Vor einigen Monaten ist ein neues «Working Paper»1 des Internationalen Währungsfonds (IWF) erschienen, das sich mit der Frage befasst, ob man das Bargeld vom elektronischen Geld trennen könnte. Es geht dabei um ein Problem, dass die Zentralbanken identifiziert haben, als sie begannen, negative Zinsen in der Geldpolitik einzuführen. Dabei können zwar elektronische gespeicherte Vermögen auf Konten mit einem Minuszins belastet werden, nicht jedoch Bargeld, das in den Händen der Besitzer seinen Nennwert behält. Es scheint deshalb attraktiv zu sein, große Beträge in Bargeld zu horten, um damit einen Wertverlust zu vermeiden. Dadurch würde aber das Ziel der Zentralbankpolitik gestört, die durch die negativen Zinsen die Geldbesitzer dazu forcieren will, ihr Geld nicht auf Konten zu bunkern. Bargeld böte also eine Ausweichmöglichkeit und verminderte die Wirksamkeit der negativen Zinsen. Man stellt sich vor, dass bei einer weiteren Senkung der Negativzinsen immer mehr Personen «ins Bargeld flüchten würden» und damit die gewünschte Wirkung der Minuszinsen ausbleibt. Dieser Punkt wird nun auch aus Seite der Zentralbanken als ein weiterer gewichtiger Grund für eine mögliche Abschaffung des Bargeldes aufgeführt. Dies befeuert natürlich nochmals die machtpolitisch geprägte Debatte zur Bargeldabschaffung, die Tobias Plettenbacher bereits 2016 sehr umfassend beschreibt (siehe seinen Artikel hier auf Monneta)2.

Der Vorschlag, den die beiden IWF-Autorinnen, Katrin Assenmacher und Signe Krogstrup nun entwickelt haben, ist eine Trennung des Bargeldes vom Kontogeld (Giralgeld). Das Bargeld soll dabei als quasi eigenständige Parallelwährung geführt werden mit einer den Negativzinsen auf Kontogeld entsprechenden Entwertung. Die Autorinnen schlagen vor, dass die Zentralbank die nationale Währung in zwei Währungen aufteilen würde, in «Cash» (Bargeld) und «Reserves», also elektronisches Geld oder Kontogeld. Ein Negativzins würde nun auch für Bargeld gelten und zwar so, dass beim Rücktausch in elektronisches Geld, dieses weniger Wert wäre. Das bedeutet zum Beispiel: Wenn ich also bei einem Zins von -3% meine 100 € Bargeld nach einem Jahr auf mein Konto einzahlen würde, schriebe man mir dort nur 97 € gut. Das Bargeld, ich bezeichne es ab jetzt mit der Währungseinheit B€, würde also gegenüber dem Kontogeld (€) laufend abgewertet. Das hätte zur Folge, dass die Preise in zwei Währungen angeschrieben werden müssten: Das Theaterticket kostet dann z.B. 25 € bei Zahlung mit der Karte oder 29.95 B€ bei Barzahlung. Der Preisunterschied steigt, je länger eine Minuszinsphase andauert. Falls die Zentralbank die Phase mit negativen Zinsen beendet, solle sich die Situation umkehren lassen und das Bargeld würde langsam wieder an Wert gewinnen, bis nach einiger Zeit wieder Parität erreicht wäre. Diese Idee ist soweit sehr interessant und theoretisch-finanztechnisch vielleicht durchführbar. Zweipreisigkeit im Handel und in den Geschäften lässt sich lösen, insbesondere weil sofort klar ist, welche der beiden Währungen bevorzugt wird, nämlich die Kontowährung, die weiterhin als Wertmaßstab dient.

Obwohl es an sich positiv ist, dass man sich auf übergeordneter IWF-Ebene damit beschäftigt, wie man Bargeld weiterhin erhalten könnte, entgegen der laufenden Abschaffungskampagnen der Zahlungsdienstleister und Grossbanken, bin ich sehr kritisch, was die Details angeht.

Als Ausgangslage wofür braucht es überhaupt (noch) Bargeld, werden drei aktuelle Funktionen in der heutigen Gesellschaft genannt3:

  1. Schlüsselrolle im Detailhandel
  2. Hortung von Banknoten als Sparvermögen
  3. Benutzung als Mittel zur Steuerhinterziehung und für illegale Aktivitäten

Konkret werden damit also ein halbwegs positiver ein als negativ angesehener und ein total negativer Punkt als Grund für Bargeld genannt. Diese schwache und voreingenommene Analyse stammt eigentlich von Kenneth Rogoff, einem erklärten Bargeldabschaffer und enthält bereits mehr Vorurteil, als Realität. Im IWF-Papier werden dann später wenigstens noch zwei positive „Zusatzvorteile“ des Bargeldes genannt:

  1. Anonymität: Schutz der Privatsphäre
  2. Energieunabhängigkeit: Wenig Beeinträchtigung bei Strom- und Netzausfällen, Schutz vor Elektronischen Problemen inkl. Viren

Trotzdem ist das für eine echte Analyse der Funktionen und Vor- und Nachteile von Bargeld außerordentlich schwach. Ganz entscheidende Punkte fehlen. Ich will hier nur vier Grundfunktionen nennen, die Bargeld im Moment in unserem Geld- und Wirtschaftssystem erfüllt:

  1. Bargeld, d.h. Münzen und Noten bilden nach wie vor die Grundlagen unserer Währungsordnung, da nur sie die echte staatliche (resp. überstaatliche beim Euro) Währung darstellen, die auch von allen benutzt werden kann (Giro-Zentralbankgeld können nur Banken verwenden).
  2. Bargeld stellt denjenigen Teil der Geldmenge dar, der „unverschwindbar“ ist, weil er schuldenfrei in Umlauf gebracht wurde (oder hätte gebracht werden können). Alles Bankengirogeld kann „verschwinden“, denn das bei der Kreditgewährung der Geschäftsbanken geschaffene Geld muss gelöscht werden, sobald Kredite zurückgezahlt werden. Deshalb ist Bargeld ein wichtiger Stabilisator der Geldmenge.
  3. Bargeld ist universell zugänglich. Jeder kann Bargeld entgegennehmen, verwalten oder ausgeben. Giralgeld dagegen bedingt einen Zugang zu einem Zahlungsdienstleister, der diesen auch verweigern kann oder der durch Kosten/Gebühren de facto Menschen ausschließen kann. Bargeld ist also ein demokratischeres Geld, als Giralgeld.
  4. Bargeld ist Volksgeld: Während die unteren Schichten der Gesellschaft einen Großteil (in gewissen Fällen wie z.B. Obdachlosen oder Bettler 100%) ihrer Lebensbedürfnisse mit Bargeld decken, sinkt dieser Anteil bei den Reichen auf nahe 0% ab (sie haben immer ein breites Portefeuille von Zahl- und Kreditkarten).

Durch Übernahme der negativen Punkte b) und c) und dem vollständigen Fehlen der Punkte 1)-4), wie in der Analyse des IWF kommt man auf eine kaum zutreffende Ausgangslage zuungunsten des Bargeldes. Damit wird auch der Lösungsvorschlag schon fraglich.

Ein weiterer Punkt im Artikel ist ungenau. Es geht nicht darum, die bestehende Währung zu teilen und ein paralleles System einzurichten, sondern lediglich darum, die bisher schon bestehende Parallelität von Zentralbankgeld und Geschäftsbanken-Giralgeld zu verändern.4 Sind heute alle drei Formen konventioneller Währungen (Bargeld, Giralgeld und Zentralbankreserven) insofern gleichwertig, als dass sie sich 1:1 tauschen lassen, würde diese Parität mit Vorschlag der IWF Autoren aufgehoben.

Dann ist die ganze Idee auch noch völlig aus dem Central-Banking-Standpunkt gedacht. Bargeld würde nämlich durch diese Abwertung in der Praxis als eine unzuverlässige Währung wahrgenommen, die laufend an Wert verliert, wogegen das Giralgeld die alleinige Funktion des Wertmaßstabes bekäme.

Die Diskrepanz der beiden Kurse würde sich dazu über die Zeit immer weiter ausweiten. Bei -3% Zins hätte ein Produkt vom Wert 100€ folgende Preise (ohne Inflation):

Startpreis: 100€ oder 100 B€ (Bargeld-Euro)

Nach 1 Jahr:  100€ oder 103 B€

Nach 5 Jahren: 100€ oder 115.93 B€

Nach 10 Jahren: 100€ oder 134.39 B€

etc.

Das hieße, der B€ würde im Blick des Verbrauchers zu einer inflationären „Weichwährung“, die man versuchen würde zu vermeiden. Resultat: Der Umbau zur sowieso gewünschten bargeldlosen Gesellschaft (cashless society) würde damit beschleunigt.

Zudem war es gerade auch Silvio Gesells Idee Preisstabilität zu schaffen und nicht durch eine Preiserhöhung (de facto Inflation) eine Pseudo-Geldentwertung zu erreichen. Er wollte durch eine echte Geldentwertung die Übermacht des Geldes gegenüber den Waren reduzieren. Das vorgeschlagene System erfüllt dies nicht.

Weitere wichtige Punkte, warum die vorgeschlagene Idee eine Lösung für ein falsches Problem liefert und damit nicht weiterhilft:

  • Die Hortung von Bargeld ist heute verglichen mit der Hortung von Giralgeld ein marginales Problem. Wie Beispiel Schweiz zeigt, ist die Bargeldhortung sogar bei -0.75% Negativzins immer noch unbedeutend.
  • Die Behauptung, dass stärkere Negativzinsen mit der Flucht ins Bargeld vollständig kompensiert würden, ist nicht wahrscheinlich, dazu ist z.B. der Umgang mit Bargeld für große Summen schlicht zu kompliziert.
  • Das Grundproblem, warum überhaupt Negativzinsen eingeführt wurden, liegt nicht im Konsumgeld- und Realwirtschaftskreislauf, wo Bargeld überwiegt, sondern zum allergrössten Teil in der Finanzwirtschaft. Diese wird mittels Quantitative Easing (QE) aber gerade mit Geld geflutet, das sie nicht realwirtschaftlich verwendet. Hier liegt das eigentliche Hortungsproblem, das um Dimensionen grösser ist, als beim Bargeld. Der Vorschlag setzt also völlig am falschen Ort an und kann so keinesfalls die gewünschte Wirkung erzielen.

Last but not least: Wie bereits oben gesagt stellt Bargeld die Basis unseres Währungssystems und garantiert einen vielleicht entscheidenden Teil der (Noch-)Stabilität für die Wirtschaft. Die hochdekorierten Experten der Finanzwelt missachten dies vollständig. Die über Nacht Beinahe-Abschaffung des Bargeldes in Indien zeigte bereits deutlich, wohin diese verkehrte Vorstellung führt: Die Außerverkehrssetzung der 1000 und 500 Rupie Scheine, die 86% der Indischen Bargeldmenge ausmachten, hat die Wirtschaft massiv einbrechen lassen und viele Kleinsparer, die sich so z.B. ihre Altersvorsorge angespart hatten, faktisch enteignet. Diese Aktion wird also langfristig weitere negative Folgen haben und hat gerade nicht die angezielten Geldwäscher und den Schwarzmarkt am meisten getroffen, sondern die Unterschichten, die sich in den letzten Jahren langsam einen etwas besseren Stand erkämpft hatten.5 Das indische Wirtschaftssystem ist dabei geschwächt und nicht gestärkt worden.

Die Ausrichtung auch des IWF auf das falsche Problem «Bargeld», befeuert die Diskussion mit einem Ablenkungsmanöver und verhindert, dass endlich Klartext zum Finanzcasino, zu Steuerparadiesen zu Hedgefonds, zu all den toxischen schädlichen Produkten und insbesondere auch zur gefährlichen QE-Strategie gesprochen wird, bei denen dringender Handlungsbedarf bestünde. Statt das Heft in die Hand zu nehmen, das Machtproblem anzusprechen und z.B. durch 100%-Money oder Vollgeld die Souveränität der Zentralbanken über das Geld wiederherzustellen, wird der letzte Rest von staatlicher Geldhoheit weiter unter Beschuss genommen. Beim Bargeld anzusetzen löst keines der bestehenden massiven Systemprobleme, sondern hilft dabei, die verbleibende Stabilität des Systems weiter zu untergraben und kann damit nur noch schneller einen totalen Kollaps herbeiführen.

 

 

Fußnoten:

  1. Assenmacher, Katrin / Krogstrup, Signe (2018): Monetary Policy with Negative Interest Rates: Decoupling Cash from Electronic Money, IMF Working Paper WP/18/191, https://www.imf.org/en/Publications/WP/Issues/2018/08/27/Monetary-Policy-with-Negative-Interest-Rates-Decoupling-Cash-from-Electronic-Money-46076
  2. https://monneta.org/news/bargeld-test/
  3. vgl. Assenmacher / Krogstrup, p.7
  4. Die wichtigsten vorhandenen Parallelsysteme im heutigen Geldsystem, die jeweils auch eigene Gesetze und Verfassungen haben sind: Münzgeld, Notengeld, Zentralbank-Girogeld und Geschäftsbanken-Girogeld. Diese werden per Vorgaben oder auch nur per Gewohnheitsrecht in fixierter Kursparität (1:1) gehandelt.
  5. siehe z.B. https://www.focus.de/politik/experten/meinardus/indien-ungueltige-scheine-vor-allem-die-armen-leiden-unter-der-demonetisation_id_6297480.html

 

Wir trauern um Bernard Lietaer, der am 4. Februar an Krebs gestorben ist. Er war ein langjähriger Freund, Kollege sowie Mentor, dem wir außerordentliche Erkenntnisse und unschätzbar wertvolle Inspirationen verdanken. Mit ihm verliert die Welt nicht nur den Mann, der am meisten über Geld wusste, sondern vor allem den Kopf, der am besten neue Geldsysteme für die Menschen entwickeln konnte. Er wollte die Welt des Geldes neu und besser ordnen. Er erkannte, dass Geld so ein mächtiges Instrument ist, das nicht nur die Wirtschaft sondern auch unser Denken beherrscht. Er brannte für sein Thema, denn „wenn es ein einziges Instrument gibt, das alle Bereiche verbessern kann, die wir verbessern müssen, um die Menschheit zu retten, dann ist es das Geldsystem.“

Auf ihn gehen die Begriffe „Komplementärwährung“ und „Monetäres-Öko-System“ zurück. Er sagte: „Gib mir ein Problem und ich entwickele eine komplementäre Währung, mit der Du es lösen kannst.“ Margrit Kennedy schrieb an den langjährigen Freund und Co-Autor: „Deine Fantasie, Deine unerschöpflichen Ideen, wie man Geld gestalten, erfinden und verwandeln kann, versetzen mich einfach immer wieder ins Staunen.“ Beide waren überzeugt, dass eine Vielfalt an Währungssystemen für die Menschen, die Wirtschaft und die Natur besser sind als nur ein einziges Geldsystem, in dem Geld durch die Kreditschöpfung von Banken entsteht.

Lietaer litt darunter, dass es ihm nicht hinreichend gelang, seine Ideen systematisch und politisch umzusetzen: Auch wenn viele tausend lokale Komplementwährungen und Initiativen über die letzten Jahrzehnte entstanden sind, so blieb ihm doch die Anerkennung und der Anschluss an das konventionelle Geldsystem verwehrt. „Ich habe meine Illusion verloren, dass es darauf ankommt die Lösung zu haben. Das ist absolut irrelevant.“ meinte er in einem letzten, ausführlichen Video-Interview, das er 2016 gegeben hat. So bedauerte er es zutiefst, dass Griechenland keine Chance mit einer nationalen Parallelwährung gegeben wurde. Es war für ihn offensichtlich, dass es den Griechen so viel besser gehen könnte, wenn sie – ähnlich wie die Briten – eine nationale Währung nutzen könnten neben dem Euro.

Lietaer war ein großer Geist mit ungewöhnlich hellem Intellekt, der das Leben von vielen Menschen bereichert hat. Er steht für uns in der Reihe von Ökonomen wie S. Gesell, J.M. Keynes oder N. Georgescu-Roegen. Isaac Newton wird mit dem Satz zitiert, dass wir alle auf den Schultern von Riesen stehen und so besser in die Zukunft sehen können. Am 7. Februar wäre Bernard Lietaer 77 Jahre alt geworden. Wir werden ihn immer lieben und stehen jetzt auf seinen Schultern, um so seine Arbeit besser fortsetzen zu können und eine bessere Welt zu bauen.

 

Stefan Brunnhuber und Kathrin Latsch
7. Februar 2019

Rechtzeitig zum 10. Jahrestag des Lehman Brother Crashs haben wir es geschafft den neuen Verein „Bürgerbewegung Finanzwende – Finance Watch Deutschland“ zu gründen. MONNETA ist Gründungsmitglied, u.a. weil wir auch Mitglied bei „Finance Watch“ in Brüssel sind. Wir möchten alle um Unterstützung des neuen Vereins bitten, auch weil das der internationalen Arbeit von Finance Watch auf EU-Ebene hilft. Die Politiker brauchen mehr gezielten Druck, um die Bürgerinteressen gegenüber der mächtigen Finanzwirtschaft besser zu vertreten. Zum offiziellen Start sendet die Bürgerbewegung Finanzwende ein starkes Signal an die Politik:

10 Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise. Die ernüchternde Bilanz: Kaum jemand wurde in Deutschland zur Verantwortung gezogen. Schuldenkrisen, Betrug und Steuertricks sind an den Finanzmärkten weiter an der Tagesordnung – und die Regierung tut so, als sei alles gut.

Setze ein Zeichen für eine finanzpolitische Kehrtwende, damit die Gesellschaft die Kontrolle über die Finanzmärkte zurückgewinnt. Unterzeichne unseren Forderungskatalog an den Bundesfinanzminister Olaf Scholz und starte mit uns die Finanzwende! Denn die Finanzkrise ist nicht vorbei, sie sucht sich nur gerade ihre nächsten Opfer. Sie frisst sich in die Altersvorsorge oder die Mieten, vom Börsenparkett in die privaten Wohnzimmer.

Eigentlich müsste die Politik massiv gegensteuern, um endlich die gefährlichen Exzesse der Finanzbranche zu beenden! Bisherige Regulierungsbemühungen wurden jedoch zu oft verwässert oder ganz ausgebremst, weil die Finanzlobby nach wie vor übermächtig ist. Im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD findet sich nichts zur Regulierung der Finanzmärkte. Das nehmen wir nicht hin! Schließ Dich uns an und fordere gemeinsam mit uns den Bundesfinanzminister auf, Maßnahmen zur Überwindung der Finanzkrise auf den Weg zu bringen:
Eine wirksame Schuldenbremse für Banken Über 95% der Aktivitäten der Banken werden mit Schulden finanziert. Wir wollen verhindern, dass auch bei einer neuerlichen Verschärfung der Krise Banken wieder mit Steuergeld gerettet werden müssen. Deswegen fordern wir eine wirksame

Schuldenbremse
Banken sollen mindestens mit 10% echtem Eigenkapital wirtschaften. Echte Finanztransaktionssteuer statt minimale Börsenumsatzsteuer
Jeder Brötchenverkauf ist mit Umsatzsteuer belegt, der Handel mit Wertpapieren dagegen nicht. Dabei könnte man schon mit einem sehr geringen Steuersatz den Irrsinn stoppen, dass von Computern im Millisekundentakt Milliarden hin und her geschoben werden – zu Lasten der langfristig orientierten Sparer und Investoren. Wir fordern deshalb die Einführung einer echten Finanztransaktionssteuer auf alle Transaktionen
im Finanzmarkt, auch auf Derivate.

Unabhängige Finanzberatung statt provisionsgetriebener Finanzvertrieb
Unkundigen Bürgerinnen und Bürgern werden Finanzprodukte untergejubelt, die wegen der Provisionen zwar gut für den Vermittler, aber schlecht für den Kunden sind. So hat sich die Umsetzung der privaten Altersvorsorge vor allem als großes Geschäft für Versicherungsunternehmen auf Kosten der Kunden erwiesen. Wir fordern eine Überwindung dieses Provisionsunwesens und den Wechsel zu wirklich unabhängigen Finanzberatern, die wie Anwälte und Steuerberater ausschließlich dem Wohl ihrer Mandanten verpflichtet sind.

Wende auf dem Immobilienmarkt
Der deutsche Immobilienmarkt verkommt zunehmend zu einem abgehobenen Marktplatz für Reiche und spekulative Investoren, zum Nachteil derer, die bezahlbaren Wohnraum brauchen. Dabei sind die Gefahren durch Immobilienblasen nicht erst seit der Lehman-Pleite bekannt. Wir fordern, dass der soziale Wohnungsbau gestärkt wird und mit der Wohnungsgemeinnützigkeit Wohnraum dem Spiel der Finanzmärkte entzogen wird; die Grundsteuerreform muss genutzt werden, um Wertsteigerungen fair beim Eigentümer zu besteuern.

Lobbyregister und Fußabdruck bei Gesetzen
Noch immer schreiben Lobbyisten von Banken und Versicherungen munter an Gesetzen mit, ohne dass wir es merken können. Wir fordern ein  Lobbyregister, damit wir wissen, wer für Banken, Fonds und Versicherungen mit wie viel Geld arbeitet – und eine Offenlegung, welche Abschnitte im Gesetz direkt auf Vorschläge der Finanzlobby zurückgehen.

Wir fordern, dass die Finanzmärkte wieder den Menschen dienen und nicht
umgekehrt. Unterzeichne unseren Appell und unterstütze die Finanzwende!

(Diese Appell der  Bürgerbewegung Finanzwende kann hier als PDF heruntergeladen werden.)

(Dieser Artikel ist dem Vorwort des Buches „Mikroökonomische Lehrbücher: Wissenschaft oder Ideologie?“ von unserem Netzwerkexperten Prof. Dr. Dr. Helge Peukert entnommen und kann hier als PDF-Datei heruntergeladen werden.)

Diese Studie mikroökonomischer Lehrbücher verdankt sich einem biographischen Zufall. Zum Zeitpunkt meines Wechsels von der staatswissenschaftlichen Fakultät in Erfurt an die Universität Siegen zur Mitgestaltung des neuen Masterstudiengangs Plurale Ökonomik vergab das Forschungsinstitut für gesellschaftliche Weiterentwicklung (FGW) aus Düsseldorf ein zweijähriges Forschungsprojekt an die Ökonomen des Masterstudiengangs. Da der Forschungsauftrag, eine Analyse der vorherrschenden Mikro- und Makroökonomielehrbücher die Initiatoren des Studiengangs interessierte, übernahmen wir die praktische Durchführung. Schließlich gehören die Mikro- und die Makroökonomie (nicht nur) in Deutschland zum Kernkanon der Einführungsveranstaltungen und nicht zuletzt die Kritik an diesen Veranstaltungen führte zur Einrichtung des alternativen Masterstudiengangs.

Ein Mitarbeiter, Christian Rebhan, hatte bereits in Erfurt eine empirische Magisterarbeit verfasst, in der er erhob, welche Lehrbücher an deutschen Universitäten in Bachelorveranstaltungen zum Einsatz kommen. Zu unserer Überraschung dominieren in der mikroökonomischen Lehre fast vollständig die zwei Lehrbücher von Hal Varian und von Robert Pindyck und Daniel Rubinfeld (Rebhan, 85, die englischen und deutschen Versionen der beiden Lehrbücher unterscheiden sich höchstens in geringfügigen Details).

Eher aus Neugier warf ich gelegentlich einen Blick in die dicken Wälzer, die nach und nach im Zuge der Anlage einer kleinen Bibliothek mit den vorherrschenden, aber auch mit pluralen, heterodoxen und alternativen Beiträgen eintrafen. Rund vier Jahrzehnte hatte ich in kein Mikrolehrbuch mehr genauer hineingeschaut. In Erinnerung behielt ich von der damaligen Lektüre, dass die Mikroökonomie zwar einseitig neoklassisch ausgerichtet war, aber trotz ihrer zu kritisierenden Einseitigkeiten doch auch für sehr viele Fragestellungen hilfreiche Werkzeuge an die Hand gibt.

Auf den ersten Blick schien es bei den in der Zwischenzeit quantitativ deutlich angeschwollenen Einführungen zudem so, dass sie auch dank vieler Beispiele viel anschaulicher und lebendiger geworden sind. Waren diese Veränderungen in den letzten Jahrzehnten etwa Ausdruck einer positiven Weiterentwicklung? Recht schnell fielen aber z.B. die einseitige Auswahl der Beispiele, der marktaffine Standpunkt und die normativen Stellungnahmen der Verfasser auf, was keinen guten zweiten Eindruck hinterließ und den Verfasser im zehnten Jahr nach Ausbruch der Finanzkrise einmal mehr daran erinnerte, dass den Wirtschaftswissenschaften ein beträchtliches Maß an Verantwortung für ihren Ausbruch und danach für unterbliebene Reformen des Geld- und Finanzsystems zukommt.

Da auch heterodoxe Lehrbücher und explizite Kritiken des Mainstreams für unsere kleine Bibliothek im Verlauf des Forschungsprojektes eintrafen, schaute man natürlich auch in sie gelegentlich hinein. Irgendwie war es dann so weit: Ich hatte Feuer gefangen und wollte nun genauer wissen, wie es um die Mikrolehrbücher und ihre Kritik steht. Hieraus ergab sich eine vorher so nicht geplante Arbeitsteilung: Elsa Egerer untersucht im Rahmen des Forschungsprojekts und ihrer Dissertation die Teile der Makrolehrbücher, in denen es um Geld- und Finanzmärkte geht, Christian Rebhan wesentliche sonstige Schwerpunkte der Makrolehrbücher und ich entschied mich für die Mikroökonomie. Das Ergebnis liegt hier vor, die Beiträge von Egerer und Rebhan werden als Dissertationen folgen. Eine kondensierte Fassung unserer „Trilogie“ wird Ende 2018 auf der Website der FGW einsehbar sein.

Der Verfasser dieser Studie erhebt keinesfalls den Anspruch, Experte auf dem Gebiet der Mikroökonomie zu sein. Insofern dürften sich eine ganze Reihe von Aussagen und Behauptungen im Text finden, über die sich trefflich streiten lässt. Ich habe die Studie vorab nicht der Kritik der wenigen heterodoxen oder orthodoxen Fachleute ausgesetzt, da dies sicher einiger Zeit bedurft hätte und die analysierten Auflagen der Lehrbücher dann schon durch neue überholt worden wären. Auch erschien es mir eine Zumutung, von Kollegen zu erwarten, den Text im Detail durchzusehen. Ich bitte alle Leser, mir Fehler, Unklarheiten und sonstige Anregungen zuzusenden, um den Text in einer Zweitauflage zu verbessern und mich zu Diskussionen zwecks kritischem Gedankenaustausch einzuladen.

Das Wagnis, mit diesem Text als Nichtexperte an die Öffentlichkeit zu treten, ist auch ein Versuch, expertokratische Überspezialisierung zu überwinden, der gemäß sich nur Personen zu wissenschaftlichen Themen äußern sollten, die sich mit Haut und Haar, am besten über Jahrzehnte, einem Spezialthema gewidmet haben. Die heutigen Selbstbeschränkungen führen m.E. zur Verödung der Wissenschaftslandschaft. Über die Jahrzehnte war es für mich bedrückend zu beobachten, wie man wissbegierige und gestaltungsfreudige junge Menschen durch realitätsferne und oft ausgesprochen langweilige Einführungen in die curricularen ökonomischen Kernfächer demotivierte. Dabei ist das reale Wirtschaftsleben bunt und spannend und es bedarf v.a. angesichts der Bedrohung der Biosphäre und zahlreicher anderer Herausforderungen junger, kompetenter Intellektueller mit klarem Kompass, die sich nicht, wie die meisten der heute im Wissenschaftsbereich übrig Bleibenden, als Wissenschaftsfunktionäre und Sachverwaltergehilfen des Politestablishments verstehen.

In Anlehnung an das Popper’sche Forschungsleitbild werden in der folgenden Analyse mutig Kritiken, Thesen und Deutungen geäußert, die gerne „falsifiziert“ werden können. Ermuntert wurde ich für dieses Vorhaben durch die Kritik der pluralen Studierendengruppen des Netzwerks Plurale Ökonomik, das ich vor mehreren Jahrzehnten, damals unter der Fahne der Postautistischen Bewegung, mitgründete. Auch gab es Anfragen, ob es denn kritische Begleittexte zu den einseitigen Lehrbüchern gebe.

Zu meiner Studienzeit in Frankfurt am Main war die Lehre in den Kernfächern noch plural: In Mikroökonomie lernte man, wen man Glück hatte, sogar den Ansatz Sraffas kennen und als kritische Begleitung für die Tutorien wurden fast immer Bücher von Emery Hunt und Howard Sherman, John Eatwell und Joan Robinson, Maurice Dobb u.a. einbezogen. Demgegenüber wird heute, wie plurale Studierende immer wieder berichten, trotz aller möglichen Weiterentwicklungen (nicht nur) in der Mikroökonomie meist nur durch den Standardkanon mit gelegentlichen, kurzen Seitenblicken durchgesaust. In fortgeschrittenen Lehrveranstaltungen an früheren Wirkungsstätten war für mich unverkennbar, dass bei solch einseitigen, schnellen Parforceritten bei den meisten Studierenden auch dank der Umstellung auf das Bachelorsystem mit semesterbegleitenden Klausuren häufig nicht gerade viel hängen blieb und das Verständnis wirtschaftlicher Zusammenhänge doch sehr zu wünschen übrig ließ ‒ ganz abgesehen vom heimlichen Lehrplan der Vermittlung einer bestimmten, oft marktliberal-konservativen Sicht der Dinge (z.B. alle möglichen Nettowohlfahrtsverluste bei „Eingriffen“ in Marktprozesse). Dieser heimliche Lehrplan empörte den Verfasser dieser Studie bei der folgenden Untersuchung des Öfteren, was sich hin und wieder in leicht ironischen Bemerkungen niederschlagen dürfte.

Bei den Nachforschungen zum internationalen Stand der heterodoxen Literatur für unsere (Alternativ-)Bibliothek stellten wir freudig fest, dass es neben wenigen deutschsprachigen Beiträgen zumindest im angelsächsischen Bereich eine ganze Reihe sehr niveauvoller Kritiken und Lehrbuchalternativen gibt, die leider in Deutschland so gut wie unbekannt sind und in Lehrveranstaltungen nach unserer Erhebung überhaupt keine Rolle spielen. Für fast alle Veranstaltungen gelten heute, wie erwähnt, Varian sowie Pindyck und Rubinfeld als Primärquellen. Insgesamt werden rund zwei Dutzend Mikrolehrbücher in deutscher Sprache angeboten, die aber kaum von den hier analysierten abweichen.

Um bei der Analyse der Lehrbücher nicht mit der Tür ins Haus zu fallen und ohne jegliche Struktur in die Texte einzutauchen, wurde zunächst, vor der genaueren Analyse der Lehrbücher, ein analytischer Rahmen entwickelt, der zur Unterscheidung eines mehr und eines weniger raffinierten Mainstreams (I und II, mit der Neoklassik als weiterer Untergliederung) und der Heterodoxie führte (Kapitel 1). Grundlage hierbei war die allgemeine Kenntnis der Diskurslandschaft, aber auch z.B. wissenschaftstheoretische Beiträge zu den Wirtschaftswissenschaften. Ich danke Elsa Egerer für konstruktive Verbesserungsvorschläge und Diskussionen zu diesem Rahmen, der natürlich Widerspruch hervorrufen dürfte, da er auf der These beruht, dass es trotz aller Ausdifferenzierungen nach wie vor einen identifizierbaren Mainstream, einschließlich bestimmter wirtschaftspolitischer Vorurteile gibt. Auch die These eines in weiten Teilen markierbaren heterodoxen Kanons dürfte Zweifler finden. Und natürlich ließen sich viele weitere Unterschiede hinzufügen oder abziehen, da die Zusammenstellungen nicht (sach)logisch geschlossen sind.

Dennoch: Auch um die Ergebnisse der verschiedenen Lehrbuchanalysen zur Mikro- und Makroökonomie vergleichbar zu machen und um eine gewisse Struktur in das allgemeine Vorgehen zu bringen, scheint uns dieser Katalog doch ein geeigneter Ausgangspunkt zu sein, der auch bestimmte Vorannahmen der drei Studien zum Zustand der Wirtschaftswissenschaften verdeutlicht.

Die Bedeutung dieses analytischen Rahmens wurde allerdings zu Beginn überschätzt. Zwar dient er als Hintergrundfolie, aber die Untersuchung der einzelnen Kapitel und Themen gewann doch auch dank der v.a. angelsächsischen kritischen Sekundärliteratur eine konstruktive Eigendynamik, die weit über das Abprüfen des Kriterienkatalogs hinausging. Kapitel 2 und 3 thematisieren neben kurzen Ausführungen zu den gewinnorientierten Verwertungsbedingungen des amerikanischen Lehrbuchmarktes markante Aussagen und Annahmen der einzelnen Kapitel der beiden Lehrbücher. In Kapitel 4 wird ein ‒ leider sehr skeptisches ‒ Fazit gezogen und die Ergebnisse werden kurz in einen gesellschaftspolitischen Zusammenhang gestellt. Kapitel 5 diskutiert einige alternative Lehrbücher und Texte, die sich für eine bessere Lehre, nicht zuletzt für den pluralen Masterstudiengang in Siegen, anbieten. Kritikpunkte an einzelnen, in den Lehrbüchern gemeinsam anzutreffenden Bausteinen werden meist nicht doppelt vorgetragen, sondern nur anhand des einen oder des anderen Lehrbuchs ausgeführt.

Auf naheliegende dogmenhistorische Bezüge wurde bewusst weitestgehend verzichtet. Der Text fordert dem willigen Leser dennoch einiges an Aufwand ab, da er sich nicht auf eine leicht zu überfliegende, kondensierte und am besten in wenigen Zahlen komprimierte Zusammenfassung der Durchsicht beschränkt, sondern der Verfasser sich die Mühe macht, auch im Detail Inhalt und Marschrichtung der Lehrbücher nachzuverfolgen, es also nicht bei einer verallgemeinernden Pauschalkritik belässt. Dies ist auch nötig, um in der aktuellen Diskussion zur Frage Stellung nehmen zu können, ob v.a. das Netzwerk Plurale Ökonomik (www.plurale-oekonomik.de) mit seiner Kritik an der Lehre an deutschen Hochschulen recht hat oder ob diese Kritik auf „Unkenntnis“, „Ignoranz“, „Unwissenheit“ und „schwindender Bereitschaft zum Dialog“ beruht ‒ Vorwürfe, die von Besserwissern des Mainstreams in letzter Zeit verstärkt gegen das Netzwerk vorgebracht werden.

Das empirische und hermeneutische Ergebnis dieser Studie lautet: Die Lehrveranstaltungen zugrunde liegenden Mikrolehrbücher, für die es einige Alternativen gäbe (siehe Kapitel 5), sind in mehrerlei Hinsicht völlig einseitig, die Kritik der Studierenden und heterodoxer Ökonomen trifft zumindest diesbezüglich ohne jeglichen Zweifel zu!

Gelegentlich hört man von Lehrenden den Einwand, in der tatsächlichen mikroökonomischen Lehre gehe es doch viel pluraler zu als in den angegebenen Lehrbüchern. Dem stehen viele Berichte von Studierenden in Deutschland gegenüber, die hiervon nichts bemerkten. Da die Syllabi und Powerpoints der Lehrveranstaltungen nicht öffentlich zugänglich sind (warum eigentlich nicht?), lässt sich dies leider nicht genau überprüfen. Eine ganze Reihe von Untersuchungen zu Modulbeschreibungen, Klausurfragen, Powerpoints usw. legen aber ziemlich eindeutig nahe, dass der Inhalt der Lehrveranstaltungen zumeist kaum von den Inhalten der Lehrbücher abweicht.

Als letztliche Motivation steht hinter dieser Studie ein wirtschaftsethisches Anliegen: Demokratische Entscheidungsstrukturen, sozialer Zusammenhalt auch durch Vermeidung zu großer sozialer Ungleichheit, die Förderung und der Erhalt kultureller Diversität und die ökologische Bewahrung der Biosphäre liegen mir neben einer effizienten materiellen Güterversorgung (die im ‒ auch normativen ‒ Zielkatalog des Mainstreams unangefochten an erster Stelle steht) am Herzen. Angesichts der immer deutlicher und sichtbarer hervortretenden Bedrohung unserer Umwelt, der auch hiermit zusammenhängenden Frage einer evtl. zu weit vorangetriebenen (Hyper-)Globalisierung und internationaler Arbeitsteilung sowie sich häufender Finanzkrisen bedarf es einer Weitung auch des mikroökonomischen Fragen-, Modell- und Reflexionshorizonts. Nationale Regierungen und die EU befinden sich mangels Engagement und dank WTO und Binnenmarktfreiheiten oft nicht mehr auf Augenhöhe mit multinationalen Unternehmen und privatwirtschaftlichen Interessengruppen, und im Verbund mit verstärkten Migrations- und Fluchtbewegungen schmelzen nicht nur in Europa die bürgerlichen Parteien der Mitte dahin, die bis dato womöglich den Rezepten des Mainstreams zu bereitwillig folgten (Ableitung der europäischen Binnenmarktfreiheiten aus Ricardos Theorem der komparativen Kostenvorteile).

Wenn eine weitere erhebliche Steigerung des BIP in den Metropolen aus ökologischen Gründen nicht zu vertreten ist und uns auch nicht unbedingt zufriedener und glücklicher macht, richtet sich natürlich der Blick auf die Verteilung des Kuchens und als Ausgleich könnte eine höhere Zufriedenheit am Arbeitsplatz z.B. durch Partizipation angestrebt werden. Auf dem Weg in eine Ökonomie, die nicht zwangsläufig immer weiter wachsen muss, sind wahrscheinlich auch weitere Arbeitszeitverkürzungen unumgänglich. Für diese Herausforderungen reichen der mikroökonomische Mainstream und die Neoklassik nicht aus, da z.B. zumindest die elementare Neoklassik (der Lehrbücher) Verteilungsfragen vom Ansatz her eher agnostisch gegenübersteht und die Lehrbücher trotz IT-Revolution und angesichts völlig neuer Produktions- und Konsumformen (Netzwerkexternalitäten und Konsumenten als Datenproduzenten) inhaltlich und konzeptionell nach wie vor an der klassischen Industriegesellschaft ausgerichtet sind, obwohl Varian auch Chefökonom von Google ist.

Nach Meinung des Verfassers dieser Studie hat die, etwas polemisch formuliert, misanthropische Sichtweise v.a. des Menschenbildes des Mainstreams eine gewisse Berechtigung als nüchternes Fundament mikroökonomischer Analysen. Sie muss aber angesichts der aktuellen gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Herausforderungen durch Ansätze der Heterodoxie und sie tragender Denkschulen ergänzt werden. Der Mainstream wird hier also keineswegs rundheraus abgelehnt, sondern er kann durchaus als Ausgangspunkt dienen, sollte aber in Einführungsveranstaltungen keine monokulturelle Einbahnstraße sein.

 

Helmut Creutz hat viel zur Enttabuisierung und Entzauberung unseres Geld- und Zinssystems beigetragen. Als Architekt fiel ihm in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts auf, dass die Finanzierung ökologischen Bauens regelmäßig an den damals sehr hohen Zinsen scheiterte. Gründlich und kritisch wie er war, wollte Helmut Creutz wissen, wieso die Zinsen so hoch waren und weshalb niemand diese Tatsache in Frage stellte.

Helmut Creutz fand nicht nur heraus, wie unser Geld- und Zinssystem funktioniert, er veröffentlichte sein Wissen auch in zahlreichen Grafiken und klärte durch seine Bücher und Vorträge weite Teile unserer Zivilgesellschaft auf. Sein Buch „Das Geldsyndrom“ kann als Grundlagenwerk zum Verständnis unseres Geld- und Zinssystems angesehen werden.

Dieses Buch inspirierte u.a. Prof. Dr. Margrit Kennedy zu ihrem Bestseller „Geld ohne Zinsen und Inflation“. Margrit Kennedy wiederum inspirierte im In- und Ausland hunderte Bürgerinitiativen, Vereine und Genossenschaften zur Herausgabe komplementärer Geldsysteme – die als Lernbewegung im deutschsprachigen Raum in weiten Regionen zur Aufklärung der Zivilgesellschaft in Sachen Geld beitrugen und -tragen.

Als kritischer Ökonom habe ich sämtliche von Helmut Creutz in seinen Büchern dargestellten Zahlenquellen und Zusammenhänge eigens geprüft – und bin durch die Bestätigung seiner Recherchen und Veröffentlichung seiner Quellen selbst zum Aufklärer hinsichtlich unseres Geld- und Zinssystems geworden.

So hat Helmut in seinen Grafiken zwar stets grob die Quellen wie „Bundesbank-Monatsberichte“ etc. angegeben, als Wirtschaftswissenschaftler interessierten mich jedoch detailliertere Quellenangaben. Da ich wie Helmut in Aachen wohnte, gewährte er mir kurzerhand in seiner Wohnung wiederholt Einblick in die von ihm verwendeten Quellen, die ich dann systematisch erfasst und veröffentlicht habe.

Wie kein anderer verstand es Helmut Creutz, die komplexen Zusammenhänge unseres Geld- und Zinssystems für jedermann und jedefrau verständlich darzustellen. Und in Frage zu stellen. Sein Buch „Die 29 Irrtümer rund ums Geld“ beleuchtet zahlreiche blinde Flecken unseres Geldsystems.

Als Mitglied der Freiwirtschaftsbewegung propagierte Helmut Creutz auch die Erdung unseres Geld- und Zinssystems durch die Einführung von Negativzinsen auf kurzfristige Geldanlagen – wie sie inzwischen von der EZB sowie immer mehr Geschäftsbanken praktiziert wird. Helmut Creutz erkannte früh, dass die zunehmenden Blasen in den weltweiten Geld- und Finanzmärkten mit der zunehmenden Loslösung des Geld- und Zinssystems von der Realwirtschaft und ihren natürlichen Begrenzungen zu tun haben.

Entsprechend der Geschichte von Goethes Zauberlehrling haben wir uns mit dem Zinssystem ohne Negativzinsen ein sich selbst beschleunigendes System geschaffen, dass seit den Weltkriegen einerseits ein wichtiges Instrument zur Unterstützung großer Wirtschaftswunder und wachsenden materiellen Wohlstands war und ist, andererseits systemimmanent unausweichlich zu immer größeren Wirtschafts- und Währungskrisen sowie zur Überschreitung ökologischer und sozialer Grenzen führt.

Helmut Creutz hat diese Zusammenhänge erkannt und transparent und übersichtlich dargestellt und vermittelt – und so sicherlich einen guten Anteil daran, dass Negativzinsen inzwischen nicht mehr tabuisiert sind, sondern fast schon zum normalen Instrumentenkasten unserer Zentral- und Geschäftsbanken gehören. Und erst diese Negativzinsen ermöglichen ein neues Gleichgewicht zwischen Finanz- und Realwirtschaft, zwischen Ökologie und Ökonomie.

Helmut Creutz haben wir auch das Wissen zu verdanken, wie unser bisheriges Zinssystem systematisch zur Vergrößerung gesellschaftlicher Ungleichheit beiträgt, indem es jährlich zur Umverteilung enormer gesellschaftlicher Vermögen von 80 % der weniger bis gar nicht wohlhabenden Bevölkerung zu den 10 % finanziell sehr Vermögenden führt.

Ein besonderes Anliegen von Helmut Creutz war zudem, auf die Zusammenhänge zwischen unserem Zinssystem sowie Krieg und Frieden hinzuweisen. Das Geldsystem stabilisierende langfristige reale Zinssätze von über 3 % lassen sich nämlich dauerhaft nur durch die ständige Ausweitung von Märkten erzielen (Kolonisierung und Globalisierung) – oder durch Kriege, deren Zerstörungen das ganze Spiel wieder von vorn beginnen lassen. Erst die Einführung von Negativzinsen entkoppelt diesen systemischen Zusammenhang.

Durch meine intensiven Recherchen zu den statistischen Grundlagen der von Helmut Creutz verwendeten Zahlen und Fakten konnte ich auch die liebevolle Gastfreundschaft von Helmut und seiner Frau Barbara erleben. Ich habe ihn als einen Menschen von vorbildlichem Charakter kennengelernt, der bei aller Sicherheit, was seine Forschungen und sein Aufklärungsinteresse betraf, angenehm bescheiden blieb.

Sensibel war Helmut Creutz, wenn seine über Jahrzehnte mühsam erarbeiteten Grafiken ohne Quellenangabe verwandt wurden, die er großzügig schon früh im Internet zur Verfügung gestellt hatte. Wer weiß, welch enorme Arbeit und Disziplin hinter der Zusammenstellung seines Zahlen- und Faktenwerkes steckt, wird auch in Zukunft gern und voller Anerkennung auf Helmut Creutz als Wissens- und Inspirationsquelle verweisen.

Webseite von Helmut Creutz:

http://www.helmut-creutz.de

Das Finanzsystem soll der Wirtschaft und Gesellschaft dienen,  nicht schaden. Nach der letzten Finanzkrise haben Politiker eine weitreichende Reformierung des Finanzwesens versprochen – und doch ist das Finanzsystem zehn Jahre später fast so fragil wie zuvor. Immer noch fließt zu viel  Geld in spekulative Aktivitäten anstatt sinnvolle und nachhaltige Projekte in der Wirtschaft zu finanzieren, immer noch lässt sich der Staat von der  Finanzwirtschaft erpressen und rettet Banken, Bausparkassen und Versicherungen auf Kosten der Steuerzahler und Verbraucher. Es müssen   effektivere Reformen ergriffen werden, will man eine Neuauflage der Krise vermeiden und ein nachhaltiges Finanzsystem schaffen.

Doch wie bewerten die Parteien, die sich bei der Bundestagswahl am 24. September zur Wahl stellen, den Reformbedarf des Finanzsystems? Und   welche Maßnahmen wollen sie ergreifen?

Sieben Organisationen, die sich aus zivilgesellschaftlicher Perspektive seit vielen Jahren kritisch mit dem  Finanzsystem und seinen Folgen beschäftigen, haben sechs Parteien gebeten zu ihren Fragenkatalog Stellung zu nehmen und von allen Antworten   erhalten: CDU, SPD, Die Linke, Bündnis 90/Die Grünen, FDP und AfD.

Allgemein lassen sich folgende Tendenzen feststellen:

• CDU/CSU schätzen die von ihnen unterstützten Gesetze für weitestgehend ausreichend ein. Den Hauptreformbedarf sehen sie in einer erhöhten Proportionalität der Regulierung und fordern daher Ausnahmen für kleine Banken („Small Banking Box“).

• Die SPD scheint grundsätzlich mit den mitgetragenen Reformen zufrieden. Sie will allerdings den gefährlichen Hochfrequenzhandel eindämmen und wirbt offensiv für eine Finanztransaktionssteuer.

• Die Linke spricht sich für eine radikale Veränderung der Finanzmarktarchitektur aus, zum Beispiel für eine Vergesellschaftung der privaten Banken, mit starker Betonung der Rolle von Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Zusätzlich strebt die Partei die Einführung eines „Finanz-TÜV“ an, d.h. es werden nur Finanzprodukte zugelassen, die nachweislich keine negativen Auswirkungen auf Gesellschaft oder Verbraucherrechte haben.

• Bündnis 90/Die Grünen fordern deutlich einfachere, aber härtere Regeln für die Finanzindustrie, damit große Banken weniger Schlupflöcher nutzen können und kleine Banken mit den bürokratischen Anforderungen zurechtkommen. Ein Beispiel ist eine deutlich höhere Eigenkapitalquote, die nicht durch interne Risikomodelle kleingerechnet werden kann, sowie die Offenlegung von Klimarisiken.

• Die FDP setzt tendenziell eher auf die disziplinierende Kraft des Marktes und will daher Aktionäre und Gläubiger konsequenter in die Haftung nehmen, wenn Banken in Schieflage geraten.

• Die AfD äußert sich systemkritisch, bleibt aber in ihrer Analyse sehr pauschal und bietet kaum Lösungsvorschläge.

 

Unsere Fragen und die Antworten der Parteien im original Wortlaut:

(auch als pdf, 27 Seiten, zum herunterladen)

 

1. Finanzwirtschaftliche Macht, „too-big-to-fail“-Problematik und Diversifizierung des Bankensystems

2. Stabiles Finanzsystem, Staatsfinanzierung und Bankenfinanzierung

3. Reform des Europäischen Systems der Finanzaufsicht und der Umzug der Europäischen Bankenaufsicht

4. Komplexität der Bankenregulierung

5.Regulierung des Kapitalmarktes– Hochfrequenzhandel – Finanztransaktionsteuer

6. Privileg der Giralgeldschöpfung von Geschäftsbanken

7. Finanzsystem, Nachhaltigkeit und Umweltschutz

 

   

   

 

Zum vierten Mal traf sich diesen Mai die internationale Gemeinschaft der über Komplementärwährungen Forschenden, diesmal auf Einladung der Universität Oberta de Catalunya in Barcelona (IV International Conference on Social and Complementary Currencies). Während auf der vergangene Konferenz 2015 in Brasilien (wir berichteten darüber auf MONNETA.org) die Gruppe aufgrund der langen Anreise etwas kleiner ausfiel als die Jahre zuvor in Lyon und Den Haag, kamen diesmal wieder fast 400 Wissenschaftler, Praktiker und Interessierte zusammen, um sich über ihre Ideen, Forschungsergebnisse, Projekte und Herausforderungen auszutauschen.

Plenum zu Komplementärwährungen im öffentlichen Sektor

Unter dem diesjährigen Konferenztitel „Geld, Bewusstsein und Werte für den Sozialen Wandel“ (Money, Consciousness and Values for Social Change) gab es über 170 Beiträge, Vorträge und Workshops. Das besondere Anliegen dieser Konferenzserie, Wissenschaftler und Praktiker in direkten Austausch zu bringen, bereicherte auf der einen Seite das Programm. Auf der anderen Seite fiel jedoch die Qualität der Beiträge sehr unterschiedlich aus. Es wurden sowohl akademische Forschungsberichte als auch neue Projektideen vorgestellt und nicht alle schienen nur um den Informationsaustausch bemüht. Mehrfach wurde auch direkt zu engerer Kooperation und Unterstützung für die präsentierten Projekte aufgerufen. Zusammenfassungen der Beiträge, Videos und andere Dokumenationen der Konferenz könne auf dieser Webseite und dem Menüpunkt „IV Conferencia Internacional MSC“ abgerufen werden.

Vernetzung unter Palmen

Die meisten Teilnehmer kamen dabei aus Spanien, nicht nur wegen der offensichtlichen Nähe zum Konferenzort, sondern auch weil die dortige Komplementärwährungszene in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht hat. Die meisten lokalen Initiativen arbeiten nach wie vor an Systemen wie Tauschringen, aber es gab auch einige bahnbrechende Projekte mit Beteiligung des öffentlichen Sektors wie z.B. in Santa Coloma de Gramenet, nördlich von Barcelona. Die Stadt war von 2013 bis 2016 Projektpartner im Digipay4Growth EU Projekt. Mittlerweile vergibt die Stadtverwaltung einen Teil ihrer Subventionen in Form einer eigenen Währung. Diese kann nur nach einer Reihe von lokalen Transaktionen zum vollen Wert wieder in Euros getauscht werden. So erhofft sich die Stadt, Kaufkraft lokal zu halten und unabhängige Kleinunternehmer zu unterstützen.  Zu dem Thema des Einsatzes und der Unterstützung von KWs im öffentlichen Sektor gab es diesmal eine ganzen Morgen mit internationalen Berichten von Stadtvertretern aus Bristol (Bristol Pound, England), Nantes (SoNantes, Frankreich), Lissabon (Pagoemlixo, Portugal) und Santa Coloma (Grama, Spanien), sowie aus weiteren Städten Spaniens, wie Cordoba und Sevilla.

Dieses Jahr war auch eine Gegensatz besonders wahrnehmbar, der sich schon seit mehreren Jahre in der Komplementärwährungsszene ablesen ließ: Auf der einen Seite die bekannten Modelle und Ansätze zu lokalen Währungen und auf der anderen die Faszination und technischen Möglichkeiten der sogenannten Kryptowährungen. Vielen kam dies wie eine quasi-babylonische Sprachverwirrung vor. Denn nicht nur wenn es um die technischen Begriffe und Protokolle geht, denen die neueste Generation von komplementären Währungen zu Grunde liegen, sondern auch was Zielsetzung, Problemstellungen und Lösungsansätze herkömmlicher Modelle angeht, scheine Realität und hoffnungsvolle Werbebotschaften auseinander zu laufen. „To a hammer everything is a nail“ sagte einer der Teilnehmer und lachte. Denn für die viele Advokaten und Jungunternehmer der hochtechnisierten und investionsreichen Kryptowährungs- und FinTech-Szene, sind anscheinend (oder eben scheinbar) alle Probleme, die die Umsetzung oder Verbreitung von Komplementärwährungen in Vergangenheit und Gegenwart hatten oder haben, mit den neuen Datenbanktechnologien und Handyapplikationen lösbar.

Social Currency Markt – Faire Produkte, faires Geld

Immerhin ließ sich aber auf dieser Konferenz und einem anschließenden Hackathon auch eine neue Gattung von Ansätzen erleben: Die Kreuzung von sozial-orientierten und technologie-getriebenen Ideen und Projekten. Ob diesen die Zukunft der komplementären Geldsysteme allgemein gehört, oder doch nur die Sparte in der es, ganz im Sinne der altbekannten neoliberalen Denkweise, um Effizienz und Profit geht, wird sich in den kommenden Jahren zeigen müssen.

Dies war auch die erste Konferenz, die offiziell unter dem Logo der 2015 gegründeten Forschungsvereinigung RAMICS organisiert wurde. Diese junge Institution hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Erforschung von komplementären Geldsystemen und anderen monetären Innovationen zu repräsentieren und ihre akademischen Stellung zu stärken. Die Konferenzen, die die Gründungsmitglieder schon in den Jahren vor dem Bestehen von RAMICS organisierten, sind ein wichtiger Grundpfeiler für dieses Anliegen. Die ersten zwei Jahre der Vereinigung waren vor allem durch administrative und Kommunikationstätigkeiten geprägt. In Barcelona wurde nun auch die erste Mitgliederversammlung abgehalten. Das Direktorium wurde für die nächsten zwei Jahre um August Corrons, der die diesjährige Konferenz federführend organisierst hatte, und Ricardo Orzi aus Buenos Aires erweitert.

Nun richten sich viele Augen erwartungsvoll in den Fernen Osten, denn RAMICS Direktoriumsmitglied Makato Nishibe hat am letzten Tag in Barcelona angekündigt die Organisation der 5. Konferenz zu monetären Vielfalt 2019 in Japan auszurichten. Wieviele und vor allem welche Ideen und Projekte, die dieses Jahr vorgestellt wurden, sind bis dahin wohl schon umgesetzt?

Die Organisatoren der RAMICS Konferenzen, von links: Jerome Blanc, Lyon (2011); Georgina Gomez, Den Haag (2013); Ariadne Scalfoni Rigo, Salvador de Bahia (2015); August Corrons, Barcelona (2017); Makoto Nishibe, Kyoto (2019)

 

 

 

Immer mehr Banken, Ökonomen und Politiker raten seit ein paar Jahren dazu, das Bargeld in Europa abzuschaffen (im Euroraum, aber auch in der Schweiz, Schweden, Norwegen, Dänemark und Großbritannien). Zahlung sollen dann nur mehr durch E-Cash, also Bankomat- oder Kredit­karten und andere elektronische Systeme möglich sein (PayPal, Handy, Chips, Prepaid-Karten…) Worum geht es den Gegnern des Bargeldes? Wollen sie möglicherweise Bankkonkurse, Schwarzarbeit, Geldwäsche und Steuerhinterziehung verhindern, den Überwachungsstaat ausbauen und die Wirtschaft mit negativen Zinsen ankurbeln?

Vorgeschichte

Seit Jahrzehnten wird in Europa versucht, Bargeld zurückzudrängen, elektronisches Geld zu fördern und alle BürgerInnen mit Girokonten, Bankomat- und Kreditkarten auszustatten – bisher jedoch erst mit begrenztem Erfolg. „Nur Bares ist Wahres.“ denken sich die meisten, wollen die Kontrolle über ihre Ausgaben behalten und fürchten die Kontrolle durch Banken und staatlichen Institutionen.
Die Menschen setzen im Gegenteil sogar vermehrt auf Bargeld, holen ihr Geld von der Bank und legen es „unter die Matratze“, weil die Zinsen so niedrig sind und das Vertrauen in die Banken verloren geht. So ist die Bargeldmenge in der EU 2015 um 80 Mrd. auf über eine Billion € gestiegen1. Auch in der Schweiz steigt die Nachfrage nach 1.000 SFR Scheinen enorm2. Bürger, Banken und Pensionsfonds legen ihr Geld in Tresore3. Bereits 28% des gesamten Euro-Bargelds wird in 500 € Scheinen gehalten. Das Horten großer Scheine ist ein Krisenindikator.

Aktuelle Situation

  • Derzeit gibt es schon in 18 EU-Ländern Obergrenzen bei Bargeld-Zahlungen: Griechenland 500 €, Italien, Frankreich und Portugal 1.000 €, Spanien 2.500 €, Belgien 3.000 €, Slowakei 5.000 €, Deutschland derzeit Vorschläge von 2.000 – 5.000 € u.a.m. Höhere Barzahlungen sind steuerlich nicht absetzbar oder sogar strafbar (Strafen bis 250.000 € wie in Belgien).
  • Griechenland ist unter massivem Druck der EU ein Vorreiter beim Bargeldverbot: Neben der Obergrenze, die seit 2011 von 1.500 auf 500 € gesenkt wurde (geplant ist die weitere Senkung auf 70 €), gab es Beschrän­kungen in der Bargeldbehebung (60 € pro Tag und Bürger), Steuer­vorteile für Kreditkartennutzung im Handel und eine Meldepflicht für Bargeld und Schmuck4.
  • Italien hat die Obergrenze 2011 auf 1.000 € festgelegt, aufgrund von Protesten aber nun auf 3.000 € erhöht. Die Strafe beträgt weiterhin mindestens 3.000 € und bis zu 40% der Summe!
  • Dänemark hat die Bargeldannahmepflicht aufgelockert: Einzelhändler, Tankstellen und Restau­rants können sich nun weigern, Bargeld anzunehmen5. Dies soll künftig auf Supermärkte und die gesamte Wirtschaft ausgeweitet werden. Die Zentralbank hat angekündigt, ab Ende 2016 „mangels Nachfrage“ keine neuen Banknoten mehr zu drucken6. Und: Bei Barzahlungen ab ca. 1.344 € kann der Verbraucher belangt werden, wenn der Händler den Betrag nicht versteuert!
  • In Finnland, Estland, Schweden und Irland können Händler die Bargeldannahme verweigern.
  • In Holland zahlen Banken Bargeld nur noch auf Bestellung und mit Wartezeit aus.
  • Schweden hat keine gesetzlich vorgeschriebene Höchstgrenze, schränkt aber die Nutzung von Bargeld erheblich ein – meist mit dem Argument, dies sei zur „Kriminalitätsbekämpfung“ nötig, und beabsichtigt das Bargeld in den nächsten Jahren gänzlich abzuschaffen. Wer in Schweden bar zahlen möchte, muss damit rechnen wie ein Krimineller angesehen zu werden.
  • Demnächst soll der 500,- € Schein von der EZB gänzlich abgeschafft werden7.
  • Die EU arbeitet angeblich an konkreten Plänen, das Bargeld 2018 völlig abzuschaffen8.

Höchstgrenzen für Bargeldzahlungen in der EU

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Quelle: www.evz.de Hinweis: Die dort angegeben Höchstgrenzen sind nicht für alle Länder aktuell (z.B. Griechenland).

Die offiziellen Argumente

Terrorbekämpfung und Verhinderung von Geldwäsche: Terroristen, Drogendealer und andere Kriminelle haben schon längst Wege gefunden, ihrem Geschäft unbeschadet nachzugehen. Und das würden sie auch in Zukunft und ganz ohne Bargeld tun9. Illegale Zahlungen und Geldwäsche erfolgen nicht nur mit Bargeld, sondern über Scheinfirmen, dem arabischen Hawala-System oder sog. Kryptowährungen wie Bitcoin.

„Große Summen werden in der organisierten Kriminalität bargeldlos mittels Scheinfirmen hin und her transportiert, sodass diese das Bargeld gar nicht mehr brauchen.“
Prof. Friedrich Schneider, JKU Linz, Experte für Schattenwirtschaft

Verringerung der Kriminalität: In Schweden versuchen Polizei, Banken, Handel und VIPs (wie der ABBA-Star Björn Ulvaeus10) in der Aktion „Bargeldfrei jetzt!“ der Bevölkerung einzureden, dass es die Abschaffung des Bargeldes die Kriminalität deutlich reduziert (keine Raub­überfälle). Bargeld sei das „Blut in den Adern Krimineller“11. Das Betrugsrisiko ist aber bei elektronischem Geld viel höher (gehackte Passwörter, Phishing, Trojaner…). Ich habe noch nie einen Raubüber­fall erlebt, aber bereits mehrmals den Betrug mit Bankomat- oder Kreditkarten v.a. im Internet. Schon mit Name, IBAN, Zahlschein und eingescannter Unterschrift lassen sich unbemerkt viele kleine Beträge abbuchen oder das ganze Konto leerräumen – so viel Bargeld tragen die meisten sicher nicht mit sich herum. Terror, Geldwäsche und Kriminalität lassen sich nicht durch die „Scheinlösung“ der Bargeldabschaffung bekämpfen.
Bargeld sei unpraktisch und teuer: Dem würden wohl die meisten Menschen widersprechen – im Gegenteil: Bargeld ist sehr praktisch, man bleibt anonym und behält den Überblick. Richtig ist, dass durch die Reduktion von Personal-, Druck-, Sach- und Transport­kosten in der EU vor allem für die Banken Einsparungen über 1 Mrd.€ pro Jahr möglich sind.12

Bargeld sei unhygienisch: Bargeld trage zur Übertragung von Krankheiten bei. Aber wer küsst schon seine Geldscheine und Münzen?
Bargeld spiele keine große Rolle mehr: Man argumentiert, dass über 90% der Zahlungen bereits heute elektronisch erfolgen. Es stimmt, dass in der Wirt­schaft und auf den Finanz­märkten heute schon fast alle Transaktionen elektronisch erfolgen. Die Konsumenten nutzen aber vorwiegend Bargeld zum Einkauf – vor allem in Deutschland und Österreich (im Handel 79% der Transaktionen und 53% der Umsätze13)! In den USA wird Bargeld tatsächlich nur wenig genutzt, sondern vor allem Kreditkarten. In der Folge gibt es in den USA das Problem hoher Kreditkartenschulden, weil Menschen den Überblick verlieren und am Ende des Monats ihre Kreditkartenschulden nicht bezahlen können.
Verhinderung von Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung: Durch die Schulden­berge und die stagnierende Wirtschaft haben die meisten Staaten große finanzielle Probleme. Diese versuchen sie durch zusätzliche Steuereinnahmen zu lösen, indem sie Transaktionen digital erfassen (z.B. durch Registrierkassen). Allerdings bleiben die großen Steuersünder und die Gesetze unangetastet, die den Konzernen und Superreichen z.B. durch Gruppenbesteuerung bzw. Stiftungen Steuerfreiheiten erlauben. Steuerreformen und Maßnahmen gehen meistens zu Lasten der Kleinen, während die Großen sich im Bezug auf die sog. „Steueroptimierung“ beraten lassen. Diese legale Steuervermeidung hat dazu geführt, dass internationale Konzerne wie Amazon, Apple und IKEA viel weniger Steuern zahlen als klein- und mittelständische Betriebe. Die Lobbyarbeit der „Großen“ scheint sich also auszuzahlen. Ferner gibt es keine Millionen vollzeitbeschäftigter Schwarzarbeiter. Für ein Gros der Schwarz­­­arbeit sind meist Großunternehmen verantwortlich, die durch Subunternehmen Menschen auf Werkvertrags­basis ausbeuten.

Hintergründe und Risiken

Verhindern von Bank Runs und Bankkonkursen

Von einem „Bank Run“ spricht man, wenn die Sparer bei einem Crash das Vertrauen in eine Bank verlieren und ihre Ersparnisse abheben (siehe z.B. Zypern oder Northern Rock in England). Die Banken haben aber nur ein paar Prozent der Einlagen ihrer Kunden in Bar bzw. als Eigen­kapital. Daher würde jede Geschäftsbank bankrott (Ital. „banca rotta“) gehen und das Banken- und Geldsystem kollabieren, wenn nur ein paar Prozent der Bürger ihr Geld abheben würden. Die BürgerInnen würden nur Bruchteile ihrer Ersparnisse bekommen, denn Buchgeld auf Konten oder Spar­büchern ist nicht ihr eigenes Geld (staatliches Zahlungs­mittel), sondern entspricht nur Forderungen gegenüber den Banken auf Geld, das niemand garantieren kann – sicher nicht die Banken selbst. Die staatliche „Einlagensicherung“ ist 2015 nicht wie geplant ganz gefallen, aber seit Jänner 2016 auf 100.000 € pro Konto reduziert worden. Dass die bestehenden Notfallfonds und der Staat bei einem Banken-Crash oder Bank Run überfordert ist, zeigte unlängst Bulgarien im August 2014 sowie Italien im Sommer 2016.
Möglich ist das, weil Banken jeden Geldschein gegen Zinsen bis zu 100 Mal verleihen dürfen. Geschäftsleute, die Waren verkaufen, die sie nicht besitzen, würden hinter Schloss und Riegel wandern. Banken verdienen durch dieses Schöpfen von Buchgeld, der Staat durch die Ausgabe von Bargeld (sog. Seigniorage). Denn die Geschäftsbanken müssen sich Bargeld von der Nationalbank leihen, dafür Sichteinlagen (z.B. Wertpapiere) hinterlegen und Zinsen bezahlen. Je mehr Bargeld im Umlauf ist, umso teurer kommt dies die Banken bzw. umso mehr reduziert dies ihr verfügbares Kapital. Ohne Bargeld entfallen diese Kosten und erhöht sich das verfügbare Kapital der Privatbanken.
Die Abschaffung des Bargeldes würde die Konkursgefahr für Banken eliminieren, weil niemand mehr Geld abheben könnte. Ohne Bargeld können wir BürgerInnen den Banken nicht mehr unser Vertrauen entziehen – ein unbegrenzter Freibrief für das Bank- und Finanzsystem. Das Verhindern des Systemcrashs ist prinzipiell im Interesse von uns allen. Die Frage ist, wer dafür bezahlt – die bisherigen Nutznießer des Systems (Multimillionäre, die den Großteil aller Vermögen haben) oder die große Mehrheit der Bevölkerung. Ferner gäbe es auch andere Möglichkeiten, das Problem zu lösen, von Schuldenschnitten bis hin zu Systemreformen (wie die Geldschöpfung in staatliche Hand – siehe unterhalb) – ohne das Bargeld abzuschaffen und unsere Freiheit einzuschränken.

Aufbau eines Überwachungsstaates

Ohne Bargeld gibt es fast keine Chance mehr, zu leben ohne auf Schritt und Tritt überwachbare digitale Spuren zu hinterlassen. Jede Bewegung, jeder Urlaub, jeder Einkauf sind nachvollziehbar. Da wird es einerseits schwer, der Ehefrau jede Ausgabe auf dem Kontoauszug zu erklären. Andererseits warnen Experten vor einem Überwachungsstaat im Dienst der Finanzindustrie, ein „Zeitalter des ökonomischen Totalitarismus“. Wer garantiert nach dem NSA-Skandal den Daten­­schutz? Dank dem SWIFT-Abkommen darf die USA seit 2010 auf alle EU-Bankdaten zugreifen. Somit weiß auch die NSA sofort, was Sie wann und wo einkaufen. (Dieses Abkommen wurde übrigens ebenfalls im Namen der Terrorbekämpfung verabschiedet.) Die Registrierkassenpflicht in Österreich ist bereits ein Schritt in die Richtung der Kontrolle aller Zahlungen. Auch die Begehr­lichkeiten der Konzerne sind groß, bieten sich doch (alp-)traumhafte Marketingmöglichkeiten.
Aus dem rein elektronischen Zahlungsverkehr ergeben sich auch unheimliche Steuerungs- und Kontrollmöglichkeiten: Man bräuchte keine Gefängnisse, um Kritiker mundtot zu machen. Man könnte unbequeme BürgerInnen einfach aus der Gesellschaft ausschließen, indem man ihr Konto sperrt. Man könnte per Knopfdruck Alkoholikern das Bezahlen von Alkohol verunmögli­chen, Sozialhilfe­empfängern vorgeben, was sie kaufen dürfen, Ressourcen und Lebens­mittel ratio­nieren, Enteig­nungen im großen Stil durchführen und vieles mehr. Es wird zwar beteuert, dass wir ein Rechtsstaat seien und so etwas nie passieren würde. Aber wer garantiert uns, dass das so bleibt? Die Skandale der letzten Jahre haben gezeigt: Alles, was machbar ist, wird auch getan, vor allem wenn die Angst und „die Gier nach Geld den Mächtigen die Hirne zerfrisst“ (Heiner Geißler). Man bräuchte nur einen Sozialhilfe-Missbrauchsskandal hochkochen, schon wären die ersten Schritte möglich14.
„Ein vollelektronisches Geldsystem – völlig transparent, ohne jeglichen Schutz der Privatsphäre bei Transaktionen und mit dem ständigen Risiko einer Enteignung durch den Staat – bedeutet, dass Geld kein privates Eigentum mehr sein wird. Der Weg in die Hölle ist mit guten Absichten gepflastert.“ so Andreas Höfert, Chef-Ökonom der UBS, Die Weltwoche 27/2014.15
Wenn man dieses Szenario weiterdenkt, sind auch implantierte Chips vorstellbar. Dann könnten nur noch gechipte Menschen kaufen und verkaufen. So versucht man, Jugendliche in Diskos für implantierte Chips zu begeistern. Es sei „cool“ mit einem Schlenker des Handgelenks zu bezahlen. Spannend ist, dass schon in der Bibel etwas Ähnliches prophezeit wird16:
„Und es macht, dass die Kleinen und die Großen, die Reichen und die Armen, die Freien und die Knechte allesamt sich ein Malzeichen geben an ihre rechte Hand oder an ihre Stirn, dass niemand kaufen oder verkaufen kann, er habe denn das Malzeichen, nämlich den Namen des Tiers oder die Zahl seines Namens. Hier ist Weisheit! Wer Verstand hat, der überlege die Zahl des Tiers; denn es ist eines Menschen Zahl, und seine Zahl ist […] 666.“ Offenbarung des Johannes (13,16)

Einführung von negativen Zinssätzen

Die Zentralbanken wollen negative Zinsen einführen (man würde am Konto oder Sparbuch also Geld verlieren), um die Menschen zum Konsum zu zwingen 17 und Wirtschaftswachstun und Ressourcenvergeudung anzukurbeln. Normal würden negative Zinsen auf Spar­einlagen zu Kapital­flucht führen: Die Sparer würden ihr Geld abheben. Was die Banken davon abhält, die negativen Leit­zinsen der Zentralbanken zu umgehen und nur noch Bargeld zu halten, sind die Aufbewahrungs­kosten in den Tresoren. Die Tresorkosten schaffen eine Obergrenze für den Strafzins. Durch Abschaffung der 500 € Scheine (28% des gesamten Euro-Bargelds) könnte die EZB den Strafzins von 0,3 auf 0,75% erhöhen18.

Mögliche schrittweise Umsetzung der Bargeldabschaffung

  • sukzessive Absenkung der zulässigen Höchstgrenzen von Bargeld-Zahlungen
  • sukzessive Abschaffung der Banknoten (500, 200, 100, 50, 20, 10, 5 €…)
  • sukzessive Aufhebung der Bargeldannahmepflicht (Dänemark)
  • sukzessive Abhebungsbeschränkungen vom Konto (Griechenland, Holland)
  • sukzessive Erhebung von Steuern und Gebühren für die Bargeldnutzung (z.B. bei Abhebungen/Einzahlungen oder Zahlungen laut Buchhaltung)
    • steuerliche oder Transaktionskosten-Vorteile bei elektronischer Zahlung (Griechenland)
  • Übertragung des Status des gesetzlichen Zahlungsmittels von Bargeld auf Buchgeld

Ein wahrscheinliches Szenario

Da ein Bargeldverbot derzeit in der Bevölkerung aufgrund der großen Widerstände unmöglich durchsetzbar ist, versucht man uns langsam an den Gedanken zu gewöhnen, dass es keinen anderen Ausweg gäbe. Durch die astronomischen Geldsummen, die in unser Finanzsystem gepumpt wurden, wurden an den Börsen wieder riesige Blasen aufgebaut. Die Kurse sind seit 2009 wieder um das 3-fache gestiegen! Wenn die Medien das Steigen der Börsenkurse feiern, sollte dem Fachkundigen ein leises Schaudern über den Rücken laufen oder das blanke Entsetzen kommen. Die Finanzwirtschaft ist mittlerweile auf etwa die 10-fache Größe der Realwirtschaft angewachsen. Ursprünglich sollten Finanzdienstleister der realen Wirtschaft dienen. Nun steht allein schon das Handelsvolumen der Derivate mit ca. 700 $ Billionen (BIZ 2014) einem Welt­brutto­sozialprodukt von ca. 70 $ Billionen gegenüber. Das verschiebt nicht nur die Macht­verhältnisse. Bei der derzeitigen Entwicklung ist in absehbarer Zeit wieder mit einem Börsen-Crash von historischem Ausmaß zu rechnen, der den von 2008 voraussichtlich übertreffen wird.
Nach diesem Crash wird man vermutlich die meisten Banken aus Angst vor Bank Runs und Banken-Pleiten für einige Tage schließen (sog. Bankenfeiertage). Im Gegensatz zu 2008 werden diesmal keine Staaten mehr einspringen und Schulden in Billionenhöhe machen können, um die Banken zu retten. Man wird den Menschen klar machen, dass sie den Großteil ihrer Spargut­haben verlieren werden, außer… Ja, außer man schafft das Bargeld ab. Die Bargeldabschaffung wird als „Rettung der sauer verdienten Ersparnisse“ begrüßt und bejubelt werden. Und die Menschen werden es widerwillig schlucken, aus Angst. So wie wir aus Angst fast alles mit uns geschehen lassen. Man wird die Banken wieder öffnen, ganz normal Bargeld einzahlen, Zahlungen durchführen, Kredite aufnehmen können etc. – nur kein Bargeld mehr abheben.
Zuletzt muss die EU nur noch das Bargeld aus dem Verkehr ziehen und elektronisches Buchgeld zum gesetzlichen Zahlungsmittel erklären. Die Banken, die Staaten und auch die Konzerne werden profitieren. Die kleinen Einzelhändler ohne Bankomat- und Kreditkartenterminal werden leider Pleite gegangen sein. Und die angeblich geretteten BürgerInnen werden ohne Bargeld erst zu spät merken, was sie verloren haben: Einen Großteil ihrer Freiheit.

Mögliche Auswirkungen eines Bargeldverbots

  • Aufschwung digitaler Kryptowährungen wie Bitcoin. Diese sind durch dezentrale Netzwerke und kryptographische Verschlüsselung fast unangreifbar. Laut Wikipedia gibt es derzeit bereits über 3.000 Kryptowährungen, aber nur 100 mit größeren Umsätzen19.
  • Aufschwung von Komplementärwährungen (Tauschkreise, Regiogelder): In vielen Krisenländern wie Griechenland und Spanien boomen Tauschsysteme und sind für viele Menschen bereits überlebensnotwendig, weil das Geld fehlt. Diese Systeme bieten den Teilnehmern die Möglich­keit selbst Geld zu schöpfen – Geld entsteht beim Tausch ohne eine Bank oder einen Kredit. Die Systeme haben oft auch eigene Geld-, Zeit- oder sonstige Gutscheine, die anonymes Zahlen oder Tauschen untereinander ermöglichen. So funktionierte über 80% der Wirtschaft in Argentinien in der Krise 2001-2002 mit sog. Créditos.
  • In vielen Ländern (z.B. Italien) wechselt man auch vermehrt zum direktem Warenaustausch: Der leere LKW transportiert am Rückweg Wein, Kühlschränke, Autoreifen oder andere Waren – ganz ohne Geld und meist an der Steuer vorbei. In diesen Ländern haben viele damit auch kein schlechtes Gewissen, da der Staat als Feind, als Räuberhöhle angesehen wird. Wie sagte schon Augustinus um ca. 400 nach Christus: „Staaten ohne Gerechtigkeit sind nichts anderes als große Räuberhöhlen.“
  • Der Markt für elektronische Bezahlsysteme ist heiß umkämpft. Alleine im Bereich von Handy­zahlungen gibt es bei uns derzeit knapp 50 Startup-Unternehmen, die versuchen den Markt zu erobern und größere Banken als Partner zu gewinnen. Weite Verbreitung findet das Handy als Zahlungsmedium derzeit noch nicht – das könnte sich mit der Bargeldabschaffung ändern.
  • Wertanlagen wie Edelmetalle, Immobilien etc. könnten boomen und die Preise explodieren.

Was wir gegen das Bargeldverbot tun können

  • Informationen und Reformen: Informieren Sie sich selbst und andere über unser Finanzsystem (www.monneta.org)und fordern Sie radikale Reformen, z.B. die Vollgeldreform bzw. Geldschöpfung in öffent­liche Hand, also die Über­tragung des Rechts der Buchgeldschöpfung von Privat­­banken zum Staat (www.monetative.de, www.vollgeld-initiative.ch). Dann könnte man die Gesellschaft durch Geldschöpfung statt durch Schulden (Kredite, Staats­anleihen, Aktien…) finanzieren und das „Spielkasino“ schließen, also Spekulation unter­binden. Entscheidend ist dabei die Neuregelung der Bilanzierung und der Kriterien für die Kreditvergabe wie es die Gemeinwohl-Ökonomie und -bank vorsieht (www.ecogood.org, www.mitgruenden.at).
  • Komplemetärwährungen nutzen, fördern oder selbst initiieren: Es gibt bereits in jedem Land zahlreiche Tauschkreise, Zeitbanken und Regionalwährungen, die Sie einfach nutzen können. Alternativwährungen schaffen ihr eigenes Geld, soziale Netzwerke, zusätzliches Einkommen und persönliche Handlungsspielräume. Falls es bei Ihnen kein regionales System gibt, können Sie über die bestehenden Systeme meist eine eigene regionale Gruppe gründen. In Ober­österreich, Salzburg und Bayern gibt es z.B. WIR GEMEINSAM (www.wirgemeinsam.net) mit 2.000 Mitgliedern in 25 Regionen. Eine Liste der größeren Tauschsysteme im deutschspra­chigen Raum finden Sie bei ZART (Zusammen­arbeit regionaler Tauschsysteme www.zart.org).
  • Wer sein eigenes, völlig selbst-kontrolliertes Währungssystem aufbauen will, findet dazu auch Open Source Software: Am weitesten verbreitetet ist Cyclos (siehe www.cyclos.org), das es bei ZART auch in Deutsch inkl. Server, Wartung, System-übergreifender Abrechnung (sog. Clearing) und gemeinsamem Marktplatz gibt. Tauschen-ohne-Geld bietet kostenlose Tausch­systeme auf einer Online-Plattform an (www.tauschen-ohne-geld.de). Der Andrang war so groß, dass sich in kurzer Zeit 70 Tauschringe gegründet haben und die Plattform zurzeit mangels Kapazitäten Neuanmeldungen gestoppt hat.

    „Wie kann ich mich gegen das Bargeld-Verbot schützen? […] Es bieten sich Regionalwährungen wie der Chiemgauer oder Verrechnungsgutscheine zum Tausch von Leistungen an (also Rasen­mähen gegen Klavier­unterricht). Wichtig ist auch der Aufbau von Sozialkapital, so dass man in Krisenzeiten auf ein Netzwerk qua Familie, Freundeskreis und Nachbarschaft bauen kann.“ Gerald Mann, Prof. für Volkswirtschaftslehre München20

Fazit

Wenn die Reichen immer noch reicher werden und die Kapitalrenditen weiterhin systematisch durchgesetzt werden, die Wirtschaft aber kaum mehr wächst, geht dies nur auf Kosten der breiten Masse und der Arbeitseinkommen, also durch Umverteilung von unten nach oben oder genauer von den Fleißigen zu den Vermögenden. Es geht nicht darum, am Bargeld oder unserem überholten Finanzsystem festzuhalten, sondern dessen Prinzipien und Spielregeln in Frage zu stellen und neu festzulegen. Wer kontrolliert dieses System und wem dient es? Geld braucht nur Information zu sein, um den Ausgleich von Geben und Nehmen herzustellen und die Zugriffsrechte auf Ressourcen und Produktion gerecht zu regeln. Die Entwicklung geht jedoch in Richtung von noch mehr Unfreiheit, Ungerechtigkeit, Ungleich­heit, Machtkonzen­tration, Gier und „Wachsdumm“. „Heute stehen wir vor dem Abgrund, morgen sind wir einen entscheidenden Schritt weiter.“ Es liegt an uns die Richtung mitzubestimmen. Wir brauchen ein Finanzsystem, das allen Menschen dient und nicht eines, das die Vermögenden bevorteilt.

„Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren.“ Benjamin Franklin

Dieser Artikel wurde erstmals am 9.3.2016 auf der Seite www.wirgemeinsam.net veröffentlicht.

Buchtipp

Norbert Häring: Die Abschaffung des Bargeldes und die Folgen – Der Weg in die totale Kontrolle (Bastei Lübbe 2016)

Autor:

Dipl.-Ing. Tobias Plettenbacher, Programmierer, Experte für komplementäre Wäh­rungen, Autor des Buchs „Neues Geld – Neue Welt“, Mitglied der Initiative NeuesGELD.com, Initiator der Zeit­bank WIR GEMEINSAM, eMail: plettenbacher@wirgemeinsam.net, Tel.: +43 (0)664/ 543 49 39, Vortragsübersicht

 

Fußnoten:

  1. www.ecb.europa.eu/stats/money/euro/circulation/html/index.en.html#
  2. www.deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/02/23/flucht-ins-bargeld-schweizer-horten-1-000-franken-scheine
  3. www.deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/02/05/wenig-vertrauen-in-banken-schweizer-setzen-auf-bargeld-2
  4. www.deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/12/01/eu-fuehrt-erstmals-meldepflicht-fuer-bargeld-und-schmuck-ein
  5. www.deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/05/11/tankstellen-und-restaurants-nicht-mehr-zur-annahme-von-bargeld-verpflichtet und www.heise.de/forum/p-5505952
  6. www.faz.net/aktuell/finanzen/meine-finanzen/geld-ausgeben/daenemark-zentralbank-willl-notendruck-stoppen-13582761.html
  7. www.deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/02/05/ezb-bereitet-abschaffung-des-500-euro-scheins-vor
  8. www.mmnews.de/index.php/politik/41036-eu-bargeld-verbot-ab-2018#14569399711072
  9. www.wirtschaftsblatt.at/home/meinung/kommentare/4749356/Europa-wird-schrittweise-bargeldlos-
  10. www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/money-money-money-abba-star-fuer-abschaffung-des-bargelds-12736131.html
  11. www.youtube.com/watch?v=Ilc9Q3obcmo (3SAT Bargeldlos – Der große Coup der ganz großen Kriminalität)
  12. www.wirtschaftsblatt.at/home/meinung/kommentare/4749356/Europa-wird-schrittweise-bargeldlos-
  13. www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Pressemitteilungen/BBK/2015/2015_03_19_studie.html
  14. www.handelsblatt.com/finanzen/vorsorge/altersvorsorge-sparen/buchrezension-bargeldverbot-bargeld-gegen-den-ueberwachungsstaat/11873806.html
  15. www.welt.de/politik/deutschland/article152000241/Geld-wird-kein-privates-Eigentum-mehr-sein.html
  16. www.egon-w-kreutzer.de/002/PaD142015.html
  17. www.deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/09/01/schleichende-abschaffung-wer-bargeld-will-soll-dafuer-eine-gebuehr-zahlen
  18. www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/hans-werner-sinn-wie-sich-der-einzug-des-500-euro-scheins-rechnet-14054372.html
  19. https://de.wikipedia.org/wiki/Kryptowährung
  20. www.deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/06/03/ende-des-bargelds-umerziehung-des-deutschen-sparers-zum-konsum-trottel

Zu Recht wird vielerorts lamentiert, dass heterodoxen Gedanken und Forschung zum Thema Geld nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt wird. In dieser Hinsicht, war die Konferenz in Lyon (Frankreich) vom 1. bis 3. Juni 2016 ein Lichtblick.

Mehr als 60 Wissenschaftler aus der ganzen Welt kamen zusammen um Rück-und Vorschau zu halten über diese Tradition von Ideen und Forschungsprogrammen, die in Frankreich seit den 1970er Jahr einen besonderen Rückhalt hat.

In einer Zusammenkunft von verschiedenen historischen und aktuellen Strömungen bildete sich damals eine Schule von Theorien und Theoretikern heraus, die nun rückblickend als Französischer Monetärer Institutionalismus bezeichnet wird. Dabei wird Geld nicht als neutrales Tauschmittel angesehen, dessen Attribute rein effizienz-technisch oder historisch gegeben sind. Vielmehr wird es als Institution betrachtet, die unsere Interaktionen und natürlich auch Transaktionen maßgeblich prägt. Soweit würde natürlich auch niemand aus der traditionellen Wirtschaftswissenschaft widersprechen. Was jedoch bei einer institutionellen Sichtweise besonders hervortritt, ist wie sehr Geld nicht nur auf soziale Prozesse wirkt, sondern selber auch ein Produkt sozialer Prozesse ist. Eine reduktionistische, wertneutrale Betrachtung des Geldes ist dann nicht mehr möglich. Weder in Hinsicht auf die Verfassung des Geldes noch in Bezug auf die Interessen die es abbildet. Geht eine neoliberale Interpretation immer erst von dem Individuum und seinen Interessen aus, „kann man als Institutionalist nicht über das Individuum reden ohne gleichzeitig auch das Kollektive mitzudenken“, so Jean Cartelier in seinem Vortrag. Denn, so ergänzte Michel Aglietta, „individuelle Werte sind missverstanden, wenn sie nicht auch als kollektive Werte verstanden werden“ und „Geld wird damit zum strategischen Verbindungsglied unserer gesellschaftlichen Beziehungen.“

Und diese Funktion kann Geld nicht nur ausüben, wenn es staatlich legitimiert ist, wie so oft angenommen wird, sondern eben auch in privater Initiative. Beispiele dafür sind nicht nur die vielen gegenwärtig genutzten Komplementärwährungen, sondern wie Ökonom und Historiker Lucien Gillard zeigte, auch in Beispielen die historisch Bedeutung hatten, sogar im internationalen Hande, wie z.B. die kaufmännischen Ausgleichskassen der Renaissance. Und dies mit einer Verbreitung und realwirtschaftlicher Relevanz, die den heutigen Hype um bitcoins marginal erscheinen lässt.

Fragen nach dem „wie“ und „wieso“ und „warum nicht anders“ in Bezug auf Geld, wie wir es kennen, werden greifbarer und eine Pluralität von verschiedenen Geldern ist dann nicht nur ein Effizienzproblem, sondern ein Ausdruck verschiedener parallel berechtigter Werte oder Wertevorstellungen. Daher ist diese Schule an Geldtheoretikern auch viel aufgeschlossener gegenüber den Ideen und Praktiken komplementärer Währungen, die für andere Wissenschaftler oftmals nur eine Randerscheinung sind, die für Theoriediskussionen irrelevant erscheinen.

Über die Jahrzehnte hat sich Lyon als Hauptsitz dieser französischsprachigen Gruppe von Denkern etabliert, die, so bezeichnete es Jean-Michel Servet in seinem Rückblick, andernorts als die „Lyoneser Heretiker“ beschrieben wurden. So war der Veranstaltungsort am Institute für Politikwissenschaften mehr als passend.

Und ebenso waren die Vortragenden eine gute Repräsentanz des französischsprachigen Feldes heterodoxer Geldtheoretiker. Neben André Orleans und Michel Aglietta, die mit ihren Arbeiten massgeblich zur internationalen Anerkennung und zum Selbstverständnis des monetäre Institutionalismus beigetragen haben, stellten die Plenarsitzungen mit Jean Cartelier, Jean-Michel Servet, Massimo Amato und Bruno Theret eine seltene hochkarätige und multi-disziplinäre Umschau auf dies eine Thema dar. Es ging dabei aber nicht nur um das Selbstverständnis und eine interdisziplinäre Renaissance der Geldtheorien, sondern auch um die Schwierigkeit, ihnen in einer Atmosphäre von Tabuisierung und immer weiter fortschreitender Eingleisigkeit moderner Wirtschaftswissenschaften Gehör zu verschaffen. In thematischen Workshop Sitzungen, in denen die einzelnen wissenschaftlichen Arbeiten vorgetragen wurden, ging es unter anderem um die Zusammenhänge und Perspektiven des Geldthemas mit Politik, Philosophie, Soziologie und Anthropologie, sowie die Rolle von Zentralbanken und internationalen Geldinstitutionen, historischen Perspektiven und aktuelle Fallstudien – wie dem Programm der Konferenz zu entnehmen ist.

Unter den Themen dieser Sitzungen fanden sich auch solche zum Thema Komplementärwährungen, betrachtet aus historischer, theoretischer, praktischer und aktueller Sicht. Der Anerkennung dieses Themas unter den Teilnehmern war es auch zu verdanken, dass im Rahmen dieser Konferenz die erste öffentliche Sitzung der neugegründeten internationalen Forschungsgesellschaft für Währungsvielfalt: RAMICS (Research Association on Monetary Innovation and Community and Complementary Currency Systems) stattfand. Über deren neuen Webpräsenz können sich nun sowohl individuelle als auch institutionelle Mitglieder anmelden. Die nächste von RAMICS organisierte Konferenz wird vom 10. bis zum 14. Mai 2017 in Barcelona stattfinden.

Ein Überblick des Französischen Monetären Institutionalismus findet sich in einem neuen Buch, das ebenfalls während der Konferenz der Öffentlichkeit vorgestellt wurde: „Théories Francaise de la Monnaie“ , von Pierre Alary, Jerome Blanc, Ludovic Desmedt und Bruno Theret.

theorie-francasieDas ein Buch über diese Theorien aus dem französischen Sprachraum aber nur auf französisch erscheint, schien im Rahmen der Konferenz fast wie ein rekursiver und schmerzlicher Scherz. Zwar waren während aller Plenarsitzung Simultanübersetzungen zwischen Französisch und Englisch angeboten, und dank der internationalen Gäste gab es teilweise auch Sitzungen auf Spanisch und Portugiesisch, aber die Beschränkung der wissenschaftlichen Publikationen auf die französische Sprache war nicht nur in den Kaffeepausen ein Thema. Eine ganze Sitzungsrunde beschäftigte sich unter dem passenden Title „Lost in Translation“ damit. Dazu passte leider auch, dass sich von den vielen internationalen Ehrengästen des wissenschaftlichen Komitees schließlich nur wenige unter den Anwesenden befanden und keiner aus dem englischsprachigen Ausland.

Immerhin ein Grundtext dieser Schule ist seit 2014 wenigstens in englischer Sprache erhältlich: André Orleans „The Empire of Value“ bietet einen Einstieg, der in Zukunft hoffentlich nicht an Sprach- und Denkgrenzen enden muss.

Mehr Informationen zur Konferenz, mit Downloads aller vorgestellten Arbeiten finden sich auf der offiziellen Webseite: https://imf2016.sciencesconf.org

Unser Autor Leander Bindewald schreibt seine theoretische Doktorarbeit zum Thema Geld und Komplementärwährungen als diskursive Institutionen am „Institute for Leadership and Sustainability“ der Universität Cumbria in Nordengland.

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