Das Volk wird sich über die «Vollgeld-Initiative» äussern können. Das Initiativkomitee hat am Dienstag 112 000 beglaubigte Unterschriften eingereicht. Die Initianten von „Monetäre Modernisierung (MoMo) haben am Dienstag den 1. Dezember 2015 112 000 Unterschriften bei der Bundeskanzlei eingereicht. Im Kern will die Vollgeld-Initiative die Geldschöpfung der Geschäftsbanken via Kreditgewährung verbieten und das derzeit auf Noten und Münzen beschränkte Monopol der Nationalbank (SNB) auch auf Buchgeld ausdehnen.

Artikel im Original lesen: http://www.nzz.ch/schweiz/erfolg-fuer-vollgeld-reformer-1.18655693

Der Verein Monetäre Modernisierung (MoMo) hat bekannt gegeben, er habe für die eidgenössische Volksinitiative «Für krisensicheres Geld: Geldschöpfung allein durch die Nationalbank» 100’000 beglaubigte Unterschriften gesammelt. Sie sollen am 1. Dezember in Bern eingereicht werden, um einen Volksentscheid zu bewirken. In diesem Artikel sind die wichtigsten Fragen und Antworten zur Vollgeldinitiative zusammengestellt.

Artikel im Orignal lesen: http://www.fuw.ch/article/vollgeld/

Irving Fisher veröffentlichte vor dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise im Jahr 1935 einen Vorschlag zum 100%-Geld, das heißt zu einer hundertprozentigen Deckung der Bankguthaben durch Zentralbankgeld (Fisher 1935; zur Entstehung des Vorschlags und Fishers politisches Vorgehen vgl. Allen 1993). Dieses Vorhaben ist auch als Chicago-Plan bekannt, da es von mehreren Chicagoer Ökonomen vertreten wurde. Banken müssen gemäß dem Plan dauerhaft Barreserven in Höhe von 100 Prozent für die Sichtguthaben ihrer Kunden halten. Aus diesem Grunde wird der Ansatz auch Full Reserve Banking genannt. Geldschöpfung sollte demzufolge nicht mehr durch Kreditvergabe der Privatbanken erfolgen, womit den Geschäftsbanken die Möglichkeit zur Geldschöpfung entzogen wird. Das Privatbankengeschäft würde sich entsprechend auf die Funktion als Geldvermittler konzentrieren. Banken könnten Kredite nur in Höhe der ihnen zur Verfügung gestellten Sparguthaben sowie des Zentralbankgeldes, das sie vorab von der Zentralbank erhalten, vergeben (Allen 1993: 705).

Ausgangspunkt dieses Konzepts ist die Feststellung, dass der bargeldlose Zahlungsverkehr bei Zahlungen überwiegt. Zum größten Teil, zu Fishers Zeiten von ihm bereits auf 90 Prozent geschätzt, bestehen Zahlungsmittel nicht aus Zentralbankgeld, sondern aus „Scheckbuchgeld“ (Buchgeld, über das jederzeit verfügt werden kann = Giralgeld). Der Staat hat keinen umfassenden Einfluss auf die Schöpfung des Buchgeldes, denn Geschäftsbanken können im Rahmen ihrer Kreditgewährung einen Anspruch auf Zentralbankgeld einräumen, welcher wiederum selbst zu Geld wird. Geschäftsbanken sind so zur multiplen Geldschöpfung auf Basis geringer Reservevorschriften fähig. Das Buchgeld ist zum vorrangigen Zahlungsmittel geworden, obwohl es nicht durch entsprechende Mengen an Bargeld bzw. Zentralbankgeld gedeckt ist.

In der schnellen Vernichtung von Giralgeld (Buchgeld) sah Fisher die Hauptursache der Weltwirtschaftskrise. Der Zusammenbruch der Geldversorgung, der zwischen 1929 und 1933 auftrat, hätte Fisher zufolge mit einem Full-Reserve-Banking-System verhindert werden können (Bordo/Rockoff 2011: 40). Fisher nennt verschiedene Vorteile des 100%-Plans (vgl. Benes/Kumhof 2012: 5f.). So würden plötzliche Anstiege oder Zusammenbrüche des Kreditangebots von Banken verringert. Dadurch würde auch die Gefahr einer Inflation oder Deflation sinken und das System insgesamt stabilisiert. Der zweite Vorteil liege in der Verhinderung von Bankenstürmen und der Verringerung von Bankenpleiten. Insgesamt führe es zur Abschwächung von Boomphasen und Depressionen und zu einer stärkeren realwirtschaftlichen Rückbindung des Geldes. Als dritten Vorteil sieht er die außerordentliche Reduzierung öffentlicher Schulden, da Geld nicht mehr durch öffentliche Kreditaufnahme geschöpft würde. Somit könnte der Staat Geld direkt emittieren, anstatt zu verzinsende Kredite bei Banken aufnehmen zu müssen. Da Geld grundsätzlich nicht mehr über Kreditschöpfung entstehen würde, könnte darüber hinaus auch die private Verschuldung zurückgeführt werden.

In ihrer Modellierung kommen die beiden IWF-Analytiker Benes und Kumhof jüngst zu dem Schluss, dass der Chicago-Plan in der Tat die von Fisher genannten Vorzüge aufweise (Benes/Kumhof 2012). Zu den Befürwortern von Full Reserve Banking gehört auch Milton Friedman mit seinem Programm für monetäre Stabilität (Milton Friedman 1961: insbesondere 65–75). Eine vollständige Reservedeckung verhindere jeden Bankensturm, da 100 Prozent der Einlagen gedeckt sind und somit an die Kunden mit Sparguthaben in bar ausgegeben werden können. In jüngster Zeit liefert Binswanger konkrete Überlegungen zu einer Umsetzung des 100%-Geldes (Binswanger 2012). So könnte den Geschäftsbanken im Rahmen einer Übergangsfrist bei der Rückzahlung von Krediten Zentralbankgeld in Höhe der vorherigen Kreditsumme zur Verfügung gestellt werden, sodass sie dann neue, nun voll gedeckte Kredite vergeben können.

Zu den Zielen des Full Reserve Banking gehören neben einer Stabilisierung der Geldmenge und somit einer Glättung von Konjunkturzyklen auch die Verringerung von Staatsschuld durch Gewinne durch die Herausgabe von Geld und langfristig die Reduzierung privater Verschuldung. Befürworter des Konzepts sehen im Vergleich zum jetzigen System eine verbesserte Erfüllung dieser Funktionen, da Kreditgeldmengenschwankungen, Inflation und Deflation reduziert werden können. Kritiker des Ansatzes vermuten, dass die strikte Regulierung der Buchgeldschöpfung dazu führen könnte, dass andere Finanzprodukte oder Assets Geldfunktionen übernehmen würden. Es würden somit Ausweichmöglichkeiten gesucht und die staatliche Steuerungsfähigkeiten weiterhin untergraben (vgl. Allen 1993: 716).

(frei zitiert aus: Philipp Degens (2013): Alternative Geldkonzepte, MPIfG Discussion Paper 1/13, mit freundlicher Genehmigung des Autors – Literaturhinweise bitte bei Degens nachsehen.)

Im Jahr 2012 haben sich an einer Reform des Geldsystems interessierte Bürgerinnen und Bürger zusammengefunden und in Berlin den gemeinnützigen Verein Monetative e.V. gegründet (Satzung hier). Der Verein fordert eine grundlegende Reform des bestehenden Geldsystems. Er sieht die Hauptprobleme darin, dass:

  • nur das Bargeld von der Zentralbank herausgegeben wird, während das Geld für den bargeldlosen Zahlungsverkehr (Giralgeld) ausschließlich durch private Geschäftsbanken erzeugt wird
  • Banken bei Zahlungen an Nichtbanken immer neues Giralgeld aus dem Nichts schöpfen, etwa bei Kreditvergabe, Wertpapierkauf etc.
  • Instabilität und Finanzkrisen vorprogrammiert sind
  • Staat und Bürger bei Bankenpleiten haften müssen

Zu seinen Reformforderungen gehören:

  • die Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts der Geldschöpfung in der Verantwortung einer unabhängigen 4. Gewalt, der Monetative
  • ein sogenanntes Vollgeldsystem mit Beendigung jeglicher Geldschöpfung durch private Geschäftsbanken
  • die Inumlaufbringung neuen Geldes durch öffentliche Ausgaben zugunsten der Allgemeinheit

Der Verein Monentative e.V. ist der Internationalen Geldreformbewegung angeschlossen. Auf nationaler und europäischer Ebene verfolgt er das Ziel, die sozial- und wirtschaftswissenschaftliche Erforschung der Funktionsweise von Geldwesen und Finanzordnung, insbesondere der Geldschöpfung in Geschichte, Gegenwart und möglichen Zukunftsszenarien; sowie die Wissensvermittlung und Erwachsenenbildung zu diesen Themen.

Der Verein und seine Mitglieder

  • veranstalten regelmäßige Infoabende, diskutieren Fachfragen in vereinsinternen Workshops und halten Jahrestagungen (siehe Veranstaltungen)
  • tragen zur allgemeinen Aufklärung zur Funktionsweise des Geldsystems bei
  • veröffentlichen einen regelmäßigen Newsletter
  • kontaktieren an Geldreform interessierte Journalisten, Politiker und Verbände
  • arbeiten weltweit mit inhaltlich nahestehenden Geldreforminitiativen zusammen

 

Die Monetative im Web:

Homepage: http://www.monetative.de/

Facebook: https://www.facebook.com/Monetative

Twitter: https://twitter.com/Monetative

youtube: http://www.youtube.com/channel/UCkxcl3lSt0WOJN1q5tlDRuA

Postanschrift/Geschäftsstelle

Monetative e.V.
Merseburgerstr. 14
10823 Berlin

Kontakt

Tel.  +49 (0)30 12064298

Mail: mail (at) monetative.de

Vertreten durch:

Klaus Karwat, 1. Vorsitzender

 

von Dr. Eva-Maria Hubert, in: Zeitschrift für Sozialökonomie (ZfSÖ) 172/173, Mai 2012

Was ist Geld? Wer denkt, das ist doch ganz einfach, es ist ein Zahlungsmittel, der hat Recht. Geld ist Zahlungsmittel. Zahlungsmittel zu sein, das ist seine ureigenste Aufgabe – und zwar unabhängig davon, ob es als Muschel-, Weizen-, Münz- oder Papiergeld, ob es als Zeit- oder Internetwährung auftritt. Zusätzlich kann Geld auch als Rechenmittel und Wertspeicher dienen. Doch das „Agens Geld“ ist weit mehr: Es ist eine Sozialtechnik und zwar eine, die sich über Jahrtausende hin entwickelte und immer noch weiterentwickelt.

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Einführung in eine gerechtere Wirtschaftsform.

Eine Geldreform, die den Namen verdient, muss einige Zusammenhänge, die im bestehenden System von einem Nebel eingehüllt werden, klar und scharf voneinander unterscheiden und abgrenzen:

  • Leistungswerte (menschliche Leistung)
  • Nichtleistungswerte (Boden und natürlich vorhandene Ressourcen)
  • Waren (Tauschgüter mit intrinsischem Wert)
  • Geld (Tauschmittel und Wertmesser, ohne intrinsischen Wert
  • Kredit (Wertaufbewahrungsmedium)

Geld ist ein öffentliches Medium, das als Ausweitung des Menschen seine Fähigkeit erweitert, Leistung zu geben und zu empfangen.

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Bietet eine Vielfalt von komplementären Währungen einen Weg aus der Krise?

Dokumentation des Symposiums „Für einen neuen Geldpluralismus“, 15. bis 18. Juni 2000 im Lebensgarten Steyerberg

VORTRÄGE

Margrit Kennedy und Declan Kennedy: Ziele des Symposiums
Bernard Lietaer: Das Geld der Zukunft
Helmut Creutz: Monetäre Größenordnungen und Zusammenhänge
Eckhard Grimmel: Zum Rechtsstatus der Bundesbank und der EZB
Erhard Glötzl: Welche Probleme können Komplementärwährungen lösen?
Johannes Heinrichs: Anmerkungen und Fragen zum Geld der Zukunft
Wolfgang Gebauer: Globale Währungsordnung
Hugo T.C. Godschalk: Das Geld der Zukunft
Bernd Senf: Weiser als die Weisen
Reinhard Deutsch: Falschgeld
Gero Jenner: Der Mythos vom ökonomischen Gleichgewicht
Bernard Lietaer: Mysterium Geld

WORKSHOPS

Helmut Creutz: Zur Theorie der multiplen Geldschöpfung – Erwiderung auf die Argumente der Geldschöpfungs-Befürworter
Erhard Glötzl: Zusammenfassung der Erkenntnisse aus der Diskussion um die Geldschöpfung

Die gesamte Dokumentation können Sie hier als PDF-Dokument herunterladen (85 Seiten, 610 kb)