Parallelwährungen sind staatlich herausgegebene, offizielle Zweitwährungen neben dem gesetzlichen Zahlungsmittel, sie können auch zum gesetzlichen Zahlungsmittel erklärt werden. Eine Parallelwährung kann eine stabile, harte Währung sein (z.B. eine ausländische Währung), die neben der schwachen, weichen Landeswährung verwendet wird um beispielsweise einer Hyperinflation in der Landeswährung zu entgehen. Umgekehrt kann aber auch eine schwache Inlandswährung als Parallelwährung herausgegeben werden um die Binnenwirtschaft anzukurbeln und die Exportwirtschaft wieder wettbewerbsfähiger zu machen.

In der Literatur (Hahn 1969) wird gelegentlich unterschieden zwischen Parallelwährungen (mit frei schwankendem Wechselkurs) und Doppelwährungen (mit festem Wechselkursverhältnis zur offiziellen Erstwährung). Doppelwährungen waren bis ins 19. Jahrhundert vor allem in Münzgeld-Systemen verbreitet, so wurden z.B. Gold- und Silbermünzen oder Scheidemünzen mit einem festgelegten Wertverhältnis zueinander gehandelt bzw. verrechnet und akzeptiert. In den Jahren bis zur Euro-Einführung am 1. Januar 2002 stellten auch die Nationalwährungen unwiderruflich an den Eurokurs gekoppelte Doppelwährungen dar.

Viele Ökonomen sehen darin im Nachhinein einen der „Geburtsfehler“ der Euro-Währung. Denn befinden sich unterschiedlich leistungsstarke Wirtschaftsräume in einem einheitlichen Währungsraum, ist die gemeinsame Währung für starke und schwache gleichermaßen suboptimal. Mindestens einer von beiden muss sich dann den einheitlichen Maßstäben anpassen oder ist auf Transfers angewiesen (Frankel 1999, Jacobs 1984). Das Geltungsgebiet der Gemeinschaftswährung ist insofern kein optimaler Währungsraum („optimal currency area“, OCA). Mit einer landeseigenen Währung – oder einer Parallelwährung mit frei schwankendem oder per „Abwertungsband“ vorgegebenem Kurswert kann hingegen jeder Staat gezielt und dosiert geldpolitisch Einfluss auf die eigene Binnenkonjunktur und Außenwirtschaft nehmen und sich so aus seiner Transfer- und Exportabhängigkeit befreien.

In seiner Zeit als Finanzminister hatte Oskar Lafontaine im Zuge der Deutsch-Deutschen Wiedervereinigung für die vorübergehende Beibehaltung der Ostmark als Parallelwährung zur DM plädiert. Damit wollte er ein Ausbluten der „strukturschwachen“ neuen Bundesländer verhindern und ihnen eine behutsame Anpassung an die wettbewerblichen Marktverhältnisse des Westens ermöglichen, konnte sich mit seinem Vorschlag aber nicht durchsetzen. Auch gab es lange vor der Euro-Einführung offizielle Überlegungen, den ECU zunächst als Parallelwährung zu den Nationalwährungen der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft einzuführen (Graumann 1979). In den ersten Jahren nach der Euro-Einführung flammte das Thema noch einmal kurz und vereinzelt in außerparlamentarischen Kreisen auf, so z.B. in Großbritannien (Boyle 2003). In mehreren südamerikanischen Ländern wird der US-Dollar als Parallelwährung zur heimischen Währung genutzt. Kuba hat erst in 2015 den „Peso Convertible“, eine mit US-Dollar gedeckte Parallelwährung wieder abgeschafft. Selbst Arnold Schwarzenegger griff für den US-Bundesstaat Kalifornien im Sommer 2009 auf staatliche Schuldverschreibungen, so genannte IOU’s (von „I owe you: Ich schulde Dir“) als Parallelwährung zurück, um einen Liquiditätsengpass zu überbrücken.

Zuletzt sind Parallelwährungen im Zuge der Euro-Schuldenkrise wieder vermehrt in die Diskussion gekommen, vornehmlich für Griechenland. Laut einer Studie der UBS halten die Finanzmärkte Kapitalverkehrskontrollen und die Einführung einer staatlichen Parallelwährung auf Basis zukünftiger Steuergutschriften (IOUs) eines von vier realistischen Szenarien – wohlgemerkt ohne Grexit und Staatsbankrott. Für Furore sorgte der „Geuro“-Beitrag des damaligen Deutsche Bank Chefvolkswirts Thomas Mayer. Eigene Vorschläge kommen auch von MONNETA (Schuster/Kennedy 2011) und (Gelleri 2012). Selbst der griechische Finanzminister Giannis Varoufakis hatte bereits vor Amtsantritt seine eigene Parallelwährungs-Idee (FT-Coins) auf Basis von Steuergutschriften und Bitcoins neuartiger Blockchain-Technologie veröffentlicht und scherzhaft am 1. April 2015 die tatsächliche Einführung angekündigt.

Weit über 30 verschiedene Parallelwährungs-Ansätze v.a. für Griechenland und die Eurozone sind derzeit bekannt, wie MONNETA Experte Ludwig Schuster für eine Studie im Auftrag des Bundesverbands Mittelständischer Wirtschaft (BVMW) recherchierte. Die Parallelwährungs-Vorschläge kommen aus den unterschiedlichsten ökonomischen und politischen Richtungen und unterscheiden sich teils gravierend im Hinblick auf die Motive – „was soll damit eigentlich bezweckt und wem soll damit geholfen werden?“ – aber auch hinsichtlich der konkret vorgeschlagenen Maßnahmen. Bei aller Unterschiedlichkeit sind sich die Befürworter darin einig, dass Parallelwährungen angesichts stark unterschiedlicher wirtschaftlicher Bedingungen in den europäischen Mitgliedsstaaten ein Mittel zur ökonomischen Selbsthilfe und aufholenden Entwicklung sein können. Bei entsprechender Zielstellung seien sie grundsätzlich geeignet, das volkswirtschaftliche Fundament in den einzelnen Mitgliedsstaaten zu stärken und den gemeinsamen Währungs- und Wirtschaftsraum zu stabilisieren, so die Unterzeichner der gemeinsamen Erklärung.

Literatur:

BVMW Sammelband (2013): Die Parallelwährung. (PDF)
Frankel, J. A (1999): No Single Currency Regime is Right for All Countries or at All Times, Essays in International Finance No. 215, Princeton.
Gelleri, C und Mayer, T (2012): Expressgeld statt Euroaustritt.
Gelleri, C (2015): Parallelwährung für Griechenland, INWO.
Graumann, D (1979): Die Parallelwährung als Europäische Integrationsalternative.
Hahn, H (1969): Geld- und Währungsrecht, München.
Jacobs, J (1984): Cities and the Wealth of Nations, New York.
Schuster, L und M. Kennedy (2011): Mit einer Komplementärwährung kann Griechenland abwerten und in der Euro-Zone bleiben, ZfSÖ 170/171.(PDF)
Schuster, L (2014): Parallel Currencies fort he Eurozone. An outline and an attempt at systemisation. Veblen Institute. (PDF)
Vaubel, R (1990) Currency Competition and European Monetary Integration, In: The Economic Journal, Vol. 100,
No. 402, pp 936-946.

Weiterführende Links:

MONNETA Aufruf: Ja zu einer Parallelwährung für Griechenland, 2012
Ludwig Schuster, Vortrag bei Ergänzungsveranstaltung zur VfS Jahrestagung in Göttingen, 2012 (PDF-Präsentation, Youtube Video)
Ludwig Schuster, Vortrag bei Veblen Institut, Paris, 2013 (PDF-Präsentation)