziele der UNO (Sustainable Development Goals SDG’s) vorschlägt. Dabei sollen „grüne“ Parallelwährungen geschaffen werden, mittels denen unmittelbar die notwendigen Nachhaltigkeitsmaßnahmen finanziert werden könnten. Damit wäre es möglich, die „lock-in“ Situation (Blockierung) zu lösen, in der sich die bestehende Wirtschaft befindet, in der jegliche größere Maßnahmen im Bereich Nachhaltigkeit vom Prinzip her nicht machbar sind. Grund dafür ist das bestehende Geld- und Finanzsystem, das alle Finanzströme unaufhaltsam in Spekulation und Vermögenskonzentration ableitet. Der Spiritus Rector der Initiative ist monneta Experte Prof. Dr. Stefan Brunnhuber. Der Vorschlag umfasst eine Trennung der gesamten Wirtschaft in grüne und nachhaltige Belange und eine weiterbestehende konventionelle Wirtschaft. Der Vorschlag umfasst vorerst das „big picture“, also das Grundsystem zur Lösung der Finanzierungsfrage für die Nachhaltigkeitsziele (Brunnhuber 2018). Die genauen Details der neuen wirtschaftlichen Zusammenhänge und des grünen Währungssystems sind zur Zeit noch in Entwicklung. Dazu das Interview mit Professor Brunnhuber zu seinem Vorschlag im Tagesspiegel.

 

Zusammenfassung

Das Konzept der Parallelwährung wird meist als Bedrohung für stabile nationale Währungen dargestellt, hat jedoch im Hinblick auf die Bekämpfung der Eurokrise und Wiederherstellung einer akzeptablen Lebensqualität für alle Menschen vor allem in den von Währungsturbulenzen betroffenen Ländern eine hohe Relevanz. Die bestehenden Vorschläge für Parallelwährungen zum Beispiel im Euroraum werden jedoch mehrheitlich ignoriert. Dies vor allem deshalb, weil die neoliberal geschulten Fachleute, die heute überall das Sagen haben, Geld als Ware sehen, die am besten weiterhin als staatlich garantiertes Monopol in privaten Händen bleibt. Dies ist sicher mit ein Grund, warum die weiter andauernde Finanzkrise nicht gelöst werden kann und die Stabilität des weltweiten Finanzsystems laufend sinkt. Die Idee von Parallelwährungen hat Potential und hätte es deshalb verdient, genau untersucht und als Lösungsansatz erprobt und umgesetzt zu werden.

 

Weiterführende Links:

MONNETA Aufruf: Ja zu einer Parallelwährung für Griechenland, 2012

Ludwig Schuster, Vortrag bei Ergänzungsveranstaltung zur VfS Jahrestagung in Göttingen, 2012 (PDF-Präsentation,Youtube Video)

Ludwig Schuster, Vortrag bei Veblen Institut, Paris, 2013 (PDF-Präsentation)

Das IFO Institut (Informations- und Forschungsstelle für Wirtschaftsbeobachtung) gibt immer wieder interessante Berichte zu Parallelwährungen heraus.

 

Literaturangaben:

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Brunnhuber, S. (2019):Transforming the Future of Money, Konferenzbeitrag, Inter-University Centre, Dubrovnik – November 18-20, 2019, http://www.worldacademy.org/conference-page/transforming-future-money-papers

Brunnhuber, Stefan (2017) : Financing the Future: An Argument for a Parallel Optional Currency, GLO Discussion Paper, No. 128, Global Labor Organization (GLO), Maastricht, https://www.econstor.eu/bitstream/10419/169413/1/GLO-DP-0128.pdf

BVMW Sammelband (2012): Bundesverband mittelständische Wirtschaft, Die Parallelwährung: Optionen, Chancen, Risiken  (PDF)

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Fußnoten:

  1. Polanyi (2014), definiert die Grundlagen der Wirtschaft und damit des Marktes als Arbeit, Boden und Geld, also nicht als ein undefiniertes „Kapital“, sondern als konkrete Währung.
  2. Quellen (übersetzt und angepasst): Suno Research unter https://www.sunoresearch.com.br/artigos/urv-unidade-real-de-valor/ und https://en.wikipedia.org/wiki/Unidade_real_de_valor

Viele Bartersysteme zielen darauf ab ihren Teilnehmern die Möglichkeit zu bieten, sich gegenseitig Waren und Dienstleistungen anzubieten und zu erwerben, ohne dabei herkömmliches Geld als Zahlungsmittel einzusetzen. Der Tausch wird innerhalb des Netzwerkes in einer internen Einheit verrechnet, auf die sich die Teilnehmer geeinigt haben. Bei professionellen und kommerziellen Tauschgeschäften zwischen Unternehmen spricht man von Barter- oder Kompensationsgeschäften.

Sowohl Schulden als auch Guthaben im Barter- und Kompensationsgeschäft sind üblicherweise zinsfrei. Es können jedoch Mitgliedsbeiträge, Vermittlungsprovisionen, Werbungs- und Transaktionsgebühren anfallen (in Nationalwährung und/oder Verrechnungseinheiten). Bei einem Zahlungsausfall oder Regelverstoß kann die Betreibergesellschaft die Mitgliedschaft kündigen und eine Begleichung des offenen Kontensaldos und ggf. entstandener Schäden in der Nationalwährung verlangen.

Diese Praxis ermöglicht Unternehmen Geschäfte mit Kunden und Zulieferern innerhalb des Barter-Netzwerks auch ohne Vorhaltung von Bargeldreserven. Das schont die Liquidität und kann vor allem in konjunkturschwachen Zeiten hilfreich sein. Viele Barterclub-Mitglieder nutzen die Plattform zudem als sekundären Markt, um unterausgelastetes Produktionspotenzial oder überflüssige Lagerbestände mit einem Preisabschlag zu verwerten, ohne dass sie damit den auf dem „ersten Markt“ veranschlagten Standardpreis gefährden. Nicht zuletzt ist auch die Gewinnung von neuen Kunden und Lieferanten für viele Unternehmen ein wichtiges Argument.

Die globale Barter-Industrie setzt nach Aussage der International Reciprocal Trade Organisation (IRTA) jedes Jahr Milliarden um. In Deutschland ist die Bekanntheit von Bartersystemen noch relativ gering, auch wenn während der Finanzkrise das Interesse daran offenbar zugenommen hat. Laut eigenen Angaben ist in Deutschland die DKG (Deutsche Kompensationsgesellschaft mbH) die führende B2B (Business to Business) Plattform für Bartergeschäfte. Diese ist wie viele andere Bartergesellschaften international vernetzt, so dass Teilnehmer mit Hilfe dieser Plattformen lokale, nationale und internationale Mitglieder-Märkte erschließen können. In Österreich sind die abc markets oder die GIT Trading aktiv.

Einkünfte aus Bartergeschäften werden wie Euroeinnahmen versteuert. Insoweit der Betreiber keinen Umtausch von Bartereinheiten gegen Nationalwährung anbietet, sind diese Währungen von Finanzaufsichtsauflagen befreit. Entscheidend ist dabei auch, dass innerhalb von Bartersystem nur zwischen den Mitgliedern verrechnet („kompensiert“) wird, aber keine Transaktionen von Bar- oder Giralgeld stattfinden. Zum anderen bietet die Betreibergesellschaft eines Barterclubs ihren Mitgliedern selbst weder Kredite noch Anlagemöglichkeiten und betreibt daher rechtlich gesehen kein Kredit- und Einlagengeschäft, das den Geschäftsbanken vorbehalten ist. Sie stellt nur den technisch-organisatorischen Rahmen und das Regelwerk zur Verfügung, mit dem sich die Mitglieder gegenseitig Überziehungsrahmen auf ihren Konten einräumen können.

Der Schweizer WIR-Franken (CHW) ist aus diesem Grund definitionsgemäß keine Barter-Währung, wie oft fälschlich dargestellt, sondern eine von der genossenschaftlichen WIR-Bank als Unternehmerkredit emittierte Privatwährung.

Mehr zur Funktionsweise der WIR Bank hier.

Tauschringe

Lokale Tauschringe (im englischsprachigen Raum als Local Exchange Trading Systems, LETS, bekannt) können als Professionalisierung und Weiterentwicklung der Nachbarschaftshilfe gesehen werden. Einerseits erlauben sie den Mitgliedern, sich auch ohne Geld gegenseitig Wünsche zu erfüllen. Andererseits spielen neben den materiellen Vorteilen auch ideelle und soziale Komponenten eine große Rolle. Der Zweck der zumeist ehrenamtlich oder von Vereinen betriebenen Tauschringe ist die Bildung sozialer Netzwerke auch über Generationen hinweg. Tauschringe können und sollen gemeinschaftsbildend wirken, die Wertschätzung der eigenen und fremden Leistungen steigern und Selbsthilfe und Selbstverantwortung ermöglichen. Auch eine gewisse Unabhängigkeit vom Arbeitsmarkt gehört häufig zur Philosophie. Tauschringe können die kulturelle und soziale Integration fördern, denn durch den Verzicht auf Euro-Liquidität bei den Transaktionen spielen Status und finanzielle Situation der Teilnehmer kaum eine Rolle.

Zahlreiche Tauschringe definieren Zeiteinheiten (Minuten oder Stunden) für die Verrechnung, womit sie zugleich die Wertigkeit menschlicher Arbeit in die Diskussion bringen. Hier ist die Grenze zur Zeitbank oder Pflegewährung fließend, siehe unten.

Steuerlich gelten Tauschring-Angebote als Nachbarschaftshilfe, solange sie nicht professionell (im Hauptberuf) angeboten werden und eine vom Gesetzgeber vorgegebene Einkommensgrenze nicht überschreiten. Die Verantwortung und Beweispflicht für die korrekte Versteuerung hat der Anbieter.

In einem nachbarschaftlichen Tauschring kann die Praxis zum Beispiel so aussehen:

Thomas benötigt Hilfe bei der Installation eines Betriebssystems auf seinem Laptop. Innerhalb der Tauschkreis-Plattform ist er auf Sabine aufmerksam geworden. Sie erledigt dies in zwei Stunden und Thomas lässt von seinem Verrechnungskonto die dafür veranschlagten Verrechnungseinheiten auf Sabines Konto gutschreiben. Der Saldo auf Thomas Konto verringert sich entsprechend. Thomas kann dies tun, weil er entweder einen ausreichenden Überziehungsrahmen hat oder zuvor z.B. Englisch-Nachhilfe für einen anderen Teilnehmer gegeben und dafür Guthaben erhalten hat. Sabine freut sich über die Gutschrift von Thomas, denn ein anderer Teilnehmer ist bereit, das bei ihr unbeliebte Fensterputzen für sie zu übernehmen.

Der gebürtige Schotte Michael Linton wird von einigen als „Erfinder“ der nichtkommerziellen Tauschringe angesehen. Er hatte 1982 in Courtney, im kanadischen Comox Valley auf Vancouver Island, den ersten Tauschring konzipiert, der als LETS bekannt geworden ist und vielen späteren Initiatoren, vor allem in den englischsprachigen Ländern, als Blaupause diente.

Anders als in anderen Ländern hat sich die Tauschringszene in Deutschland lange Zeit klar von der Regiogeld-Bewegung abgegrenzt, weil Tauschringe nach eigener Auffassung eine „nicht geldvermittelte Wirtschaftsweise“ praktizieren würden, so der ehemalige Hauptorganisator des Bundestreffens der Tauschringbewegung, Klaus Gräff.

Tauschringe sind meist ehrenamtlich in Vereinen oder genossenschaftlich organisiert. Tauschringe können wie Lokal- und Regionalwährungen nachbarschaftlich oder regional organisiert sein, häufig sind sie darüber hinaus auch überregional vernetzt, damit Mitglieder auch auf Angebote an anderen Orten zugreifen können (z.B. private Übernachtungen). Manche Tauschringe sind an Regionalwährungen angeschlossen, wie der Talente-Tauschkreis Vorarlberg (www.talentiert.at). Andere haben Schnittstellen zu kommerziellen Barter-Clubs und schaffen so noch mehr Flexibilität und Möglichkeiten. So arbeitet die österreichische GIT Trading mit dem Tauschkreis Graz zusammen und verbindet so den Unternehmerhandel mit dem Privattausch. Auch mit dem Verkauf der Verrechnungseinheiten gegen Euro wird vereinzelt experimentiert.

Zeitbanken

Die Popularität von Zeitbanken in den USA geht auf Dr. Edgar Cahn zurück, der mit Hilfe von Zeitbanken die Qualität und Effektivität von sozialen Dienstleistungen verbessern möchte. Er ist auch Gründer der 1995 etablierten TimeBanks USA, eine Dachorganisation, die Zeitbank-Initiativen auf vielfältige Weise unterstützt und weiterentwickelt. Auch hier ist die „Währung“ Zeit, welche für soziales Engagement verdient werden kann. Später kann man diese im Tausch für Dienstleistungen einlösen. Cahn sah eine Notwendigkeit darin Zeitbanken zu fördern, um dem Abbau von Sozialleistungen durch den Staat entgegenzuwirken. Von Bedeutung ist der Begriff Koproduktion, der Menschen nicht bloß zu passiven Empfänger von sozialen Dienstleistungen macht, sondern sie als Teil davon versteht. Diese Teilnehmer können die sozialen Dienstleistungen mitgestalten. TimeBanks USA, welches ein Netzwerk von mehr als 200 Zeitbanken in den USA betreut, definiert folgende 5 Kernprinzipien für ihr Zeitbankensystem:

  • Bereicherung: Jeder Mensch ist ein Gewinn und wir alle haben die Fähigkeit etwas Wertvolles beizutragen.
  • Neubewertung von Arbeit: Der Preis für viele Tätigkeiten liegt jenseits marktwirtschaftlicher Prinzipien.
  • Reziprozität: Geben und auch der Wille eine Gegenleistung für angenommene Hilfe zu erbringen liegt in der menschlichen Natur.
  • Respekt: Jeder hat es verdient, gehört zu werden, denn jeder zählt. Wir sind füreinander verantwortlich.
  • Gemeinschaft: Wir bilden ein soziales Netzwerk, denn wir brauchen einander. Gemeinsam können wir mehr erreichen, als alleine.

Während sich in den USA Zeitbanken dank Dr. E. Cahn in den 80er Jahren durchsetzten, wurden Zeitbanken in Großbritannien in den 90er Jahren populär. Unterstützt wurde dies unter anderem von David Boyle und der New Economic Foundation (NEF), einem Think-Tank der sich für eine sozial, ökologisch und ökonomisch nachhaltige Wirtschaft einsetzt. Timebanking UK spricht derzeit von ca. 300 Zeitbanken, die sie betreut. Die NEF ist Partner der Spice Zeitbank, welche das System Zeitbank weiterentwickelt hat, indem es staatliche Organisationen mit einbezieht. Erweitert wurde die Spice Zeitbank mit Hilfe der „Community Currencies in Action“ ein mehrjähriges, von der EU mitfinanziertes Projekt zur Etablierung und Erweiterung von alternativen Geldsystemen. Bei Spice verdienen Teilnehmer „time credits“ durch verschiedene gemeinnützige Tätigkeiten. Diese können bei Spice-Netzwerk Partnern ausgegeben werden. Im Gegensatz zu konventionellen Zeitbanken steht bei Spice eine gemeinnützige Organisation oder staatliche Einrichtung als Empfänger der Dienstleistung gegenüber. Die verdienten Zeiteinheiten werden zum Beispiel für den Besuch diverser Wellness-Einrichtungen, Museen, kulturellen Einrichtungen uvm. ausgegeben. Die „Gegenleistung“, die Freiwillige beim Verbrauch ihrer Zeiteinheiten erhalten, erscheinen den Betreibern günstig, da es sich häufig um nicht verkaufte oder freie Kapazitäten handelt.

Ein besonderes Anwendungsfeld für Zeitbanken sind Pflegewährungen wie z.B. das Japanische Fureai Kippu System und die Zeitvorsorge Stiftung der Stadt St. Gallen, Schweiz.

Steuerliche Behandlung

Zeitbanken sind in den USA von der Steuer befreit. Finanzämter grenzen Zeitbanken von kommerziellen Barter-Systemen ab, welche besteuert werden. Man erkennt die gemeinnützigen Absichten und besteuert diese Systeme daher nicht, was angesichts schwacher Sozialsysteme in den USA nicht verwunderlich ist. Auch in Großbritannien werden Zeitbanken und Tauschringe auf privater Ebene als gemeinnützig angesehen. In Deutschland hingegen gelten die üblichen steuerrechtlichen und gewerberechtlichen Bestimmungen. Tauschringe und Zeitbanken sind trotz ihrer gemeinnützigen Ziele nicht von der Steuer befreit. Den Teilnehmern wird pauschal die Erzielung von geldwertenVorteilen unterstellt.

Abgrenzung von Tauschringen und Zeitbanken

Viele nachbarschaftlich organisierte Zeitbanken sind von Tauschringen kaum zu unterscheiden. Zeitbanken hingegen haben häufig die Absicht, auch die Möglichkeit des Sparens z.B. zur Altersvorsoge einzubeziehen. Außerdem stellen Zeitbanken häufig soziale Aspekte deutlicher in den Vordergrund, weshalb auch die Einbindung von öffentlichen und sozialen Einrichtungen wie z.B. bei „Spice“ Sinn macht. Viele Studien haben gezeigt, dass Zeitbanken sozial förderliche Effekte aufweisen: Menschen lernen ihre Fähigkeiten einzuschätzen, denn Zeitbanken bieten Möglichkeiten Stärken zu finden und als Gegenleistung für Hilfe anzubieten. Auch die Stärkung von Gemeinschaften, Erweiterung sozialer Kontakte, Aufbau von Netzwerken und der Respekt füreinander sind Werte, die man in Geld nicht messen kann. Genau diese Werte sollen durch Zeitbanken gestärkt werden. Im Zusammenhang mit den Herausforderungen einer alternden Gesellschaft können Zeitbanken ein Instrument sein, zivilgesellschaftliches Engagement zu Stärken und zu Fördern. Gerade darin wird häufig großes Potential gesehen – solange es nicht um bloße Kostenreduktion bisheriger Systeme, sondern um positive Impulse für neue Wege geht, die sozial, ökonomisch und ökologisch nachhaltig sind. wo es jedoch weniger um die unmittelbare Verrechnung geht, sondern vielmehr um ein Ansparen von Sozial- und Pflegestunden für den späteren eigenen Betreuungsbedarf.

Software

Viele Organisationen setzen Online-Software zur Mitgliederverwaltung und Abwicklung der Verrechnungsgeschäfte ein, wie zum Beispiel die von der niederländischen Entwicklungshilfe-Organisation STRO entwickelte, open source Software Cyclos oder die in 34 Ländern verbreitete Tauschplattform CES von Ashoka Fellow Timothy Jenkins (Südafrika). Manche Tauschringe nutzen Software-Eigenentwicklungen, wie beispielsweise das Tauschnetz Elbtal.

Weiterführende Links:

LETSystem Design Manual: http://www.tauschwiki.de/wiki/LETSystem_Design_Manual
LETSLink UK: http://www.letslinkuk.net

Time Banks USA: http://timebanks.org
Time Banking UK: http://www.timebanking.org
Time Banking Wales: http://timebankingwales.org.uk

SPICE Innovations Ltd, UK: http://www.justaddspice.org

Zeitvorsorge Stiftung der Stadt St. Gallen, Schweiz: http://www.zeitvorsorge.ch

Fureai Kippu: MONNETA Artikel: Pflegewährungen in Japan

Hayashi, M. (2012) ‘Japan’s Fureai Kippu Time-banking in Elderly Care: Origins, Development, Challenges and Impact’ International Journal of Community Currency Research 16 (A) 30-44

Euro, Dollar, Pfund und Yen stehen in der Kritik: Die Währungen haben den Bezug zur Realwirtschaft verloren und nehmen keinerlei Rücksicht auf die Endlichkeit von Ressourcen und regionale Besonderheiten. Über die Kreditgeldschöpfung sind Wachstumsnotwendigkeiten und die Maximierung von Renditen vorprogrammiert. Energiewährungskonzepte versuchen dem gezielt etwas entgegen zu setzen: Wertmedien, die der Struktur erneuerbarer Energien entsprechenden, die zum Beispiel langfristig wert- und kaufkraftstabil sind, die dezentral emittiert werden und eine nachhaltige (Regional-)Entwicklung oder Investitionen in die Erneuerbaren aktiv befördern.

Die Idee einer mit Energien gedeckten Währung ist nicht neu. So waren die ersten Gelder in der Antike „solare Biomasse-Währungen“. Schekel-Münzen im alten Babylon dienten beispielsweise als „Quittung“ und Einlöseberechtigung für die in Kornspeichern eingelagerten Getreidereserven. Auch während der Währungskrisen im 20. Jahrhundert waren vereinzelt Währungen mit Bezug zu Energie in der Diskussion, bis heute jedoch noch nirgends in Form eines (gesetzlichen) Zahlungsmittels realisiert.

Angesichts zunehmender Ressourcenkonflikte, moderner energietechnischer Innovationen und wachsender Bekanntheit von Komplementärwährungen werden Energiegelder wieder vermehrt diskutiert. Jüngere Konzepte für Energiewährungen bedienen sich häufig aus bereits vorhandenen Puzzelteilen wie Crowdfunding und Bürgerbeteiligungsgesellschaften, Energiezertifikaten, Smart Metering mit intelligenten Stromzählern, digitalen Konten- und Zahlungssystemen und Blockchain-Technologie.

Weiterführende Literatur:

Tony Greenham, Josh Ryan-Collins, Ludwig Schuster: Energising Money Report. New Economics Foundation, 2013 http://www.neweconomics.org/publications/entry/energising-money

Bonussysteme für nachhaltiges Verhalten

NuSpaarpas war ein von 2000 bis 2002 laufendes Projekt, bei dem für Umweltaktivitäten Bonuspunkte gesammelt wurden: Mülltrennen, Einkaufen bei 100 lokalen Geschäften oder beim Kauf umweltfreundlicher oder fair gehandelter Waren. Das Projekt war eine Kooperation zwischen Stadtverwaltung Rotterdam, Rabobank und Qoin (das damals noch Barataria hieß).

Das Projekt Umweltkarte ist ein Belohnungsystem, das Bürger dafür belohnen soll, dass sie etwas Richtiges tun wie  mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, zu einem Ökostromtarif wechseln, in erneuerbare Energien investieren, regionale ökologische Lebensmittel kaufen, Müll sortieren, Handys zum Recycling geben, energiesparende Geräte kaufen etc.  Die gesammelten Umweltbonuspunkte können wiederum nur für umweltfreundliche Produkte und Leistungen ausgegeben werden, wie z. B. Carsharing, Energieberatungen oder LED-Leuchtmittel. Das Projekt hat 2012 den Bürgerideenwettbewerb in Hamburg gewonnen ( Zukunftscamp Hamburg 2030 ). Etwas Ähnliches funktioniert schon in Belgien: In der Provinz Limburg gibt es das Belohnungssystem „E-Portmonnee“.

Investitionsgutscheine/Innovationsgutscheine

Mit Investitions- oder Innovationsgutscheinen lenken und fördern meist staatliche Institutionen die Investitionen von Unternehmen. Unternehmen stellen Anträge auf solche Gutscheine, die je nach politischer Zielstellung den Kauf von Forschungsdienstleistungen oder Investitionsgütern erlauben. Somit lenkt der Gutschein die Investitionen der Unternehmen dorthin, wo staatliche Stellen die Entwicklung fördern wollen.

Carbon Currencies – Kohlenstoffwährungen – Emissionshandel

„Kohlenstoffwährungen“ könnten als eine Art Anreiz- und Limitierungshilfe dienen. Bereits heute existiert in Europa der Emissionshandel mit Emissionszertifikaten. Jedes Zertifikat steht dabei für das Recht, eine bestimmte Menge Kohlendioxid freizusetzen, die z.B. auch pro Kopf festgelegt werden könnten. Um Produkte und Dienstleistungen zu kaufen, könnte eine bestimmte Menge „Kohlenstoffguthaben“ notwendig sein, wodurch die Nutzung fossiler Energieträger teurer wird und Anreiz entsteht, auf kohlenstoffarme Produktionsweisen umzuschwenken. Die bewusste Limitierung der vorhandenen Kohlenstoff-Währungseinheiten bildet die begrenzte Aufnahmekapazität der Atmosphäre ab und integriert sie in das wirtschaftliche Handeln. Die europäischen Erfahrungen könnten dabei Ausgangspunkt für ein globales Kohlenstoffwährungssystem sein.

siehe: wikipedia: EU-Emissionshandel

siehe auch: Energiewährungen

Bildungswährungen

Bildungswährungen bauen auf der Idee auf, dass jeder am meisten lernt, wenn er anderen etwas beibringt. Mit Hilfe einer Bildungswährung könnten jüngere Schüler die Nachhilfe älterer Schüler „einkaufen“. Ältere Schüler könnten dafür die Ausbildung an einer Universität kaufen, womit die Bildungswährung wieder beim Herausgeber angekommen wäre: Beim Bildungsministerium. Eine ausgefeilte, aber noch nicht umgesetzte Projektidee ist der Saber für Brasilien.

Reputationswährungen

Betrachtet man Währungen nicht nur als „Geldeinheiten, die den Besitzer wechseln können“, sondern fasst die Definition weiter als „Symbolsysteme“, sind auch andere Währungen denkbar. So spricht man in der Wissenschaft oft von Zitierungen als „Währung der Wissenschaft“. Hier gilt: Wissenschaftliche Arbeiten, die oft zitiert werden, werden als wertvoll empfunden und ihr Autor erlangt Reputation, also: Anerkennung. Zitate in wissenschaftlichen Arbeiten lassen sich nicht „austauschen“, wie man Geldeinheiten austauscht, aber sie zeigen an, wie wichtig eine wissenschaftliche Arbeit für den Wissenschaftsbereich ist.

Ende der 1990er definierte Georg Franck eine weitere Währung in diesem Sinne: Die Währung der Aufmerksamkeit und mit ihr verbunden: Die Ökonomie der Aufmerksamkeit. Gezahlt wird mit „persönlicher Zeit“ schreibt er (in Telepolis 20.03.1996) und meint damit die Aufmerksamkeit, die beispielsweise eine Zeitung von ihren Lesern erhalten kann.

Währungen in diesem weiteren Sinne erweitern auch unser Verständnis für Ökonomie. Der Wert von etwas kann sehr viel höher sein als sein reiner Marktwert, also die Summe an Geld, die man für den Produktverkauf bekommt. Die Arthur-Brock-Prezi „Transitioning to the New Economy“ erinnert beispielsweise daran, dass Honig nicht nur den Preis wert ist, den man bei seinem Verkauf bekommt. Honig ist das kleinere Endprodukt der Bestäubungsleistung der Bienen – und ohne sie gäbe es kein Obst und kaum Gemüse, weil das Nektarsammeln zu viel größeren Ergebnissen führt, die sich monetär nicht wirklich beurteilen lassen.

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Staaten haben zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten mehr oder weniger Einfluss darauf genommen wie Geschäftsbanken Geld schöpfen.

Zu manchen Zeiten wurde die Geldschöpfung auch in ihrer Denomination ganz den kommerziellen Banken überlassen. In diesen Situationen, in denen individuelle Banken ihrer eigenen Banknoten ausgeben können, spricht man von „Freebanking“.

Es bleibt allein dem Markt überlassen Kontrolle auf die Gesamtmenge des umlaufenden Geldes und der Einlagen auszuüben, die durch Bargeld, Zentralbankgeld oder Goldreserven gedeckt sind. Einlagen in von Privatbanken ausgegebenen Geld, waren nicht wie heute durch staatliche Garantien gegen Insolvenz der ausgebenden Bank geschützt.

Manche Befürworter des Freebankings sahen entweder gar keine sinnvolle Rolle für Zentralbanken oder rieten zu einer ständigen Begrenzung des Zentralbankgeldes. Dies würde bedeuten, dass es keine Kredite bei dieser letzten monetären Instanz geben könne und keinen Schutz von Bargeld und Sichteinlagen von Seiten des Staates. Zu diesen Befürwortern zählen Friedrich Hayek und andere Vertreter der Österreichischen Schule.

Manche Länder hatten vor allem in 19. Jahrhundert Perioden relativ unregulierter Geldschöpfung durch Privatbanken. Oftmals schritten die Staaten aber nach lokalen Bankenkrisen ein. Gesetzliche Zahlungsmittel sind heute die einzigen offiziellen Barmittel und in keinem Land wird zur Zeit Freebanking praktiziert. Es ist jedoch umstritten, ob nicht komplementäre Währungen auf der einen und sogenannte Schattenbanken auf der anderen Seite doch auch heute einige der Eigenheiten solch liberaler Geldschöpfungsreglulierung aufweisen. Viele Vertreter des Freebanking plädieren auch für eine Goldbindung bzw. für einen Goldstandard – meist mit dem Argument das Geld müsse so knapp gehalten werden.

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Theorie des Free Banking

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