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Die Gemeinwohl-Ökonomie ist eine Idee und eine Bewegung. Die Gemeinwohl-Ökonomie möchte in einem demokratischen, partizipativen und ergebnisoffenen Prozess ein Wirtschaftssystem etablieren, in dem das Gemeinwohl an oberster Stelle steht. Geld und Wirtschaften sollen Mittel zum Zweck sein und nicht Selbstzweck.

Die zugrunde liegenden Werte:

  • Menschenwürde
  • Solidarität
  • Mitbestimmung und Transparenz
  • Soziale Gerechtigkeit
  • Ökologische Nachhaltigkeit

 

 

Die Eckpunkte:

1. Die Gemeinwohl-Ökonomie ist der Aufbruch zu einer ethischen Marktwirtschaft, deren Ziel nicht die Vermehrung von Geldkapital ist, sondern das gute Leben für alle.

2. Sie setzt die Menschenwürde, die Menschenrechte und die ökologische Verantwortung als Gemeinwohlwerte auch in der Wirtschaft um.

3. Wie diese Werte im unternehmerischen Alltag gelebt werden können, zeigt die Gemeinwohl-Matrix. Sie wird laufend weiterentwickelt und soll demokratisch entschieden werden.

4. Anhand der Matrix erstellen die Unternehmen eine Gemeinwohl-Bilanz. Im Gemeinwohl-Bericht erklären sie die Umsetzung der Gemeinwohlwerte sowie ihr Entwicklungspotential und nehmen eine Bewertung vor. Bericht und Bilanz werden extern überprüft und veröffentlicht. Damit werden die Leistungen für das Gemeinwohl bekannt gemacht.

5. Gesellschaftliche Unterstützung erfahren Gemeinwohl-Unternehmen zunächst am Markt durch VerbraucherInnen, KooperationspartnerInnen und gemeinwohlorientierte GeldgeberInnen.

6. Als Ausgleich für überdurchschnittliche Leistungen zum  Gemeinwohl sollen Gemeinwohl-Unternehmen rechtliche Vorteile bei Steuern, Krediten und öffentlichen Aufträgen sowie im internationalen Handel erhalten.

7. Unternehmensgewinne dienen der Stärkung der Unternehmen sowie der  Einkommenserzielung und der Alterssicherung der UnternehmerInnen und der Beschäftigten, nicht aber der Vermögensvermehrung externer KapitalgeberInnen. So gelangen die UnternehmerInnen zu Freiräumen für gemeinwohlorientiertes Wirtschaften, frei vom Druck zu größtmöglicher Kapitalrendite.

8. Dadurch schwindet der Drang zum Wirtschaftswachstum. Es öffnen sich Möglichkeiten für ein erfülltes Leben bei Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen. In der Arbeit können sich Wertschätzung und Fairness sowie Kreativität und Kooperation besser entfalten.

9. Mit der Begrenzung von Vermögensungleichheiten steigen die Chancen für die gleichberechtigte Teilhabe Aller am wirtschaftlichen und politischen Leben.

10. Die Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung lädt dazu ein, die Verwirklichung der genannten Werte in Wirtschaft und Gesellschaft mitzugestalten. Alle Ideen für eine zukunftsfähige Wirtschaftsordnung sollen in demokratischen Prozessen entwickelt, vom Souverän entschieden und in der Verfassung verankert werden.

Die Strategie:

Auf gesellschaftlicher Ebene ist die Bewegung für eine Gemeinwohl-Ökonomie eine Initiative der Bewusstseinsbildung für Systemwandel, die auf dem gemeinsamen, wertschätzenden Tun möglichst vieler Menschen beruht. Die Bewegung gibt Hoffnung und Mut und sucht die Vernetzung und Befruchtung mit anderen alternativen Initiativen.

Auf politischer Ebene will die Bewegung für eine Gemeinwohl-Ökonomie rechtliche Veränderung bewirken. Ziel des Engagements ist ein gutes Leben für alle Lebewesen und den Planeten, unterstützt durch ein Gemeinwohl-orientiertes Wirtschaftssystem. Menschenwürde, globale Fairness und Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und demokratische Mitbestimmung sind dabei wesentliche Elemente. Die nötigen Veränderung sollen „bottom-up“ durch Wirtschaftskonvente herbeigeführt werden.

Auf wirtschaftlicher Ebene ist die Gemeinwohl-Ökonomie eine lebbare, konkret umsetzbare Alternative für Unternehmen verschiedener Größen und Rechtsformen. Der Zweck des Wirtschaftens und die Bewertung von Unternehmenserfolg werden anhand Gemeinwohl-orientierter Werte definiert. In der Gemeinwohl-Bilanz werden den Kernwerten 17 Einzelindikatoren zugeordnet, um die Gemeinwohl-Orientierung von Unternehmen, Einzelpersonen und Gemeinden zu erfassen, zu bewerten und vergleichbar zu machen. Die Bilanz wird von Auditorinnen geprüft. Sie besteht aus einem ausführlichen „Gemeinwohl-Bericht“ und dem „Testat“, das die Ergebnisse des Berichts in Form der Gemeinwohl-Matrix auf einer Seite zusammenfasst.

DIe Gemeinwohl-Matrix

Die Idee der Gemeinwohl-Ökonomie sieht perspektivisch vor, dass Gemeinwohl-bilanzierte Organisationen und Unternehmen wirtschaftliche Vorteile bekommen sollen, u.a. durch:

  • Steuererleichterungen
  • bessere Kreditkonditionen, z.B. bei der eigens dazu gegründeten Bank für Gemeinwohl und anderen ethisch-ökologischen Banken
  • Weitergabe von Preisvorteilen im Verbund der Gemeinwohl-Unternehmen.

Die Gemeinwohl-Währung:

Innerhalb der Gemeinwohl-Bewegung gibt es Überlegungen, eine eigene Gemeinwohl-Währung zu etablieren. Am 5. April 2014 wurde die AG Gemeinwohl-Währung eingerichtet und offiziell durch die Delegiertenversammlung bestätigt.

Ansprechpartner ist Roland Wiedemeyer.

Zur Entstehungsgeschichte:

Die Gemeinwohl-Ökonomie geht zurück auf Joachim Sikora, der 2001 gemeinsam mit Günter Hoffmann „Visionen einer Gemeinwohl-Ökonomie“ entwirft, auf Basis von Regiogeld, Schwundgebühr, leistungsorientiertem Grundeinkommen und Bodenreform. 2008 legt Christian Felber mit seinem Buch „Neue Werte für die Wirtschaft“ die Grobskizze einer neuen Wirtschaftsordnung vor, die im Schlusskapitel des Buches publiziert wurde. Auf das Buch hin meldete sich rund ein Dutzend UnternehmerInnen, die sich von der Alternative angezogen fühlten und anboten, die Grobskizze zu verfeinern und sich gemeinsam für die Umsetzung einzusetzen. Fast zwei Jahre brütete die Gruppe über dem Modell, bis im Mai 2010 das erste Energiefeld gegründet wurde und im August 2010 die „Gemeinwohl-Ökonomie“ „zur Welt kam“. 2011 wurde die Vereinsgründung auf den Weg gebracht.

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