Im Volksmund heißt es zum Reichwerden: Die erste Million ist die Schwerste. Wer dieser Volksweisheit auf den Grund gehen will, sollte sich genau anschauen, was ein Investor mit 1 Million Euro anfangen kann. Er kann sein Geld so „anlegen“, wie es die meisten Banken, Fondsverwalter und Finanzberater raten: Als Belohnung winken Zinsen und diese fließen umso stärker, je größer ein Vermögen ist. Die großen Investmentgesellschaften wie Rentenversicherer bekommen bessere Konditionen als ein einzelner Sparer.

Anlagevermögen Jahreseinkommen (in Euro) bei einem Zinssatz von
1% 3% 5% 7% 10%
1000 Euro 10 30 50 70 100
100.000 Euro 1.000 3.000 5.000 7.000 10.000
1.000.000 Euro 10.000 30.000 50.000 70.000 100.000

 

Bei einem Zinssatz von 5% bekommt ein Millionär für das Verleihen seiner Million 50.000 Euro pro Jahr. Das sind mehr als 4000 Euro pro Monat – damit kann man selbst in teuren Städten wie Paris oder München gut leben. Werden die Zinsen allerdings nicht verkonsumiert, sondern dem Vermögen wieder zugeschlagen, setzt die mächtige Zinseszins-Dynamik ein. Denn statt 50.000 Euro Zinsen wie im ersten Jahr bekommt ein Millionär bereits 52.500 Euro im zweiten und über 55.000 Euro im dritten Jahr. Nicht nur sein Vermögen wächst, auch das aus diesem Vermögen gezogene Kapitaleinkommen tut es.

Die folgende Tabelle zeigt, dass binnen 10 Jahren aus 1 Million Euro bei 5% Verzinsung schon 1,6 Millionen Euro werden – ohne dass der Geldbesitzer dafür arbeiten müsste:

Jahr Vermögen Zinseinkommen bei 5% Zins-Zuwachs gegenüber Vorjahr (Zinseszins)
1 1.000.000 50.000 0
2 1.050.000,00 52.500,00 2.500,00
3 1.102.500,00 55.125,00 2.625,00
4 1.157.625,00 57.881,25 2.756,25
5 1.215.506,25 60.775,31 2.894,06
10 1.628.894,63 81.444,73 3.878,32
20 2.653.297,71 132.664,89 6.317,38
50 11.467.399,79 573.369,99 27.303,33
100 131.501.257,85 6.575.062,89 313.098,23

 

Bei 5% Zinsen ver-11-facht sich das ursprünglich angelegte Vermögen in 50 Jahren, nach 100 Jahren sind sogar 131 Millionen Euro daraus geworden.

Kein Wunder also, dass es heißt, die erste Million sei die Schwerste – denn die zweite Million kommt quasi „von allein“. Wer sein Vermögen zinsbringend anlegen kann, bekommt bei positiven Zinssätzen einen ständigen Zufluss, der sein Vermögen weiter steigert. Je höher die Beträge sind, umso schneller wachsen sie durch das exponentielle Wachstum.

Woher kommen die Zinsen?

Natürlich steigern Zinsen auch kleine Vermögen. Deshalb freuen sich viele Menschen selbst über kleine Zinserhöhungen, weil es auch für sie bedeutet: Geldzufluss ohne Arbeit. Doch weder die Zinsen auf „großes Geld“ noch die Zinsen auf „kleines Geld“ kommen aus dem Nichts. Folgt man dem Zinsstrom zu seiner Quelle, versteht man, warum das Geldsystem von „Arm“ zu „Reich“ umverteilt. Denn die Zinsen, die Geldvermögen abwerfen, bezahlen letztlich alle Menschen, die einkaufen gehen. Tag für Tag in allen Preisen.

Was die Bank dem Geldbesitzer als Zins bezahlt, bekommt sie überwiegend von Unternehmen, an die sie das ihnen anvertraute Geld verleiht. Der Kredit an die Wirtschaft bringt der Bank jene Zinsen, die sie (nach Abzug ihrer eigenen Kosten) an die Geldbesitzer weiterleitet. Woher aber nimmt die Wirtschaft die Zinsen, die sie für aufgenommene Kredite bezahlen muss? Sie kalkuliert die „Kapitalkosten“ natürlich in ihre Produktpreise hinein. Und diese Preise werden von den Kunden bezahlt. Auf diesem Wege landen die Zinsen, die wir auf unser Erspartes bekommen, letztlich in der Rechnung, die uns die Unternehmen stellen, wenn wir einkaufen. Alle Käufer bezahlen also bei ihren Einkäufen die Zinsen auf die Ersparnisse.

Die deutsche Bevölkerung in zehn gleichgroßen Gruppen: 80 % zahlen mehr Zinsen, als sie aus Geldanlagen und aus Lebensversicherungen einnehmen. Bei weiteren 10 % sind Zinszahlungen und Zinseinnahmen etwa ausgeglichen. Höchstens 10 % profitieren (Grafik 1).

5_10 10 Gruppen

Grafik 1

Die meisten Menschen bezahlen viel mehr Zinsen beim Einkaufen, als sie für ihre Spareinlagen erhalten. In unserer kapitalintensiven Wirtschaftsweise werden hohe Investitionen in Maschinen, Gebäude, Patente und Anschubfinanzierungen durch entsprechend hohe Kredite finanziert. Über die Wertschöpfungsstufen summieren sich die Zinsen. Im Produktpreis stecken durchschnittlich ca. 30% Kapitalkosten. Das heißt: Jeder dritte Euro, den wir Konsumenten beim Einkauf ausgeben, landet als Zinsertrag auf dem Konto der Kreditgeber. 1 Jeder der einen Überblick über sein Geldvermögen und seine monatlichen Ausgaben hat, kann somit für sich die Frage prüfen: Bekomme ich mehr Geld durch meine Geldanlagen als ich beim Einkaufen an Kapitalkosten bezahle? Für die meisten Menschen fällt diese Rechnung schlecht aus: Hohe Zinsen verteilen systematisch von „Arm“ zu „Reich“, bzw. von der arbeitenden, großen Mehrheit der Bevölkerung zu den Kapitalgebern. Rechnet man Zinslast und Zinsertrag gegeneinander auf wird klar: Der Mittelstand zahlt die meisten Zinsen (Grafik 2).

5_15 Zinslast vs Erträge

Grafik 2

Nur die reichsten 10 % der Bevölkerung verdienen. Sie bekommen ca. 60 % der Zinsen und damit ein leistungsloses Einkommen. Das Geldsystem sorgt für systematische Umverteilung – von der Mehrheit der Bevölkerug zu der vermögenden Minderheit (Grafik 3).

5_30 Kreislauf

Grafik 3

Lesen Sie die weiteren Einführungsartikel zu den Problemen unseres Geldsystems auf unserer Webseite (Wachstum, Verschuldung, Krisen) oder sehen Sie eine Zusammenfassung hier in einen kurzen Video von MONNETA:

Fußnoten:

  1. Eine Überschlagsrechung von Ralf Becker kann hier als PDF heruntergeladen werden.