Braucht Deutschland in der Staatsschuldenkrise einen „New Deal“ oder ein neues Finanzsystem? Und welche praktischen Maßnahmen sollten sofort ergriffen werden, um die Realwirtschaft zu schützen? Franz Galler, Roland Spinola, Norbert Rost und Heinz-Ulrich Eisner diskutierten bei TV-Orange mit Wolfgang Theophil.

Artikel im Original lesen: tv-orange.de

Einfache Betrachtungen zu einem komplexen Thema

Geld ist nach wie vor ein Tabuthema unserer Zeit. Geld ist einerseits eine der genialsten Erfindungen der Menschheit und gleichzeitig Ursache unserer größten Probleme – die augenblickliche Finanzkrise zeigt das sehr deutlich.

Schon das oft benutzte Zitat des Vortragstitels ist falsch – im 1. Paulusbrief an Timotheus heisst es: „Denn eine Wurzel aller Übel ist die Geldgier“. Aber das ist nicht das einzige Mißverständnis – nur wenige Menschen verstehen „Geld“ und was damit zusammenhängt – und das gilt auch für viele Ökonomen, Politiker und Fachleute aus der Wirtschaft.

Der Schweizer Prof. H.-C. Binswanger drückte das in einem Interview so aus: „99% der Menschen sehen das Geldproblem nicht. Die Wissenschaft sieht es nicht, die Ökonomie sieht es nicht, sie erklärt es sogar als ‘nicht existent’. Solange wir aber die Geldwirtschaft nicht als Problem erken- nen, ist keine ökologische Wende möglich“.

Jetzt haben uns die Probleme eingeholt und es ist das passiert, was viele Autoren befürchtet und vorausgesehen haben: Die möglicherweise schlimmste Finanzkrise ist da. Die Medien sind voll, die Politik reagiert – aber merkwürdiger Weise werden die grundlegenden Ursachen kaum diskutiert.

In meinem Vortrag weise ich – gewürzt durch Bilder, Geschichten, Metaphern und Grafiken – auf einige „Webfehler“ in unseren Geldsystemen hin, die zu den Ursachen der Finanzkrise zählen und viele wirtschaftliche und soziale Probleme zur Folge haben.

Die globalisierte Finanzwirtschaft ist ein sehr komplexes System, das allein durch strengere Regeln und Richtlinien nicht zu steuern ist. Bei solchen Systemen müssen Effizienz und Vielfalt in Balance sein, damit Nachhaltigkeit gewährleistet ist. Die Effizienz ist zweifellos sehr gross – bei der Vielfalt hapert es aber an wichtigen Stellen, z.B. bei den Währungssystemen.

Ich weise auf diese Zusammenhänge hin und zeige Beispiele für Lösungsmöglichkeiten zum Überwinden der Probleme.

Das Thema ist komplex und kompliziert; der Vortrag versucht, diese Komplexität begreiflich zu machen, ohne zu sehr zu vereinfachen oder eine Ideologie zu transportieren. Fragen und Hinter-Fragen ist wichtiger als Missverständnisse und Mythen zu wiederholen – der Dialog mit dem Zuhörer ist erwünscht!

Informationen zum Vortrag

Probleme mit den Sozialsystemen, ständig hohe Arbeitslosigkeit, wachsende Verschuldung der öffentlichen Haushalte, immer höhere Steuern und Abgaben, Zerstörung der Lebensgrundlagen und schliesslich eine katastrophale Finanzkrise: Diesen Problemen ist gemeinsam, daß sie – neben vielen anderen – eine Ursache haben: Die Konstruktion unserer Geldsysteme.

Dieser Vortrag klärt auf: Über die „Webfehler“ in unseren Geldsystemen, über die Mißverständnisse und Irrtümer, die noch immer bei diesem Tabu-Thema weit verbreitet sind.

  • Warum fehlt in diesem reichen Land plötzlich überall das Geld?
  • Warum wird als Lösung für viele Probleme beharrlich nach immer mehr Wirtschaftswachstum gerufen?
  • Warum wird die augenblickliche Finanzkrise nicht die letzte sein, trotz aller Bemühungen der Politik?

Der Vortrag versucht, darauf Antworten zu geben.

Warum steht alles wirtschaftliche Handeln heutzutage unter einem „Renditezwang“, obwohl dies zu Lasten von Mensch und Natur geht? Politik, Wirtschaft und die Wissenschaft bleiben uns Antworten auf diese Fragen schuldig.

Die den Problemen zugrunde liegenden Mechanismen sind verblüffend einfach (und einfach zu verstehen!), die Lösungen allerdings komplex und schwierig durchzusetzen.

Struktur des Vortrags – Themenauswahl

Einleitung: Worum geht’s?: Eine Aufgabe, eine Geschichte und ein Zitat

  • Die Webfehler, die Irrtümer und was daraus folgt:
    • „Wir brauchen Wachstum“ – auf ewig?
    • „Ich zahle keine Zinsen, weil ich keine Schulden habe“ – ein Irrtum!
    • „Vor dem Geld sind wir alle gleich“ – wirklich?
  • Die Situation und die Aufgaben
    • Die Zeitkompressionsmaschine (nach Bernard Lietaer): Überalterung, Klimawechsel, Informationstechnologie und Währungsinstabilität: zwei „Titanics“ und zwei Eisberge.
    • Geld und die Zeitkompressionsmaschine – Wie hängen die von Menschen verursachten Megatrends und unser Geldsystem zusammen?
    • Das komplexe System der globalisierten Finanzwirtschaft – Nachhaltigkeit durch Effizienz und Vielfalt
  • Ansätze für Lösungen
    • „Wir schaffen den Zins ab“
    • „Wir folgen dem Beispiel der JAK-Bank“
    • „Wir schaffen komplementäre Währungen

Und was sagen Sie dazu?

Quellenmaterial sind u. a. die Arbeiten von Helmut Creutz, Margrit Kennedy und Bernard Lietaer sowie unzähliger anderer AutorInnen.

Das Thema ist noch lange nicht ausdiskutiert, wird aber bald verstärkt auf den „Radarschirmen“ der Wirtschaft, der Medien und der Politik erscheinen! Der Vortrag bereitet Sie auf diese Diskussion vor, ohne eine Ideologie oder Glaubensrichtung zu transportieren. Er stellt ein komplexes Thema kurz, klar und verständlich vor. Auf Wunsch stehen umfangreiche Quellenangaben und Unterlagen zur Verfügung, die die weitere Beschäftigung mit diesem zukunftsweisenden Sachgebiet erleichtern.

Der Vortrag wurde am 23. April 2009 in der Volkshochschule Fulda gehalten. Den Text können Sie als PDF-Dokument herunterladen (71 kB).